Papiermüll (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Altpapier-Recycling Deutsche sind Papiermüll-Weltmeister

Recyclingpapier ist umweltfreundlich und praktisch. Hierzulande wird zwar viel Papier recycelt, aber umso mehr verbraucht - und zwar mehr als in jedem anderen Land der Welt. Werner Eckert aus der SWR-Umweltredaktion erklärt, woran das liegt und wie man das ändern könnte.

Altpapier-Recycling ist energie- und wassersparend, es spart Rohstoffe und ist aus all diesen Gründen außerdem preisgünstig: Laut Zahlen des Umweltbundesamts landen 75 Prozent des verbrauchten Papiers in der Altpapiersammlung. Allerdings ist Deutschland nicht nur gut im Recyceln, sondern auch Weltmeister im Papierverbrauch. Im letzten Jahr verbrauchte jeder Deutsche 241,7 Kilogramm Papier. Das berichtet die "Saarbrücker Zeitung" und beruft sich auf eine Stellungnahme der Bundesregierung. Damit liegen die Deutschen sogar vor den US-Amerikanern, die nur 210 Kilogramm Papier pro Kopf verbrauchen.

Die Hälfte ist Verpackungsmüll

"Das liegt vor allem daran, dass unglaublich viel verpackt wird und, dass im Online-Handel immer mehr verschickt wird", sagt Werner Eckert aus der SWR-Umweltredaktion, "die Hälfte des Papiermülls in Deutschland ist Verpackungsmaterial. Nur knapp vierzig Prozent sind klassisches Papier, wie Büropapier, Zeitungen, Bücher und dergleichen. Der Rest sind Dinge wie Toilettenpapier." Doch seiner Meinung nach ist das nicht nur ein deutsches Problem. Andere westliche Länder wie Belgien und Österreich seien in einer ähnlichen Liga unterwegs.

Rettung durch Recycling?

"In Deutschland werden ziemlich genau drei Viertel des Papiers wieder eingesammelt als Papier und ein Großteil davon wird auch wiederverwertet", sagt Werner Eckert. Recyclingpapier ist deutlich besser für die Umwelt als neuer Zellstoff als Grundstoff. So müssen für Produkte aus Recyclingpapier keine Bäume gefällt werden, was auch den Wasserverbrauch senkt. Zudem müssen keine langen Transportwege zurückgelegt werden, denn Altpapier gibt es hier in Deutschland schließlich reichlich. Dadurch sinkt auch der Energieverbrauch. Wer es lieber weiß mag, kann auch auf gebleichtes Papier zurückgreifen. "Weil bei uns das Papier mit Ozon und nicht mit Chlor gebleicht wird, geht auch das in Ordnung. Wobei nicht ganz gebleichtes Papier genauso gut ist, wie anderes auch. Vor allen Dingen, wenn es auf Klorollen gewickelt wird", sagt Eckert.

Nachfrage geht zurück

Doch trotz all den Vorteilen, kommt das Recyclingpapier nicht immer gut an. "Tatsächlich ist es traurig, dass gerade beim Toilettenpapier der Recyclinganteil eher zurück geht, mangels Nachfrage von Verbrauchern", sagt Eckert. Seit 1990 ist der Anteil des recycelten Papiers laut Zahlen des Umweltbundesamt zwar um ein Viertel gestiegen, aber das ist nicht direkt als Erfolg zu werten. Denn der gestiegene Konsum an Papier relativiert die Effizienzgewinne durch Recycling.

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