Wie sich das Lieblingshaustier angepasst hat Der Hundeblick - ein genialer Kniff der Evolution

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Schiefer Blick mit großen Augen: Bei so einem Blick wird so manches Herrchen oder Frauchen schwach. Diesen typischen "Hundeblick" haben die Tiere aber erst im engen Kontakt mit dem Menschen entwickelt - Wölfe können nicht so schauen.

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Hunde haben sich genial an uns Menschen angepasst - kein Wunder, dass sie weltweit zu den beliebtesten Haustieren gehören. Eine Schlüsselrolle spielt dabei gezielter Augenkontakt: Wenn ein Hund nicht weiter weiß und ein Mensch in der Nähe ist, schaut der Vierbeiner den Zweibeiner an - auch die meisten Straßenhunde verhalten sich so. Entscheidend ist dabei ein winziges Detail: Erst wenn der Hund beim Schauen seine innere Augenbraue hochzieht, entsteht der typisch bittende Hundeblick.

Wölfen fehlen bestimmte Gesichtsmuskeln

Dafür gibt es sogar ein wissenschaftliches Fachwort: "AU 101" nennen Forscher das Anheben der inneren Augenbraue. Das können nur Hunde - Wölfen fehlt dafür der entscheidende Muskel. Das haben jetzt Wissenschaftler der Universität von Portsmouth gezeigt. Die Forscher haben die Gesichtsmuskeln von vier Wölfen und sechs Hunden miteinander verglichen. Das Ergebnis: Nur bei den Augenbrauenmuskeln gibt es einen klaren Unterschied. Das ist erstaunlich, denn Wolf und Hund haben sich erst vor rund 33.000 Jahren auseinander entwickelt. Für die Veränderung von weichem Gewebe ist das laut den Forschern ein sehr kurzer Zeitraum.

Hundeblick (Foto: Kaminsiki et al / Tim Smith)
Die Gesichtsmuskulatur von Hund (links) und Wolf (rechts) unterscheiden sich nur rund um das Auge: Der innere Brauenmuskel (hier LAOM) fehlt den Wölfen. Kaminsiki et al / Tim Smith

Dafür gibt es nur eine Erklärung: Offenbar war es für die Vorfahren der Haushunde ein Vorteil, wenn sie ihre Menschen mit gehobener Braue anschauen konnten. Denn das lässt die Augen größer wirken, der Hund erscheint deshalb kindlicher. Außerdem erinnert der Blick an den eines traurigen Menschen - auch das hat wohl schon bei Steinzeitmenschen Betreuungsreflexe ausgelöst. Vierbeiner, die so gucken konnten, bekamen vermutlich eher mal einen Knochen und mehr Zuneigung - Vierbeiner mit perfektem Hundeblick hatten bessere Überlebenschancen. Der Brauenmuskel erwies sich als evolutionärer Vorteil.

Hundeblick erhöht die Chance auf Streicheleinheiten

Das gilt auch heute noch: Tierheim-Hunde finden schneller ein neues Zuhause, wenn sie häufiger die innere Augenbraue anheben. Das belegt eine Studie von 2013. Schlaue Vierbeiner gucken nicht nur rührend, sondern legen dabei auch noch den Kopf schief - das erhöht die Chancen auf Wurst und Streicheleinheiten.

Augen aufreißen und Kopf schief legen sind übrigens auch klassische Flirtstrategien beim Menschen: Weit geöffnete Augen signalisieren Interesse, der schräge Kopf legt die Halsschlagader frei - von mir geht keine Gefahr aus, ist die Botschaft. Und die ist universell gültig, bei Menschen wie bei Hunden.

Raffinierte Katzen

Katzen machen nicht mit den Augen auf sich aufmerksam, sondern mit Geräuschen. Wenn sie hungrig sind, setzen Katzen gezielt Bettelrufe ein, die wir als Schnurren oder Miauen kennen - gemischt mit einem hohen Ton. Ganz clever: Dieser Ton liegt auf derselben Frequenz, auf der ein Kleinkind nach seinen Eltern schreit. Darauf reagieren wir instinktiv, weil wir denken, dass ein Baby in Not ist. Das macht es so schwer für uns, eine bettelnde Katze zu ignorieren.

Katze miaut wenn sie vom Menschen etwas erwartet (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Katze miaut wenn sie vom Menschen etwas erwartet Picture Alliance

Das erwachsene Katzen überhaupt miauen, liegt an uns Menschen, denn untereinander kommunizieren ausgewachsene Tiere vor allem über Körpersprache. Sie haben aber gemerkt, dass ein lautes "Miau" bei uns Menschen einfach besser wirkt.

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