Ein sogenannter Schottergarten (Foto: SWR)

"Schotterwüsten" unerwünscht Immer mehr Städte wollen Steingärten verbieten

Wo einst saftiges Grün den Vorgarten zierte, sieht man heute immer häufiger Grautöne. Steingärten sind modern - und umstritten. Naturschützer fordern seit längerem ein Verbot der Steinwüsten. Beispielsweise in Kaiserslautern ist ein "Schottergarten-Verbot" bereits Wirklichkeit geworden, andere Städte wie Neuwied wollen jetzt nachziehen.

Praktisch und scheinbar pflegeleicht

Die Intention vieler Gartenbesitzer hinter den "Schotterwüsten" ist klar. Neben dem modernen Look ist die Tatsache, dass derartige Flächen zunächst nur wenig Pflege benötigen, unstrittig. So wird beim Anlegen dieser Flächen der Untergrund mit Folien oder Vlies entsprechend vorbereitet und gibt Unkraut kaum noch eine Chance.

"Das Problem von vielen aktuellen Steingärten ist: Sie enthalten wenig oder gar keine Pflanzen. Häufig werden zudem Neophyten gepflanzt, die sich außerhalb des Gartens ausbreiten und die heimischen Pflanzen verdrängen und hiesigen Tieren kaum oder gar keine Nahrung bieten", schreibt der NABU auf seiner Internetseite.

Insektensterben (Foto: SWR, SWR -)
Naturgärten bieten Lebensraum für Insekten SWR -

"Das Stadtklima verändert sich sehr negativ. Pflanzen sind wie eine Klimaanlage in Städten und Gemeinden," sagt Tatjana Schneckenburger vom BUND Rheinland-Pfalz im SWR-Interview. Außerdem könne in diesen Gärten das Wasser nicht mehr gut abfließen, weil Beton oder Folie unter den Schottergärten ausgelegt sei.

Flächendeckende Verbote

Vorreiter für mehr Grün ist die Stadt Xanten im Kreis Wesel. Dort ist die Versiegelung von Vorgartenflächen inzwischen per Bebauungsplan verboten. Bürgermeister Thomas Görtz (CDU) bezeichnete die Reaktionen auf das Verbot in einem WDR-Interview als überwiegend positiv. In Köln wird ein Förderprogramm zur Begrünung von Fassaden und Vorgärten gut angenommen, so die Stadt. Per Gesetz hat Bremen die "Steinwüsten" seit Mai 2019 verboten. Die Bürgerschaft der Stadt verabschiedete ein sogenanntes "Begrünungsgesetz". In dem heißt es: "Die Grundstücksflächen von Baugrundstücken, die nicht für bauliche Anlagen genutzt werden, sind zu begrünen oder zu bepflanzen (...)".

Überlegungen in Mainz

In Mainz gibt es bislang noch keine Regelung zu den Steingärten. Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) strebt kein Verbot an, möchte dem Trend aber entgegenwirken und eine Änderung oder Ergänzung in der Grünsatzung der Stadt bewirken. Darin heißt es unter anderem, dass Vorgartenflächen mit Ausnahme von Zufahrten, Zugängen und Pkw-Stellplätzen "im ganzen gärtnerisch anzulegen" sind. Doch fallen darunter auch Steingärten? "Nein", sagt Eder, "mein Vorschlag lautet, Steingärten in der Satzung nicht als Gärten zu klassifizieren". Wer beim Hausbau auf Rasen, Bäume und Sträucher verzichten will, könnte dann auch in Mainz Schwierigkeiten bekommen.

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