Schlafende Frau (Foto: SWR, colourbox - colourbox)

Tipps von Experte Hans-Günther Wees "Entspannung ist der Königsweg zum Schlaf"

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"Werden sie ihre eigene Schlaftablette oder Ihr eigener Fernsehapparat und sorgen sie für gute Gefühle! Dann klappt es mit dem Schlaf auch besser," sagt Hans-Günther Wees. Er ist Experte für Schlafmedizin am Pfalzklinikum Klingenmünster und hat die Fragen der SWR1 Hörerinnen und Hörer rund um das Thema Schlaf beantwortet.

Peter Riedel aus Winnweiler wüsste gerne, wie der Mittagsschlaf einzuordnen ist. Seit seiner Kindheit schläft er bis heute jeden Mittag circa 10 bis 20 Minuten. Hat das einen positiven Effekt?

Seine Eltern haben ihm da etwas Gutes getan, auch was die Länge des Mittagschlafs angeht. Zehn bis zwanzig Minuten sind vollkommen ausreichend, um sich wach und ausgeschlafen zu fühlen. Man ist danach in der zweiten Tageshälfte leistungsfähiger, ausgeglichener und macht weniger Fehler. Wenn man das am Arbeitsplatz praktizieren könnte, wäre das optimal. Denn ist man dort ebenfalls ausgeglichener und kann den nervenden Kollegen oder Chef viel besser ertragen. Büroschlaf sollte eigentlich Karriere machen, weil er eine leistungssteigernde Wirkung hat. Wer regelmäßig einen kurzen Mittagsschlaf hält, der reduziert außerdem das Risiko von Herz- und Kreislauferkrankungen und erhöht die Wahrscheinlichkeit auf ein längeres Leben.

SWR1 Hörer Herr Münz möchte wissen, ob Träume direkt mit der Qualität des Schlafs zusammen hängen? Ob also schlechte Träume automatische auch schlechten Schlaf bedeuten und umgekehrt?

In unseren Träumen verarbeiten wir das, was wir den Tag über erlebt haben, das was für uns emotional bedeutsam war. Die meisten unserer Trauminhalte sind aber eher emotional eingetrübt oder negativ. Das lässt darauf schließen, dass wir im Traum eher die negativen Dinge unseres Alltags verarbeiten.
In der Regel hat das aber keinen Einfluss auf die Schlafqualität. Werden Träume allerdings zu Albträumen, wachen wir nachts also immer wieder auf, werden wir durch den Traum aus dem Schlaf gerissen, dann kann dieser Zustand tatsächlich quälend werden.

Ihr Buch heißt: "Schlaf wirkt Wunder": was passiert also, wenn wir chronisch unausgeschlafen sind?

Erstens: Die gesundheitlichen Risiken sind enorm wenn wir zu wenig Schlaf haben. Stoffwechselerkrankungen, Herzkreislauferkrankungen steigen drastisch an. Unser Immunsystem wird geschwächt, das Diabetesrisiko steigt an und auch das Risiko für psychische Störungen. Zweitens: Sind wir unausgeschlafen, werden wir weniger kreativ. Diese Einbußen kosten uns jährlich rund 60 Milliarden Euro im Jahr, das entspricht 1,6 Prozent des Bruttosozialproduktes. Und wenn wir mal in den Straßenverkehr schauen: Es sterben auf deutschen Straßen mehr Menschen doppelt so viele Menschen an Übermüdung als durch Alkohol am Steuer.

In Ihrem Buch haben sie auch über Sex geschrieben als schlaffördernde Maßnahme, warum ist das so?

Ich habe das mit einem Augenzwinkern gemeint … aber: Anspannung und Stress verhindert Schlaf. Entspannung führt zu Schlaf. Sexualität führt zu Entspannung. Dabei wird das Kuschelhormon Oxytocin ausgeschüttet, das wirkt Blutdrucksenkend und entspannend. Wenn man nach dem Sex dann in die Tiefenentspannung gerät ist das Einschlafen leichter. Und es gibt dann auch die andere Wirkung: Wer ausreichend schläft, der hat mehr Lust auf Sexualität.

Wie erholsam und ratsam ist Couch-Schlaf tatsächlich?

Ganz Deutschland schläft auf der Couch vor dem Fernseher am besten. Und dass, obwohl die Bedingungen oft widrig sind. Es ist unbequem, es ist laut, es ist hell. Mit dem Einschalten des Fernsehers schaltet man sich selbst ab, man kommt also in die Entspannung. Sogar Menschen mit Schlafstörungen können auf der Couch gut schlafen und später im Bett stört dann der Partner, nur durch die pure Anwesenheit. Solche Fälle machen uns deutlich, es kann sich bei solchen Schlafstörungen nicht um eine organische Erkrankung handeln. Es ist reine Kopfsache, wenn Menschen im Bett ein Schlafproblem haben, aber auf der Couch nicht.
Trotzdem ist Schlaf vor dem Fernsehapparat nicht gut! Er baut den Schlafdruck ab. Geht man danach später ins Bett, kann man oft nicht mehr einschlafen, weil man weniger müde ist. Die Schlafqualität vor dem Fernseher ist auch deshalb schlecht, weil die Geräuschkulisse oft schwankt. Man kommt dort in keinen tiefen und erholsamen Schlaf.

SWR1 Hörerin Anna Leonhardt möchte wissen, ob es Auswirkungen auf den Schlaf hat, wenn ihr Partner Abends im Bett mit dem Smartphone über Kopfhörer Musik hört. Sie wacht davon sogar ab und an auf.

Grundsätzlich haben Smartphone, Tablet oder Labtop eigentlich nichts im Schlafzimmer zu suchen haben. Das liegt auch daran, dass zum Beispiel die Bildschirme strahlen. Das kann Melatonin und andere Schlafbotenstoffe unterdrücken und das führt zu schlechterem Schlaf. Es ist immer gut wenn man Smartphone, Tablet oder Labtop vor der Schlafzimmertüre lässt.

Stefan Müller aus Mainz leitet am Restless-Leg-Syndrom. Morgens schafft er es kaum aus dem Bett. Er war schon bei Ärzten, hat Medizin bekommen, die seiner Meinung nach nicht hilft. Was kann er tun?

Restless-Leg-Lyndrom heißt: unruhige Beine; Betroffene leiden an Missempfindungen an den Waden, manchmal auch an den Unterarmen; Brennen, Ziehen, Reisen, Ameisenlaufen, so fühl es sich unangenehm an. Da hilft nur Bewegung und mit Bewegung kann man nicht schlafen!
Es ist eine organische Erkrankung, eine Behandlung kann sehr komplex sein. Das ist ein fall für einen Schlafspezialisten, Allgemeinmediziner wissen oft nicht genug über diese Erkrankung.

Sabine Börner schreibt über Whatsapp, dass sie in einer Kindertagesstätte arbeitet. Dort kommen die Kinder morgens oft so müde zum Kindergarten, offenbar durch zu spätes zu Bett gehen, dass sie beim Frühstück einschlafen Was macht dieser fast anerzogene Schlafmangel bei kleinen Kindern?

Kinder brauchen dringend ausreichend Schlaf für ihre Entwicklung für die Reifung ihres Gehirns, für die Ausdifferenzierung des Organwachstums. Ich beobachte, dass die Kinder oft zu wenig Zeit zum Schlafen haben. Beide Eltern sind berufstätig, holen ihre Kinder erst spät aus dem Kinderhort ab und am Abend ist dann noch „Familie angesagt“. Dann bekommen die Kinder weniger Zeit zum Schlafen – das ist ungünstig für die Entwicklung.

Frage einer Mutter: ihr Sohn ist ein Jahr alt, schläft nicht durch, sondern: liegt nachts oft lange wach. Der Vormittagsschlaf wurde gestrichen, der Nachmittagsschlaf gekürzt. Trotzdem sind nachts alle wach, das Kind bekommt die Flasche und die Eltern sind verzweifelt. Was raten Sie?

Die Frage ist, warum das Kind nachts wach ist. Das kann daran liegen, dass es an die Flasche gewöhnt ist, sie also immer wieder haben möchte. Ich empfehle mehr Konsequenz zu zeigen. Nachts keine Flasche und auch kein gemeinsames Familienbett. Kinder müssen lernen selbständig zu schlafen, auch mal ohne Kuschelnähe der Eltern. Damit sollte es dann auch mit dem Schlaf besser klappen.

Was macht man wenn man nachts nicht schlafen kann, die Gedanken kreisen. Wie gelingt es dann doch zu schlafen?

Auf den Punkt gebracht: Entspannung ist der Königsweg zum Schlaf! Man muss seine eigene Schlaftablette, sein eigener Fernseher werden, sich schöne Dinge ausdenken und es muss immer ein gutes Gefühl dabei sein. Wichtig auch die abendliche „Entpflichtung“, diese innere Haltung sollte man sich erwerben und dann sollte es auch mit dem Schlaf besser werden.

Cover: Hans-Günther Weess - Schlaf wirkt Wunder (Foto: SWR, Verlagsgruppe Droemer Knaur - Verlagsgruppe Droemer Knaur)
Hans-Günther Weess - "Schlaf wirkt Wunder" - Verlagsgruppe Droemer Knaur, München Verlagsgruppe Droemer Knaur - Verlagsgruppe Droemer Knaur
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