Langsames Internet, schlechte Straßen "Irgendwann gibt es das Dorf nicht mehr!"

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Es ist ein teuflischer Kreislauf, der zu einem Niedergang des Landlebens führt. Da fehlt es an Infrastruktur, schnellem Internet und guten Verkehrsanbindungen. Die kleine Schule wird geschlossen und die Jugend wandert ab. Irgendwann macht der Letzte dann das Licht aus. Es geht auch anders, das ist das Fazit von SWR1 Redakteur Steffen Sturn. Wir haben mit ihm gesprochen.

Warum geht auf den Dörfern heute oft nichts mehr?

Es ist nicht so, dass das Leben auf dem Land generell ein Problem darstellt. Aber wenn wir zum Beispiel die Gemeinde Hirschthal nehmen. Die liegt im Landkreis Südwestpfalz, direkt an der Grenze zu Frankreich. Dort wird es problematisch: schlechter Mobilfunk, langsames Internet, kleine Straßen, kaum Versorgung, kaum Jobs und keine größere Stadt in der Nähe, in die die Menschen zum Arbeiten pendeln können. Solche Gemeinden sind Extremkandidaten. Dort wandert die Jugend ab und irgendwann gibt es das Dorf nicht mehr. Es ist immer das gleiche: schlechte Straßen, schlechte Kommunikation, schlechte Verdienstmöglichkeiten, schlechte Versorgung. Das bedeutet auf dem Land das schleichende Aus.

Es gibt aber auch positive Beispiele …

Klausen (Foto: swr -)
Klausen in der Moseleifel geht das Problem mit einem Dorfladen an. swr -

Positive Beispiele gibt es inzwischen in ganz Deutschland. Ein Beispiel ist Kirn an der Nahe. Der Ort liegt an der zweigleisigen Bahnstrecke Frankfurt - Saarbrücken und an einer gut ausgebauten Bundesstraße. Kirn wirbt erfolgreich mit dieser Lage, hat große Gewerbebetriebe, hunderte Arbeitsplätze und die Leute ziehen wieder dorthin. Oder der Ort Klausen in der Moseleifel. Dort gibt es einen gemeindeeigenen Minimarkt mit Poststelle, Café und mehreren Angestellten. Das ist das neue Dorfzentrum geworden. Oder ein anderer Ansatz: Im Norden von Rheinland-Pfalz haben Banken flexible Kredite für Betriebsgründungen auf dem platten Land ausgegeben. Der Eigner zahlt dann zurück, wenn er es sich leisten kann. Auch solche Ansätze können erfolgreich sein.

Was können oder was müssen ländliche Gemeinden tun, um eben attraktiver zu wirken?

Dafür bedarf es viel Engagement an vielen Stellen. Telefon und Internet müssen gut und schnell funktionieren. Das ist eine Grundvoraussetzung für die Ansiedelung von Betrieben. Beispiele dafür gibt es in der Eifel. Dann der Gemeinschaftssinn der Menschen, der ist auf einem Dorf oft ausgeprägter als in der Stadt. Den kann eine Gemeindeverwaltung nutzen und damit Projekte durchziehen. Oder die Zwergschulen, die unbedingt erhalten werden müssen. Dann muss natürlich die Verkehrsanbindung passen. Ist das nicht der Fall, muss auch hier nachgebessert, gebaut werden. Die Ortsumgehung Imsweiler bei Kaiserslautern ist dafür ein Beispiel. Gute Verkehrsanbindung geht auch mit Bürgerbussen oder Ruftaxen. Ärzte brauchen Investitionshilfen für eine Praxis im Ort. Und wenn das alles zu teuer ist, was wäre die Alternative? Noch größere Städte, noch teurere Wohnungen und mehr Verkehr?

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