Dr. Eckart von Hirschhausen "Jeder arbeitet gegen seine innere Uhr"

Die Zeitumstellung sorgt seit ihrer Einführung für rege Diskussionen. Die Mehrzahl der Bürger sieht sie als überflüssig an. Oft werden körperliche Nebenwirkungen angeführt - und trotzdem besteht sie noch immer. Dr. Eckart von Hirschhausen hat eine klare Meinung zu dem Streitthema.

Städte wie London oder Helsinki seien nur eine Flugstunde entfernt, befänden sich aber schon in einer anderen Zeitzone. Doch bereits jeder zweite Deutsche habe damit Probleme, sagt Hirschhausen. Die äußeren Zustände suggerierten, dass alles wie immer sei und sich nichts geändert habe - doch die innere Uhr sei fein eingestellt und merke schon kleinste Veränderungen. Hirschhausen plädiert deshalb für einen sorgsameren Umgang mit unserem Energiehaushalt und hofft auf eine harmonieschaffende Verhandlungstaktik der EU.

Fortschritt durch Rückschritt

Für Hirschhausen ist die Zeitumstellung längst überflüssig. Er selbst sieht sich als Verfechter des Fortschritts durch Rückschritt: "Oftmals kann ein großer Fortschritt schon dadurch erreicht werden, dass man einen vermeintlichen Fortschritt wieder rückgängig macht."

Längst veraltet

Die Idee mit der Sommerzeit gibt es mittlerweile seit über 100 Jahren. Doch heute wisse man viel mehr darüber, wie unsere innere Uhr funktioniert, wie Depressionen vom Sonnenlicht beeinflusst werden und wie sehr Schlafentzug dem Körper schaden kann. Aus seiner Sicht wäre es besser, die Zeitumstellung abzuschaffen. Dann könnten die Menschen ihrem eigenen Lauf und ihrer inneren Uhr folgen.

Das große Aber

Würde die Sommerzeit dauerhaft bestehen bleiben, würde es allerdings auch bedeuten, dass wir eine Stunde früher aufstehen müssten - und somit auch eine Stunde früher anfangen müssten zu arbeiten. Auch darauf hat Dr. Eckart von Hirschhausen eine Erklärung parat. Dass die Sommerzeit uns eine Stunde geschenkt habe, sei eine schöne Sache. Tatsächlich betrage der natürliche Rhythmus nicht 24 Stunden, sondern 25 Stunden. Jeder von uns arbeite also so oder so ein wenig gegen seine innere Uhr.

Was lässt sich machen?

Einen kleinen Tipp für unsere SWR1-Hörer hat Dr. Eckart von Hirschhausen dann auch noch: "Sich morgens beim Aufstehen kurz zu überlegen, weshalb man aufsteht. Fällt einem nichts ein, sollte man liegen bleiben." Viele Leute würden den Tag mit einem schlechten Gefühl beginnen und einen Hass auf ihren Wecker haben - dabei haben sie ihn ja selbst gestellt und das meist aus einem guten Grund, so der Mediziner. An der Verstimmung sei also nicht der Wecker schuld, sondern die eigene Einstellung. Die wichtigste Währung sei nicht die Anzahl der Tagesstunden, sondern wie viele glückliche Stunden darunter seien.

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