Immer mehr Fahrerflucht-Delikte Fahrerflucht - Urmechanismus oder Kalkül?

Seit fünf Jahren steigt die Zahl der Fahrflucht-Delikte. In Koblenz waren es beispielsweise 2013 8.000 Fälle, jetzt sind es 9.000. Die Polizei spricht von Kalkül. Ist gesellschaftlicher Werteverfall der Grund? Oder schlicht ein Urmechanismus?

Dass Autofahrer selbst nach harmlosen Verkehrsunfällen auf Parkplätzen die Flucht ergreifen, erklären viele Polizeibeamte mit Kalkül. Die Erfahrungen zeigten, dass die meisten Menschen, die Fahrerflucht begehen, knallhart kalkulierten. Die Konsequenzen des Unfalls würden gegen das Risiko abgewogen, erwischt zu werden. Horst Verheyden, Verkehrspsychologe der MPU-Hilfe Esslingen, sieht das anders.

Fluchtreaktion steckt im Menschen

Generell liege die Reaktion immer im Befinden des Unfallverursachers begründet. "Wenn man im Stress ist und sich denkt: 'Ach Gott, was habe ich hier wieder angestellt, bloß weg', ergreift man natürlich die Flucht. Oder man reagiert verstandesmäßig und sagt sich: 'Ok, bleib ruhig und rufe die Polizei' und wartet dann ordnungsgemäß am Unfallort", erklärt Verheyden.

Oft ginge es bei den Unfällen um ein paar Hundert Euro. Das stehe in keinem Verhältnis zur Straftat Fahrerflucht. Doch käme es bei Betroffenen zu einer solchen Schreckreaktion, spreche dies alte Fluchtinstinkte an: "Diese Urmechanismen, die Angst vor dem Gefressenwerden, überwiegen so, dass man gar nicht dazu kommt, nachzudenken", erklärt der Verkehrspsychologe. "Man kennt es auch aus der Kindheit. Man hat Angst, ausgeschimpft zu werden." Natürlich lasse sich Wertewandel als Faktor nicht völlig ausschließen, sagt Verheyden. Doch man könne jetzt nicht pauschal sagen, dass die Generation den Respekt verloren habe.

"Einen richtigen Knopf im Kopf gibt es nicht", so der Experte. Man müsse immer schauen: "Wie fahre ich mich runter?", zum Beispiel Entspannungstechniken anwenden. "Wichtig ist: Durchatmen, langsam machen - dann hat man auch eine Chance, adäquat reagieren zu können.

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