Katholische Arbeitgeber Die zweite Ehe - ein Kündigungsgrund? 

Es ist kein Einzelfall: Ein Mitarbeiter der katholischen Kirche heiratet zum zweiten Mal ohne die alte Ehe annullieren zu lassen - und der Arbeitgeber spricht die Kündigung aus. Aber ist eine solche Kündigung auch rechtens? Und muss ein Angestellter eines katholischen Arbeitgebers auch streng nach den Regeln des katholischen Glaubens leben?

Eheringe (Foto: colourbox.de - (privat))
Die Ehe gilt im Christentum als eines der sieben Sakramente. colourbox.de - (privat)

Die Begründung ist einfach: Wo katholisch draufsteht, muss auch katholisch drin sein. Eine zweite Ehe kann nicht akzeptiert werden - das ist Ehebruch. Solche Fälle schlagen immer hohe Wellen und sorgen für Empörung in der Öffentlichkeit. Ob nun die Kitaleiterin, der Organist oder wie aktuell der Chefarzt – alle haben eine katholische Einrichtung als Arbeitgeber, die nach dem zweiten "Ja"-Wort das Arbeitsverhältnis beendet hat.

Aktueller Stand

Das Bundesverfassungsgericht hatte Kündigungen aus solchen "Loyalitätsverstößen" abgesegnet. Das Bundesarbeitsgericht, unzufrieden über die Karlsruher Entscheidung, legte die Sache daraufhin dem EuGH vor. Denn der Europäischen Gerichtshof urteilte schon mal in einem ähnlichen Fall: Die Kündigung verstößt gegen das Grundrecht auf Schutz des Privatlebens. 

Rechtsprechung der Kirche 

Vor drei Jahren hat die katholische Kirche ihr Arbeitsrecht modernisiert. Damit sind solche Fälle aber nicht ausgeschlossen. Beispielsweise bei Religionslehrer/innen oder Mitarbeitern in der Seelsorge verlangt die Kirche nach wie vor, dass sie ihr Privatleben so gestalten, dass es in Übereinstimmung mit der Lehre der katholischen Kirche steht. Ein hohes Kündigungsrisiko haben also immer noch homosexuelle Religionslehrer/innen, insbesondere, wenn sie eine gleichgeschlechtliche Ehe schließen.

Und wer nach einer Scheidung zum zweiten Mal heiratet, ist aus Sicht der Kirche als Religionslehrer/in in den meisten Fällen nicht mehr tragbar. Sie sagen: Personen in einem solchen Job müssen auch für die Lehre der Kirche eintreten können. Bei Erziehern beispielsweise ist es eine Ermessensfrage. Zumindest gibt es keinen Automatismus mehr, dass sie aus dem Dienst fliegen.

Scheidung (Foto: colourbox.com - Nice Matin)
In der Bibel werden Scheidung und Neuheirat als ein Ehebruch angesehen. colourbox.com - Nice Matin

Auswirkungen

Auch die evangelische Kirche schaut mit Spannung auf das Urteil. Homosexualität und die zweite Ehe sind dort nicht das Problem. Aber wie verhält es sich, wenn ein Mitarbeiter einer evangelischen Einrichtung aus der Kirche austritt? Die Befürchtung zumindest beider Konfessionen ist, dass der EuGH grundsätzlich am kirchlichen Arbeitsrecht und den vielen Sonderregelungen kratzt.

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