Frührente wird immer populärer (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Christian Charisius/dpa)

Extrazahlungen sollen Einbußen verhindern Wie Sie früher in Rente gehen können

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Fünf Jahre nach ihrer Einführung ist die Rente mit 63 ein Renner. Um Einbußen zu verhindern werden dabei Extrazahlungen immer beliebter.

Im Jahr 2018 gingen bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) rund 207 Millionen Euro als "freiwillige Beitragszahlungen zum Ausgleich von späteren Rentenminderungen" ein. Im Jahr 2015 waren es noch 24 Millionen Euro, eine Steigerung um das Achtfache.

Die Beitragszahler setzen damit angesichts sinkender Renditen offenbar in die Sicherheit der gesetzlichen Rente. Auch steuerlich bietet das Modell Anreize. Es gibt es jedoch einige Voraussetzungen und Rahmenbedingungen zu beachten.

Früher aufhören mit Einbußen

Für alle, die mindestens 35 Jahre eingezahlt haben und mit dem Gedanken der Frührente ab 63 Jahren spielen, gilt: Wer früher aufhört zu arbeiten, bekommt weniger Rente. Die Regelaltersgrenze liegt aktuell bei etwa 65 Jahren: Für jeden Monat weniger Arbeit werden 0,3 Prozentpunkte vom Rentenbetrag abgezogen.

Wer somit monatlich eine Rente von 1.000 Euro erwartet, aber ein Jahr früher aufhört, der muss also in Summe 3,6 Prozent Abschlag hinnehmen. Das heißt, es gibt jeden Monat 36 Euro weniger, insgesamt also 964 Euro. Dieser Abzug von 3,6 Prozent bleibt ebenfalls bis zum Lebensende bestehen.

Doch diese Abzüge schrecken immer weniger Menschen ab. "Die Leute rennen uns die Bude ein", sagte der Chef der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland, Jork Beßler, der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf die Rente mit 63.

Früher aufhören ohne Einbußen

Für Beitragszahler, die mindestens 45 Jahre eingezahlt haben, sei das aber gar kein Thema, erklärt Alexander Winkler aus der SWR Wirtschaftsredaktion. Denn sie können eine Frührente sogar ohne Abzüge beantragen – das ist die sogenannte Rente für besonders langjährig Versicherte. In diesem Fall lohnt sich auf jeden Fall ein Blick in die eigene Rentenauskunft.

Früher in Rente? Das ändert sich finanziell:

Rentenabschläge und -Vorauszahlungen bei einer regulären Rente von 800 Euro. Quelle: Deutsche Rentenversicherung (Foto: SWR, SWR)
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Frührente: Besonders in Ostdeutschland beliebt

Besonders beliebt sei die abschlagsfreie Rente mit 63 für langjährig Versicherte in Ostdeutschland, sagt Alexander Winkler. In Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen wählten demnach im vergangenen Jahr 43,5 Prozent der Altersrentner dieses Modell.

Jork Beßler, Chef der deutschen Rentenversicherung Mittelstand, führt dies darauf zurück, dass viele Menschen in der DDR bereits früh ins Berufsleben starteten. Frauen setzten zudem trotz Kindern kaum im Beruf aus - anders als in der alten Bundesrepublik.

"Die Leute rennen uns die Bude ein."

Jork Beßöer, Chef der der deutschen Rentenversicherung Mittelstand

Bundesweit gingen im vergangenen Jahr 244.000 Menschen nach 45 Beitragsjahren vorzeitig in den Ruhestand, wie aus Daten der Deutschen Rentenversicherung hervorgeht. Das waren rund 7.000 mehr als 2017.

Dabei ist der Anteil - gemessen an allen neuen Rentenzugängen - im Osten mit 42 Prozent spürbar höher als in den westlichen Ländern (28 Prozent).

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