Was kostet das Ei? (Foto: SWR / colourbox -)

Huhn, Landwirt, Verbraucher und Umwelt Was kostet ein Ei wirklich?

Aus Verbrauchersicht lässt sich diese Frage relativ einfach beantworten, es reicht schließlich ein Blick auf das Preisschild am Eierkarton. Nicht so einfach ist dagegen die Antwort auf die Frage, was ein Ei aus Sicht des Huhns, Landwirts, Verbrauchers und der Umwelt kostet. Dominik Bartoschek aus der SWR Umweltredaktion hat nachgerechnet.

Legehenne (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Circa 300 Eier legt ein Huhn im Jahr Foto: Colourbox.de -

Jeden Tag gilt es für das Huhn, Höchstleistung zu erbringen. Zur Fortpflanzung legt sie etwa zehn Eier an einem Tag. Eigentlich würde sie dann eine Pause machen und diese erst mal ausbrüten. Doch dazu kommt es im Stall nicht, denn die Eier werden ihr ständig weggenommen. Die Henne sieht also immer wieder ein leeres Nest, und das regt sie dazu an, weiter Eier zu legen.
Das funktioniert nur, weil die moderne Henne auf maximale Legeleistung getrimmt ist. Doch das ständige Eierlegen strapaziert ihren Körper und nach gut einem Jahr ist die Henne so ausgepowert, dass sie immer weniger Eier legt. Ab jetzt kostet sie den Landwirt mehr, als sie ihm einbringt. Die Folge: Es geht zum Schlachter.

Fazit

Rund 300 Eier legt eine Henne in ihrem Leben, und jedes davon kostet sie eine Menge Kalk und Energie und ein 300tel ihres Lebens auf dem Weg zum Suppenhuhn.

Rund 1900 Landwirte halten in Deutschland Legehennen. Für sie sind die Tiere in erster Linie Eierproduzenten, die ihm zwar Geld einbringen, aber auch viel kosten. Und das sind in erster Linie Kosten für Futter (circa 40 Prozent) und das zugekaufte Huhn selbst (circa 20 Prozent). Dazu kommen zum Beispiel noch Kosten für den Tierarzt, Energie oder die Arbeitslöhne. Und auch der Faktor Platz fällt ins Gewicht: Je mehr davon die Tiere haben, desto teurer wird das Ei.

Fazit

Nach einer Studie des Thünen-Instituts kostet ein Ei aus Bodenhaltung 7,5 Cent an Produktionskosten, ein Ei aus Bio-Haltung gut 16 Cent. Je mehr der Landwirt den Vorstellungen der Verbraucher einer bäuerlichen Hühnerhaltung entgegenkommt, desto mehr Geld kostet ihn das.

Kundin kauft Eier im Supermarkt (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Kundin kauft Eier im Supermarkt Foto: Colourbox.de -

Seit Jahren steigt der Eierkonsum in Deutschland - alleine 2018 waren es 235 Eier pro Kopf und Jahr. Der Preis pro Ei hängt mit den verschiedenen Haltungsformen zusammen. Aus dem untersten Standard, der Bodenhaltung, kostete im Jahr 2018 ein Ei im Durchschnitt knapp 14 Cent. Aus Freilandhaltung knapp 20 Cent und aus Bio-Haltung im Durchschnitt etwa 33 Cent pro Ei. Und die Preise sind seit den letzten sieben Jahrzehnten stabil geblieben. Aber die Hühner sind produktiver geworden: 1950 legte eine Henne pro Jahr 120 Eier, heute sind es 300. Und die Betriebe werden immer größer und effizienter.

Fazit

Was den Verbraucher ein Ei kostet, hängt entscheidend davon ab, aus welcher Haltung es stammt. Doch davon abgesehen sind Eierpreise ein gutes Beispiel dafür, dass für Verbraucher nicht alles immer nur teurer werden muss. Den Preis dafür zahlen allerdings die Tiere, die immer mehr Eier legen müssen, und die Umwelt, die die Folgen der Massentierhaltung zu tragen hat.

Jedes Ei verursacht Kosten, auch für die Umwelt. Bis es bei uns auf dem Frühstückstisch steht, hat es schon ein bewegtes Leben hinter sich: Ein Huhn hat es gelegt, dann wurde es verpackt, transportiert, ins Supermarkt-Regal gelegt, von uns eingekauft, nach Hause gebracht, im Kühlschrank kühl gehalten und gekocht.

Kosten für die Umwelt

Umweltkosten durch Eiproduktion (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Umweltkosten durch Eiproduktion Foto: Colourbox.de -

200 Liter Wasser verschlingt ein Ei im Laufe seiner Produktion, wenn man den Berechnungen des "Water footprint network" glauben darf. Die fallen für den Weizen an, den das Huhn so gerne pickt. Weizen braucht viel Wasser zum Wachsen. Dazu kommen – laut Bundesumweltministerium – etwa 114 Gramm des Klimagases CO, das im Stall entsteht oder auch beim Transport in den Supermarkt. Weitere Kosten für die Umwelt entstehen durch überdüngte Böden, eine hohe Ammoniakbelastung der Luft rund um die Ställe oder für Nitrat-belastetes Grundwasser überall dort, wo zu viel Hühnermist auf die Felder ausgebracht wird.

Fazit

Dass mit den 14 Cent Durchschnittspreis für ein Ei aus Bodenhaltung der unsichtbare Rucksack des Eis nicht mit gezahlt wird, gilt als sicher. Aber es ist kaum bezifferbar, wie viel ein Ei die Umwelt wirklich kostet. Immerhin: Wir Verbraucher haben einen Einfluss auf diesen Preis. Zum Beispiel sinkt er, wenn wir zu Fuß einkaufen, statt mit dem Auto. Oder auch, wenn wir das Ei im Eierkocher zubereiten. Dass soll die Klimabilanz gegenüber einem Kochtopf-Ei nämlich um über zehn Prozent verbessern.

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