Von Glühwein-Eis und kalter Verkostung Was Sie über Glühwein garantiert noch nicht wussten

Weihnachtszeit ist Glühweinzeit. Wie testen Kontrolleure den Glühwein, ist der eigentlich auch irgendwie gesund - und toppt der Winzer-Glühwein immer den industriellen? Sieben nüchterne Fakten zum Thema Glühwein.

Eine Tasse Glühwein auf einem Weihnachtsmarkt (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Industriell hergestellter Glühwein ist nicht unbedingt die schlechtere Alternative zum Winzerglühwein. picture-alliance / dpa -

1. Wie viele Kalorien hat ein Becher Glühwein?

Das kommt darauf an, wie stark der Glühwein gesüßt wurde und wie viel Alkohol in ihm steckt. "Der Zuckergehalt liegt bei Untersuchungen oft bei 100 Gramm je Liter oder nur wenig darunter", sagt SWR1 Ernährungsexperte Werner Eckert. "Das ist eine Menge fast so viel wie in Limo und Cola." Als Richtwert gilt: 200 Kalorien für einen Becher. Und dazu kommt dann noch der Alkoholgehalt.

2. Roter, weißer oder Rosé-Glühwein - welcher steigt denn am wenigsten zu Kopf?

Grundsätzlich habe Rotwein tendenziell etwas mehr Alkohol, so Werner Eckert. Glühwein muss gesetzlich zwischen 7 und 14,5 Volumenprozent Alkohol haben. "Tatsächlich sind es an den Weihnachtsmarktständen meist zwischen 8 und 10 Prozent. Das liegt daran, dass der Glühwein da lange warm gehalten wird", so der Experte. Deshalb sei beim Glühwein die Sorte selbst auch nicht mehr so wichtig: "Bei den Kopfschmerzen gibt es keine Unterschiede."

3. Und die Außentemperatur beim Trinken - macht die für die Wirkung einen Unterschied?

Ob wir bei +10 Grad oder bei -10 Grad am Glühweinstand stehen, macht für die Wirkung keinen wesentlichen Unterschied. "Es ist aber so, dass die Aromastoffe besser riechbar sind, wenn der Glühwein richtig dampft", so Werner Eckert. Für den intensiveren Glühweingeruch sind also kalte Temperaturen von Vorteil.

4. Viele Kalorien und Alkohol - ist Glühwein denn auch irgendwie gesund?

"Glühwein enthält erst mal Alkohol und der ist - bei allem Genuss - ein Nervengift", so Werner Eckert. "Er wärmt und der Dampf befeuchtet die Schleimhäute. Aber das tut Tee auch", so der Experte. Der Vitamin-C-Gehalt von heißen Getränken sei dazu immer niedrig, weil Hitze diesen Stoff zerstöre. "Deshalb ist es übrigens auch ziemlich unsinnig, heiße Zitrone zu trinken," so Eckert.

5. Die Qual der Wahl: Industrieller Glühwein oder lieber Winzerglühwein?

Auf den großen Märkten gibt es heute in der Regel industriell hergestellten Glühwein - und das ist nicht unbedingt schlecht. "Der kommt in großen Kanistern und läuft durch Zapfanlagen", sagt Glühweintester Achim Ginkel vom Landesuntersuchungsamt in Koblenz. Das habe sich als Segen erwiesen, weil es damit gleich zwei Probleme nicht mehr gebe. "Als der Glühwein in großen Bottichen lange gekocht wurde, gingen die Aromen flöten", so Achim Ginkel. "Der Alkoholgehalt sinkt, das heißt der Glühwein schmeckt verkocht. Und man hat nicht mehr das Problem, dass sich Metalle aus dem Topf herauslösen - Aluminium oder Kupfer zum Beispiel."

Industrieller Glühwein habe außerdem eine immer gleich bleibende Qualität. "Man darf aber nicht erwarten, das da große Weine ausgeschenkt werden. Ein Glühwein ist nur so gut wie der Grundwein und die Gewürze. Der Wein aus kleiner Herstellung kann also durchaus einfach besser schmecken."

Glühwein wird einem Topf zubereitet (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Bei selbstgemachtem Glühwein sollte man lieber mehrere kleine Portionen erhitzen. picture-alliance / dpa -

6. Wie wird Glühwein eigentlich getestet?

Von Weihnachtsmarkt zu Weihnachtsmarkt ziehen und alle Stände durchprobieren - so ist es leider nicht. "Bei uns besteht die Glühweinuntersuchung aus zwei Teilen", sagt Glühweintester Achim Ginkel. Zum einen gebe es die Analytik im Labor. Zum anderen gebe es auch immer eine Verkostung durch die Weinkontrolleure. "Die hat so gar nichts mit Weihnachtsmarktatmosphäre zu tun. Das ist das genaue Gegenteil, es geht sehr nüchtern ab. Kollegen sitzen am Tisch, mit Spuckbecken neben sich", so der Tester. Noch dazu werde der Glühwein kalt verkostet.

7. ...und wenn mal Glühwein übrig bleibt?

Wenn man selbst zu viel Glühwein gekocht hat, sollte man ihn nicht den ganzen Abend über warm halten. "Dabei verdampft Alkohol und der Zucker kriegt einen Karamell-Geschmack. Kurz: warmhalten macht den Stoff nicht besser", so Werner Ecker. Günstiger sei es, immer wieder eine Portion richtig heiß zu machen. Den Glühwein könne man übrigens auch einfrieren - zum Beispiel als Glühwein-Eis für den Weihnachtsnachtisch.

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