#ImplantFiles Wie sicher sind Insulinpumpen?

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Insulinpumpen sollen Diabetikern dabei helfen, den Zucker im Körper abzubauen. Durch das internationale Rechercheprojekt #ImplantFiles wurde nun jedoch zutage gefördert, dass die Pumpen bisher offenbar nicht auf ihre Sicherheit untersucht wurden.

Insulinpumpe (Foto: dpa/ picture- alliance.de - Jens Kalaene)
Mit Hilfe der Insulinpumpe soll eine regelmäßige Insulinzufuhr gewährleistet werden. dpa/ picture- alliance.de - Jens Kalaene

Etwa sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Diabetes, 30.000 davon sind Kinder und Jugendliche. Für sie und ihre Eltern ist es eine harte Diagnose. Sie müssen immer die richtige Menge Insulin gespritzt bekommen, damit sie den Zucker im Körper abbauen können. Inzwischen erhalten immer mehr Patienten, vor allem Kinder, automatische Insulinpumpen. Das ist praktisch. Doch werden die Risiken dieser Geräte verharmlost?

Professor Dr. Thomas Danne ist der führende Experte in diesem Bereich und Leiter von Deutschlands größter Abteilung für Kinderdiabetologie in Hannover. Er hält Vorträge und schreibt Bücher. Außerdem hat er die medizinischen Leitlinien mitverfasst, nach denen sich viele Ärzte bei der Behandlung von zuckerkranken Kindern richten. Dabei geht es unter anderem um die Verwendung von Insulin-Pumpen. In seiner Klinik sind diese die erste Wahl.

"In Deutschland werden neunzig Prozent aller Kinder unter 6 Jahren mit einer Insulinpumpe behandelt. Bei uns in der Klinik sind es hundert Prozent."

Professor Thomas Danne (Foto: dpa/ picture- alliance.de - Julian Stratenschulte)
Thomas Danne ist Professor im Kinder- und Jugendkrankenhaus 'Auf der Bult' in Hannover. dpa/ picture- alliance.de - Julian Stratenschulte

Pumpen sind praktisch

Die etwa faustgroßen Computer lassen sich so programmieren, dass sie automatisch über den ganzen Tag verteilt die nötige Menge Insulin zuführen. Wie gut die Insulinpumpen bei Kindern im Vergleich zu anderen Methoden tatsächlich funktionieren, ist jedoch unklar. Die Geräte sind auch fehleranfällig und technische Probleme können fatale Folgen haben. Im folgenden Fall ist es noch einmal glimpflich ausgegangen:

"Ich hatte Angst, Panik. Habe mir schnell ein paar Kohlenhydrate geschnappt und bin ins Auto gesprungen", erzählte Nadine Peters-Crusius.

Ihr zehnjähriger Sohn Maximilian rief aus der Schule an. Er war stark unterzuckert. Die Insulin-Pumpe hatte eine zu hohe Menge Insulin abgegeben. Mutter und Sohn sind überzeugt, dass die Pumpe defekt war. Bis heute kann nicht endgültig geklärt werden, was tatsächlich geschah. Doch selbst wenn der Junge die Insulingabe selbst ausgelöst hätte, hätte das Gerät eine so hohe Dosis nie auf einmal abgeben dürfen.

Genaue Zahl der Vorfälle ist unbekannt

Die Herstellerfirma Medtronic hat auf konkrete Fragen der Reporter nicht geantwortet. Auch nicht zu diesem Fall. Wie häufig es zu schwerwiegenden Problemen mit Pumpen in Deutschland kommt, ist unklar. Ärzte und Hersteller melden kaum Vorfälle, obwohl sie eigentlich gesetzlich dazu verpflichtet sind. Studien aus verschiedenen Ländern zeigen, dass etwa ein Fünftel aller Insulin-Pumpen jedes Jahr wegen technischer Probleme ausgetauscht werden. Hersteller liefern dazu keine eigenen Zahlen. Nach Recherchen von NDR, WDR, "Süddeutscher Zeitung" und einem internationalen Journalistenverbund, ist offenbar keine einzige Pumpe in einer aussagekräftigen klinischen Studie vor der Vermarktung getestet worden.

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