Ein Jahr Echtzeitzahlungen Was man zu Turbo-Überweisungen wissen muss

Zeit ist Geld. Seit genau einem Jahr sind in Europa Überweisungen von Konto zu Konto binnen Sekunden technisch möglich. Bislang hatten die HypoVereinsbank und die Sparkassen diese Echtzeitüberweisungen angeboten, jetzt im November kommen weitere Banken hinzu. Was Sie zu den Blitz-Überweisungen wissen sollten:

Eine Frau sitzt mit einer Kreditkarte vor einem Notebook (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Online-Banking geht jetzt schneller (Symbolbild) Thinkstock -

Was haben Kunden von Echtzeitüberweisungen?

"Anders als bei einer Papierüberweisung oder einer herkömmlichen Online-Überweisung weiß man direkt, ob das Geld angekommen ist. Denn die empfangende Bank muss eine Bestätigung ausstellen", erklärt Ernst Stahl von der Universität Regensburg, der wiederholt zu dem Thema geforscht hat. Wer zum Beispiel sein altes Auto privat verkauft, muss bisher zumindest das Risiko einkalkulieren, dass der Käufer nicht zahlt. Würde das Geschäft via Echtzeitzahlung abgewickelt, hätte der Verkäufer direkt die Gewissheit, dass das Geld auf seinem Konto ist.

Auch wer online shoppt, hat beim so genannten "Instant Payment" Vorteile: Je schneller der Händler das Geld hat, umso schneller wird die Ware verschickt. Experte Stahl sieht zudem großes Potenzial für Firmen: Ein Spediteur könnte bei der Warenübergabe - insbesondere an Neukunden im Ausland - erst Bezahlung fordern, ehe der Lastwagen entladen wird. Allerdings gilt bislang eine Obergrenze von 15.000 Euro.

Was passiert, wenn die Echtzeitüberweisung einen Fehler enthält?

Banken versichern, bei Turbo-Überweisungen sei es wie bei einer herkömmlichen Überweisung möglich, einen irrtümlich transferierten Betrag zurückzuholen. "Wenn ein falscher Betrag eingetippt wird, ist das Geld erstmal weg. In einem solchen Fall kann der Kunde dann aber einen normalen Überweisungsrückruf machen", sagt Gerhard Bystricky von der HypoVereinsbank (HVB).

Welche Kosten sind mit einer Echtzeit-Überweisung verbunden?

Die Kosten sind je nach Bank unterschiedlich und können bis zu 3 Euro pro Überweisung betragen. Bei der Deutschen Bank zum Beispiel kostet jede Echtzeitüberweisung eine Gebühr von 60 Cent, die HVB verlangt 50 Cent. Jede Sparkasse kann selbst entscheiden, wie hoch ihre Gebühren für diesen Service sein sollen. Es kommt also tatsächlich sehr darauf an, bei welcher Sparkasse ich selbst Kunde bin.

In Rheinland-Pfalz erheben zum Beispiel die Stadtsparkasse Kaiserslautern und die Sparkasse Koblenz pro Turbo-Überweisung 50 Cent an Extra-Gebühr. Wohingegen die Kreisparkasse Vulkaneifel mit Sitz in Daun keine Extra-Gebühren einführt, denn deren Kunden sollen die neue Überweisungsform fleißig testen.

Welche Banken bieten Turbo-Überweisungen an?

Anfangs hat nur die HypoVereinsbank Turbo-Überweisungen angeboten. Im Juli 2018 sind die Sparkassen nachgezogen. Jetzt bietet auch die Deutsche Bank Echtzeitüberweisungen an. Nächste Woche starten dann auch die Volks- und Raiffeisenbanken in Rheinland-Pfalz mit dem Instant Payment, zum Beispiel sind die Mainzer Volksbank, die Westerwald Bank oder die VR Bank Südpfalz mit Sitz in Landau mit dabei. Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken können jedoch erst mal nur Geld empfangen. Selbst Geld innerhalb von wenigen Sekunden versenden soll ab Anfang oder teilweise auch erst ab Mitte 2019 möglich sein.

"Wir sind überzeugt, dass langfristig, also in fünf bis zehn Jahren, Echtzeit-Überweisungen normale Überweisungen komplett ablösen werden, weil es für die Institute keinen Sinn macht, zwei parallele Systeme anzubieten", sagt Accenture-Experte Oliver Hommel.

Wie sieht es in Europa aus?

Auch in anderen Ländern ist noch Luft nach oben. Nach einer Übersicht von EBA Clearing aus dem Juni 2018 bieten 22 Institute in 12 Ländern Turbo-Überweisungen an. Zählt man die Institute hinzu, die sich klar zur Teilnahme an dem Verfahren positioniert haben, kommt man auf fast 1.100 Zahlungsdienstleister in 15 Ländern. Der Zahlungsverkehrsraum Sepa ("Single Euro Payments Area"), der Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen grenzüberschreitend standardisieren und so beschleunigen soll, umfasst 34 Länder mit insgesamt 4.200 Zahlungsdienstleistern: Neben den 28 EU-Staaten sind Island, Liechtenstein, Norwegen, die Schweiz, Monaco und San Marino dabei.

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