Feuerzauber in den Fankurven So kam Pyrotechnik in deutsche Fußballstadien

Im Rahmen der Innenministerkonferenz in Magdeburg hat der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) gefordert, jede Art von Pyrotechnik aus deutschen Fußballstadien zu verbannen. Den Tätern droht dann eine deutliche Strafverschärfung, bis hin zu Haftstrafen. Aber wie kamen die Bengalos überhaupt in unsere Stadien?

Mit dem pfälzischen Fußball-Idol Hans-Peter Briegel hat die Pyrotechnik ihren Weg in die Bundesliga gefunden. Die "Walz aus der Pfalz" wechselte 1984 vom FCK zu Hellas Verona. Was er eigentlich nur von Silvester kannte, fand er plötzlich in Italien im Fußballstadion:

"Für mich war das eine tolle Atmosphäre. In Italien in den 80er Jahren haben wir uns innerhalb des Stadions warm gemacht und erst zu Spielbeginn den Platz betreten."

Alles unter Kontrolle 

Bengalos und sogenannte "Feuertöpfe" wurden abgebrannt - aber kontrolliert. Die Feuerwehr stand im Stadion und passte auf.

"Die ersten fünf, sechs Minuten fand das Spiel praktisch im gelb-blauen Nebel. Das gehörte einfach dazu. Ich rieche das heute noch (...) nach Fußball riecht das einfach."

Besucher aus der Pfalz

Viele FCK-Fans besuchten immer wieder Briegels Spiele in Verona und hatten richtig Spaß an dem, was die italienischen Fans so alles im Stadion treiben. So viel Spaß, dass sie die Pyrotechnik in den Kofferraum packten und mit nach Hause brachten. FCK-Fans gelten somit als die Entdecker der Bengalos in Deutschland - sie waren die Ersten, die Bengalos im Stadion abgebrannt haben. Höhepunkt war das Champions-League-Spiel Kaiserslautern gegen Barcelona 1991. Die ganze Westtribüne im Fritz-Walter-Stadion war hell erleuchtet. Damals ist das Zündeln noch nicht verboten, mittlerweile schon.

Gefährlicher Spaß

Obwohl kontrolliert wird, schaffen es einige Fans Bengalos ins Stadion hineinzuschleusen und abzubrennen. Immer wieder werden Ordner, Kameraleute und Zuschauer verletzt. Eine bedrückende Situation, findet auch Briegel:

"Das ist kriminell, das ist Körperverletzung - das kann sogar Totschlag sein. Das sehe ich immer mit gemischten Gefühlen. In den heutigen Zeiten weiß man nie so genau, was einer so auf der Tribüne alles treibt. Man muss einfach sagen, früher war das einfach korrekter."

Von kontrolliert abbrennen, wie damals in Italien, kann da keine Rede mehr sein.

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