Pannen bei Anbieterwechsel 100 Euro pro Tag wenn das Netz ausfällt?

Die Grünen wollen den Druck auf Anbieter erhöhen. Sie fordern saftige Entschädigungen, wenn Internet und Telefon nach einem Wechsel nicht funktionieren. Wie realistisch ist das?

DSL-Kabel an einem Router (Foto: dpa Bildfunk, dpa Bildfunk -)
Beim Anbieterwechsel ist maximal ein Tag ohne Telefon und Internet erlaubt dpa Bildfunk -

Im vergangenen Jahr wurden der Bundesnetzagentur deutschlandweit 2.350 Fälle gemeldet, bei denen Telefon und Internet nach einem Anbieterwechsel mehr als einen Tag nicht funktioniert haben. In den Jahren davor waren die Zahlen noch etwas höher (2017: 3.130; 2016: 3.000). Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag Oliver Krischer schlägt vor, Verbraucher in so einem Fall zu entschädigen.

1. Welche Rechte haben Kunden heute, wenn die Leitung tot bleibt?

Wenn Kunden ihren Telefon- und Internetanbieter wechseln, darf die Versorgung kurz unterbrochen werden - laut Bundesnetzagentur darf das aber nicht länger als einen Tag dauern. Dann ist der alte Anbieter verpflichtet, den Kunden weiter zu versorgen: "Sollte etwas schief gehen und der Anschluss weiter tot sein, müssen sich die Anbieter um eine Weiterversorgung kümmern", sagt SWR1 Experte Andreas Reinhardt. Das könne auch temporär mit einem Router über Mobilfunk geschehen. "Der bisherige Anbieter darf nicht einfach die Leitung abschalten, auch wenn der Vertrag nach einer Kündigung ausgelaufen ist", macht er deutlich.

2. Wie realistisch ist die Forderung der Grünen?

Der "Europäische Kodex für die elektronische Kommunikation", der vor kurzem von der EU verabschiedet wurde, stärkt die Rechte von Verbrauchern, wenn beim Anbieterwechsel etwas schief geht. "Diese EU-Richtlinie sieht auch Entschädigungen vor, nennt aber keine Summen", sagt Reinhardt. Sie werde gerade in ein neues Telekommunikationsgesetz eingearbeitet. Die Forderung der Grünen dürfte es jedoch nicht in das Gesetz schaffen, schätzt der Experte. "Da werden sich die Telekommunikationsunternehmen erfolgreich dagegen wehren."

Ein LAN-Kabel (Foto: dpa Bildfunk, dpa Bildfunk -)
Bei tausenden Menschen hat der Wechsel 2018 nicht reibungslos geklappt dpa Bildfunk -

3. Welche Alternativen gibt es?

"Über eine Entschädigung würde sich sicher jeder Betroffene freuen. Das Internet geht dann aber immer noch nicht", sagt Reinhardt. Die Gründe für die tote Leitung können vielfältig sein. Die Anbieter seien aber auch selbst an einem funktionierenden Anschluss interessiert. "Mehr 'Druck' würden die 100 Euro auch nicht ausüben", so Reinhardt. Er schlägt vor, stattdessen den Wechselservice auszubauen. "Sinnvoll wäre es, wenn es überall persönliche Ansprechpartner gäbe, die den Wechsel begleiten. Ein Mitarbeiter, der sich drum kümmert, bis alles läuft", sagt Reinhardt. Dann müsse man nicht jedem Hotline-Mitarbeiter die ganze Geschichte wieder und wieder erzählen.

4. Was kann ich tun, um gar nicht erst in die Situation zu kommen?

Damit der Wechsel möglichst reibungslos funktioniert, hat Andreas Reinhardt ganz konkrete Tipps:

- Überprüfen, wie lange der Vertrag noch läuft (ist auf der Rechnung angegeben)

- Den neuen Anbieter suchen, noch während der aktuelle Vertrag läuft

- Dann den alten Anbieter ein paar Wochen vor Ablauf der Frist kontaktieren und absprechen, wer den alten Vertrag kündigt (das kann auch der neue Anbieter machen)

- Um eine Kündigungsbestätigung bitten

- Rechtzeitig (mehr als ein Vierteljahr) vor Ende des Vertrages auch mit dem künftigen Anbieter in Verbindung setzen und dabei erwähnen, ob bereits gekündigt wurde, damit nicht doppelt gekündigt wird

- Auf Tippfehler achten: Oft geht beim Wechsel etwas schief, weil Name oder Anschrift nicht richtig übertragen wurden. Das ist gerade wichtig, wenn man seine alte Rufnummer mitnehmen möchte.

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