Einsatz von Antikörpern Neue Hoffnung für Migräne-Patienten

Ungefähr jeder zehnte Mensch leidet unter Migräne. Viele dagegen eingesetzte Medikamente haben unangenehme Nebenwirkungen. Der Einsatz von Antikörpern könnte hier Abhilfe schaffen.

Aktuell treffen sich in Mannheim Migräne-Experten auf dem Deutschen Schmerzkongress und sprechen unter anderem über eine neue Behandlung mit Antikörpern, die vielleicht bald gegen Migräne helfen könnte.

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Einer der Teilnehmer ist Till Sprenger. Er ist Chefarzt der Neurologie und Schmerzexperte an der DKD Helios Klinik in Wiesbaden und hat unsere Fragen beantwortet.

Gibt es mit diesen Antikörpern neue Hoffnung für Migräne-Patienten?

Till Sprenger: Tatsächlich ist das eine sehr erfreuliche Entwicklung für Betroffene, weil damit auch für Patienten, die zum Beispiel auf bisher etablierte Therapieoptionen nicht gut ansprechen, eine weitere sehr wirksame Option zur Verfügung steht. Diese Medikamente sind nach bisherigem Wissen auch sehr gut verträglich.

Wie funktioniert diese Behandlung mit Antikörpern?

Sprenger: Soweit wir wissen, wird während Migräneattacken ein Botenstoff - der sich "CGRP" nennt – ausgeschüttet und der ist vermutlich an der Entstehung maßgeblich beteiligt. Die neuentwickelten Antikörper werden in das Unterhautfettgewebe gespritzt und vom Körper aufgenommen. Sie binden sich dann an das "CGRP"-Molekül und neutralisieren den Botenstoff "CGRP". Das führt auf diesem Weg zu einer Migränebesserung.

Kann man damit alle Migräne-Patienten behandeln oder nur besonders schwere Fälle?

Sprenger: Zugelassen ist die Therapie prinzipiell für Patienten ab vier oder mehr Migränetagen im Monat. Man muss allerdings dazu sagen, dass es sich um eine neue Therapie handelt, mit der wir noch keine Langzeiterfahrung haben. Die Therapie ist zudem auch recht kostenintensiv, sodass sie im Wesentlichen für Patienten in Frage kommt, die auf die bisherigen Therapieoptionen nicht angesprochen haben.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Sprenger: Wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind - eben das fehlende Ansprechen auf die früheren Therapien - dann schon. Das muss allerdings gut dokumentiert werden. Was man vielleicht noch dazu sagen muss ist, dass es sich hier nicht um eine Attacken-Therapie handelt. Das heißt, man spritzt dieses Medikament nicht wenn man Kopfschmerzen hat, sondern in regelhaften Intervallen einmal monatlich. Diese Antikörper führen dann zu einer Senkung der Attackenfrequenz und -schwere.

Außer der medikamentösen Behandlung – was können Betroffene tun?

Paar beim Ausdauertraining (Foto: Imago, imago images / Westend61)
Regelmäßiger Ausdauersport hilft gegen Migräne Imago imago images / Westend61

Sprenger: Tatsächlich ist die nicht-medikamentöse Migränetherapie letztlich die Basis.

  • Das allerwichtigste, was im Idealfall jeder Migränebetroffene durchführen sollte, ist die körperliche Aktivität. Idealerweise Ausdauersport mindestens ein- bis zweimal die Woche und wenn es geht, mindestens jeweils 30 bis 45 Minuten.
  • Entspannungsverfahren: Empfohlen wird hierbei meist die sogenannte progressive Muskelrelaxation. Das ist ein recht einfach zu erlernendes Verfahren, das hilfreich ist, wenn man es zum Beispiel einmal am Tag kurz durchführt.
  • Daneben hat sich bewährt, wenn man einen sehr regelhaften Lebensrhythmus einhält. Das heißt, feste Bettgeh- und Aufstehzeiten einhalten, regelmäßige Mahlzeiten.
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