Flugverspätungen und -ausfälle "Am Himmel staut es sich gewaltig"

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Probleme mit Verspätungen im Flugverkehr gibt es schon das ganze Jahr. In der Ferienzeit ist es besonders ärgerlich. Eine Ursache ist, dass mittlerweile immer mehr Flüge abgewickelt werden sollen, es aber zu wenige Fluglotsen gibt. Die Konsequenz: Es "staut" sich gewaltig am Himmel.

Achtungschild mit Flugzeug und Schild "cancelled" (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Besonders in der Ferienzeit machen sich die Probleme im Flugverkehr bemerkbar. Foto: Colourbox.de -

Matthias Maas, der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Fluglotsen, bestätigt, dass das Problem mit dem Personalmangel bei den Fluglotsen zusammenhängt. Aber auch die Deutsche Flugsicherung habe einen gewissen Anteil an den Verspätungen habe. Die Deutsche Flugsicherung sei beispielsweise in den Monaten April und Mai für jeweils rund eine Minute Verspätung verantwortlich. Die Fluggesellschaften selbst hätten im gleichen Zeitraum jedoch mit jeweils rund vier Minuten den höchsten Anteil an den Verspätungen, so Maas. Diese ergäben sich vor allem durch Fehler in der Planung oder bei der Gepäckabfertigung.

Falsche Prognosen

Obwohl immer mehr Flugzeuge in der Luft sind, gibt bei den Fluglotsen einen akuten Personalmangel. Boris Pfetzing, Sprecher der Deutschen Flugsicherung, sieht einen Grund dafür bei der EU in Brüssel. Dort wurden Anfang des Jahrzehnts sogenannte Regulierungsperioden für die Luftfahrt eingeführt. Die EU-Kommission erstelle Prognosen, wie sich der Flugverkehr in den kommenden Jahren entwickelt. Anhand dieser Vorgaben richte die Flugsicherung ihren Personalbedarf aus. Bislang erwiesen sich diese Prognosen als vollkommen unzutreffend.

Man kann nicht einfach Nachschub bestellen

Dies werde im Alltag der Fluglotsen klar, so Pfetzing. Wenn der Verkehr am Himmel jeden Monat mehr werde, womit aufgrund der Prognosen niemand gerechnet habe, dann seien eben nicht genügend Fluglotsen verfügbar. Der Verkehrs ist in den letzten beiden Jahren sprunghaft angestiegen.

Obwohl die Nachfrage hoch sei, könne man nicht einfach zum Arbeitsamt gehen und nach weiteren Kräften fragen. Aktuell sei in ganz Europa der Markt wie leergefegt. Nachwuchskräfte benötigen von der Anwerbung bis zum Ende ihrer Ausbildung etwa vier bis fünf Jahre.

Keine guten Aussichten für Reisende

Nach dem jetzigen Stand werden die Verspätungen im Flugverkehr vermutlich auch in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Obwohl Gewerkschafter wie Matthias Maas bereits seit Jahren auf den Personalmangel aufmerksam gemacht hätten, wurden ihre Prognosen nicht ernst genommen. Nun befände man sich in einer schwierigen Situation, die sich nicht ohne weiteres beheben lasse. Vorschläge wie die Abstände zwischen Flügen zu verringern, lassen Boris Pfetzing nur den Kopf schütteln. Er erklärt, dass es bei einer Verringerung der Abstände auch zu einer Verringerung der Sicherheit kommen würde. So etwas würden aber weder die deutsche, noch andere internationale Flugsicherungen akzeptieren. Sicherheit sei in der Luftfahrt oberstes Gebot.

Neben diesen bekannten Problemen kommen noch weitere hinzu. Beispielsweise gab es eine Reihe von heftigen Unwettern, die allein dieses Jahr zu einer erhöhten Anzahl von Flugausfällen und -verspätungen geführt habe. Ein weiterer Grund sei auch die AirBerlin-Pleite im Herbst 2017. Viele Fluggesellschaften hätten damals Anteile übernommen und seien immer noch damit beschäftigt diese Strecken in ihre eigenen Personal- und Flugpläne einzuarbeiten.

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