Sportreporter Marcel Reif zum Bundesligastart "Hinter den Bayern - da wird es lustig!"

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Die Bundesliga startet heute in die neue Saison. Für manche ein Trauertag, gab es in den letzten Jahren doch nur einen Deutschen Meister: den FC Bayern. SWR1 hat mit dem in der Pfalz aufgewachsenen Sportreporter Marcel Reif über das Phänomen FCB und den Rest der Liga gesprochen.

SWR1: Es gibt Erstklässler in Deutschland, die kennen nur einen einzigen deutschen Meister: den FC Bayern. Das ist doch traumatisch, oder?

Marcel Reif: Furchtbar, was für ein Schicksal. Aber ich kann Ihnen versichern: Ihren jüngeren Geschwistern wird es nicht besser gehen! Wenn für Sie nur spannend ist, wer Deutscher Meister wird, dann können wir das Gespräch beenden. Bayern München war Meister, ist Meister und bleibt Meister. Die Schere zwischen den Bayern und den anderen Vereinen der Bundesliga ist so weit auseinandergegangen - mir fehlt jegliche Vorstellung, wie sich das wieder ändern soll.

Die "anderen Mannschaften" wäre jetzt gehalten zu sagen: "Komm', wir probieren mal ein bisschen was!" Wenn sich aber alle gleich auf den Rücken legen, dann ändert sich an der Situation in der Bundesliga nichts. Zwei oder drei Vereine könnten sich mal ein bisschen strecken, dann könnte es ein bisschen spannend werden. Was die Kinder angeht, die nur einen Deutschen Meister kennen, da sehe ich auf absehbare Zeit keine Besserung.

In der "Zeit" war zu lesen: "Die Herrschaft der Bayern hat zwei Gründe: Die Konkurrenz schläft oder duckt sich und im Fußball wird das Geld immer nach oben umverteilt." Ist Geld ein so großer Faktor?

Geld ist der entscheidende Faktor. Die Bayern qualifizieren sich jedes Jahr für die Champions League. Das bringt dem Verein jedes Jahr rund 30 Millionen Euro. Das heißt, Vereine, die sich nicht für die Champions League qualifizieren, haben rund 30 Millionen Euro weniger. Mit dem Geld machen es die Bayern in der nächsten Saison wieder etwas besser. Die anderen Vereine, denen das Geld fehlt, machen es nicht mehr ganz so gut. Und so geht die oben genannte Schere immer weiter auseinander.

Ich finde, man kann das den Bayern nicht vorwerfen. Der Verein hat über lange Jahre, ja sogar über Jahrzehnte, aus Positivem noch Positiveres gemacht - eben weil sie sportlich die richtigen Dinge getan haben. Die Chance gab es für andere Vereine auch, aber der FC Bayern blieb und bleibt trotzdem enteilt. Und wenn - wie heute - die Schere so weit auseinander ist, dann kriegst du sie nicht mal mehr im Ansatz geschlossen.

Manche sagen, man müsste neue Investoren, zum Beispiel aus dem Ausland, in die Liga lassen - Öl-Milliardäre, Investmentfonds. Für die Fans ist diese These ein rotes Tuch. Wären neue Investoren trotzdem die Lösung, um die Liga auszugleichen?

Nein, denn neue Investoren werden sich nicht um Mannschaften wie den SC Freiburg kümmern. Die werden immer nach den Bayern schielen - oder zumindest nach den zwei bis drei Klubs an der Spitze. Denn das Ziel der Investoren ist ja ganz klar: Sie wollen Geld verdienen. Denkbar wäre es natürlich, dass man einen oder zwei Konkurrenten für die Bayern entsprechend ausstatten und etablieren könnte. Mit einer solchen Maßnahme wären wir schon einmal einen Schritt weiter. Die Diskussion über neue Investoren wird mir aber viel zu religiös geführt. Natürlich kann ein Investor auch Fehlentscheidungen treffen, genauso wie ein Vereinspräsident. Aber das ist natürlich etwas ganz anderes, wenn die Entscheidungen ganz woanders, nämlich bei den Investoren fallen.

Und wer international mitmischen möchte, vielleicht mit zwei oder drei Klubs gleichzeitig, der wird das nicht anders hinbekommen als mit internationalen Investoren. Das wird den Fans und Ultras nicht gefallen. Aber es ist leider die traurige Wahrheit.

Die Liga ist zwar oben so unspannend wie noch nie, dafür aber auch so erfolgreich wie nie. Woran liegt das?

Weil in der Fußball-Bundesliga prima Fußball gespielt wird! Machen Sie einen schwarzen Balken über die Bayern. Dahinter, da wird es doch lustig! Wer wird Zweiter, wer Dritter, wer Vierter? Wer spielt Europa League? Die Bundesliga ist doch nicht schlechter als die englische Premier League. Schauen Sie sich doch ein Mittelklasse-Duell in England an oder in Spanien. Dort kommt nach Barcelona, Real Madrid und Atletico Madrid auch nicht mehr viel. Die Bundesligastadien sind prima, die Rahmenbedingungen sind gut, die Infrastruktur stimmt. Das ist doch einen prima Bühne für prima Fußball!

Wenn sie einen Tag "Fußballgott" wären, was würden sie mit dieser unglaublichen Macht als erstes tun ?

Fußballgott [schnauft] … ich hab so viele Fußballgötter erlebt! … [schnauft]. … Dann würde ich dafür sorgen, dass der FCK nicht in der 3. Liga rumdümpelt.

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