Feldversuch gegen Lebensmittelverschwendung Eine App soll Joghurt und Co. vor der Tonne retten

Das aufgedruckte Datum sagt, dass der Joghurt im Supermarkt bald abläuft. Für viele ein Grund, ihn nicht zu kaufen. Unter anderem im Raum Mainz wird nun eine App getestet, die dabei helfen soll, noch genießbare Ware vor dem Müllcontainer zu retten.

Dauer

Dem Verbraucher könnte künftig eine App bei der Kaufentscheidung helfen: Diese berechnet das sogenannte dynamische Haltbarkeitsdatum und wird zur Zeit in verschiedenen Großmärkten in Deutschland getestet - unter anderem im Raum Mainz.

So funktioniert es

Die Kunden können dort mit der Smartphone-App "Freshindex" den Barcode auf der Packung scannen und angeben, wie sie das Produkt transportieren und lagern. Dann errechnet die App das sogenannte dynamische Haltbarkeitsdatum. Im Fall einer Packung mit tiefgekühltem Schweinefleisch sind es statt sieben Tage laut Mindesthaltbarkeitsdatum ganze zwölf Tage. So lange ist die Ware tatsächlich noch genießbar.

Großer Aufwand

Für jedes Lebensmittel wird ein individuelles Haltbarkeitsdatum ermittelt. In die Berechnung fließt ein, in welchem Zustand die Ware vor dem Verpacken war. Außerdem wird die genaue Temperatur während des kompletten Transports bis in die Kühltheke überwacht.

An dem Projekt sind unter anderem die Universität Bonn und die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg beteiligt. Das Bundesforschungsministerium hat es mit rund einer Million Euro gefördert.

Kommt's bei den Kunden an?

Der Feldversuch soll nun ermitteln, ob die Kunden neben dem Mindesthaltbarkeitsdatum auch das dynamische Haltbarkeitsdatum akzeptieren - und ob sich Menschen, die einen Joghurt nach Ablauf des MHD nicht mehr essen möchten, sich davon wirklich umstimmen lassen.

Das Haltbarkeitsdatum sei bei jedem zweiten Nahrungsprodukt unnötig, meinen Experten. (Foto: SWR)
Das Haltbarkeitsdatum sei bei jedem zweiten Nahrungsprodukt unnötig, meinen Experten.

Großes Potential

Denn so könnten Berechnungen zufolge europaweit jährlich rund 900.000 Tonnen Lebensmittel im Wert von 1,5 Milliarden Euro vor der Mülltonne bewahrt werden, schätzen die Initiatoren.

Die App richtet sich direkt an den Verbraucher. Für den Lebensmittelhandel ändert sich erstmal nichts. Ware, die das altbekannte Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat, darf nicht mehr verkauft werden.

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