Sozialforscher zur Eröffnung der IAA Auto benutzen statt besitzen

Die Liebe zum eigenen Auto ist nicht mehr so heiß und innig wie früher. Die Zeiten, in denen man mit dicken Autos Eindruck schinden konnte, sind vorbei. Dagegen lässt es sich mit E-Autos oder E-Bikes punkten. Wir haben bei Sozialforscher Professor Andreas Knie nachgefragt.

Dauer

Der Individualverkehr sei für die moderne Gesellschaft weiterhin wichtig, erklärt Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. "Aber wir brauchen dafür nicht mehr das eigene Blechgerät." Autos gebe es bereits jetzt zu viele. In Zukunft werde es "Nutzen statt besitzen" heißen, sagt der Sozialforscher. Für die Fahrt von A nach B würden dann Mietauto, Straßenbahn oder die S-Bahn genutzt. Das sei effizienter, denn es gebe mehr Mobilität mit weniger Fahrzeugen.

Lustkiller Auto

Umfragen hätten gezeigt, dass die Menschen das Auto mittlerweile mehr als Last, denn als Lust empfinden. Die Folge: Sie reduzieren die Nutzung, wenn es ihnen möglich ist. Da immer mehr Menschen (wieder) in die Stadt ziehen, wird es ihnen leichter gemacht, auf alternative Beförderungsmittel umzusteigen.

Auto steht an neuer Zapfsäule in einer Tankstelle (Foto: SWR, SWR - Klaus Peter Karger)
Wasserstoff statt Benzin - neue Antriebsformen sind gefragt SWR - Klaus Peter Karger

Neuausrichtung der Autoindustrie

"Die Autoindustrie muss schneller und radikaler umdenken. Sie muss endlich den Verbrennungsmotor aus dem Schrank nehmen", fordert Sozialforscher Knie. "Sie hat elektrische Antriebe, sie hat Wasserstoffantriebe." Die Autoindustrie müsse sich auf weniger Autos mit mehr Dienstleistung konzentrieren. Wo die Reise hingehe, zeigten amerikanische Firmen. Hier gelte die Formel "Nutzen statt besitzen". Von diesen Individualfahrzeugen werden wir nach Einschätzung des Sozialforschers nicht mehr so viele haben. Sie könnten aber von mehreren Menschen genutzt werden.

Ein Auto fährt auf einer Autobahn, ohne dass der Fahrer die Hände am Steuer hat (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Daniel Naupold/dpa)
Autonomes Fahren - ein Teil der Mobilitätszukunft picture alliance/Daniel Naupold/dpa

Blick in die Zukunft

Prof. Knie wagt auch einen Blick in die Zukunft: In 20 Jahren werde es ganze Autoflotten geben, die sich selbst steuern und die untereinander gut vernetzt seien. In den Ballungsräumen würden die Menschen weiterhin mit U-Bahn und Bussen fahren. Allerdings werde niemand mehr ein privates Verkehrsmittel besitzen müssen, prognostiziert der Sozialforscher.

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