Armbrust (Foto: SWR, dpa/picture-alliance - Manfred Bail)

Unhandlich, gefährlich, leicht beschaffbar Die Armbrust als Waffe

Nach den Morden in Passau steht eine uralte Jagd- und Verteidigungswaffe plötzlich im Fokus: die Armbrust. Für den Kauf in Deutschland braucht man nur einen Personalausweis.

Gesetzeslage

Armbrüste gehören nach dem Waffenrecht zu den so genannten "freien Waffen". Das bedeutet, es bedarf keiner besonderen Erlaubnis, um eine solche Waffe kaufen oder tragen zu dürfen. Ralf Zimmermann betreibt in Hof im Westerwald ein Ladengeschäft für Sportbögen. Er erklärt: "Mit der Vollendung des 18. Lebensjahres kann man sich eine Armbrust kaufen. Das ist nicht waffenscheinpflichtig und ich muss nur einen Personalausweis vorlegen und zeigen, dass ich 18 bin. Dann kann ich die Armbrust kaufen." Verboten ist in Deutschland wiederum die Jagd, anders als in Spanien und Kanada.

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Unhandlich und kraftaufwändig

Armbrüste sind zum Teil über vier Kilogramm schwer und bis zu siebzig Zentimeter lang. Dazu kommt ein enormer Kraftaufwand, der notwendig ist, um den Bogen zu spannen. "Da muss ich dann noch 40 Kilogramm und mehr ziehen. … Frauen bekommen die oft gar nicht gespannt," weiß Ralf Zimmermann. Auf kurzen und mittleren Distanzen weisen Armbrüste eine hohe Treffgenauigkeit auf. So beschleunigt der Bogen einen Pfeil (oder eine Stahlkugel) auf Geschwindigkeiten von über 400 Stundenkilometern. "Ein Spielzeug ist das natürlich nicht," betont Ralf Zimmermann und fährt fort, "verletzen kann ich damit natürlich jemanden!"

Historische Armbrust (Foto: SWR, colourbox - colourbox)
Historische Armbrust colourbox - colourbox

"Unritterliche" Waffe

So wurde die Armbrust schon vor über 2.500 Jahren als Waffe benutzt. Die Römer nannten sie zum Beispiel "Ballistae". Das Mittelalter galt als Hochzeit der Armbrust. Ausgrabungen belegen, dass sie erstmals erfolgreich in der Schlacht von Hastings (1066 n.Chr.) eingesetzt wurde. Mitte des 12. Jahrhunderts wurde die Armbrust wegen ihrer hohen Durchschlagskraft als "unritterlich" verboten. Ende des 15. Jahrhunderts verdrängt die Arkebuse (auch Hakenbüchse genannt) als Vorläufer des Gewehrs die Armbrust als Kriegswaffe in Europa. Als Jagd- und Sportwaffe wird sie jedoch bis heute eingesetzt.

Sportwaffe

Der Umgang mit dem Sportgerät "Armbrust" ist in den Statuten des Deutschen Schützenbundes geregelt. Es gibt dabei verschiedenste Disziplinen, die entweder auf entsprechenden Schießständen oder im Freien praktiziert werden. Dabei wird auf Distanzen zwischen 10 und 100 Metern gezielt. In Rheinland-Pfalz gibt es mit dem Pfälzischen Sportschützenbund e.V. und dem SVP Bechtolsheim lediglich zwei Sportvereine, die Armbrustschießen explizit als Präzisionssportart anbieten.

Gefährlicher Mini-Trend in Fernost

Zahnstocher-Armbrust aus Fernost (Foto: SWR, dpa/picture-alliuance - Boris Roessle)
Klein und gefährlich: Zahnstocherarmbrust aus China dpa/picture-alliuance - Boris Roessle

Einen gefährlichen Trend stellen die nur handtellergroßen, nur wenige Euro teuren "Zahnstocherarmbrüste" (engl.: toothpick crossbows) dar. In Fernost erfreut sich dieses Spielzeug vor allem bei Kindern großer Beliebtheit. Da die Bögen meist entsprechend stark sind, können auch kleine Stahlpfeile abgefeuert werden. Waffenexperten verweisen auf die hohe Verletzungsgefahr.

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