Entdeckungsreise im Wald Das seltene Naturphänomen Haareis

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Egal ob Sie im Hunsrück oder Pfälzerwald unterwegs sind - wer Anfang Januar durch die Wälder in Rheinland-Pfalz wandert, kann auf ein seltenes Naturphänomen stoßen: Auf abgestorbenen Ästen und Stämmen finden sich weiße Gebilde, die wie kleine Kunstwerke aussehen.

Naturphänomen Haareis (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Naturphänomen Haareis Picture Alliance

Auf den ersten Blick ist es unklar, ob es sich dabei um Schimmel, eine besondere Pilzart oder Eis handelt. Wer sich die bizarren Gebilde genauer anschaut, entdeckt aber die kleinen Eiskristalle. Es handelt sich dabei um sogenanntes Haareis oder Eiswolle. Die Haare können bis zu 100 Millimeter lang werden und haben eine Dicke von 0,02 Millimeter.

Seltenes Schauspiel

Dauer

Haareis braucht ganz bestimmte Witterungsbedingungen, um entstehen zu können. "Das Wasser im abgestorbenen Holz darf noch nicht gefroren sein, die Außenluft muss jedoch unter dem Gefrierpunkt liegen. Und die Luftfeuchtigkeit muss relativ hoch sein", so Volker Westermann vom Forstamt Pfälzer Rheinauen.

Bereits 1918 beschrieb der Meteorologe Alfred Wegener dieses Phänomen und vermutete einen Pilz im abgestorbenen Holz als Auslöser. Die Wissenschafter Gerhart Wagner und Christian Mätzler bestätigten das 2008 in einer Studie und machten den Pilz der Rosagetönten Gallertkruste (Exidiopsis effusa) dafür verantwortlich.

Rasantes Wachstum

Wie der Prozess genau abläuft, ist allerdings unklar. Vermutet wird, dass Gase einer winteraktiven Pilzart die nicht gefrorene Feuchtigkeit in abgestorbenem Holz an die Oberfläche drängen. Die dort immer neu entstehenden Eiskristalle können mit einer Geschwindigkeit von fünf bis zehn Millimeter pro Stunde (!) wachsen. Dabei entstehen die charakteristischen Strukturen des Haareises.

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