Dokudrama "Die Hälfte der Welt gehört uns"- Interview mit Esther Schweins "Frauen haben ihr Leben gelassen"

TV-Film: Die Hälfte der Welt gehört uns

Für viele kaum zu glauben, aber das Wahlrecht für Frauen gibt es erst seit 100 Jahren. Die Frauen, die damals dafür gekämpft haben, wurden eingesperrt, gefoltert und sogar getötet.

Wir haben mit Schauspielerin Esther Schweins gesprochen – sie spielt im Dokudrama "Die Hälfte der Welt gehört uns" die kämpferische Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst, die Anfang des 20. Jahrhunderts zur Ikone der radikalen Frauenrechtlerinnen in Großbritannien wurde.

Die Hälfte der Welt gehört uns (Foto: ard-foto -)
Szene aus "Die Hälfte der Welt gehört uns - Als Frauen das Wahlrecht erkämpften". Emmeline Pankhurst (Esther Schweins) tritt als freiheitsliebende Bürgerin in den Kampf um das Frauenwahlrecht in Großbritannien ein. ard-foto -

Wie bitter war das Leben als Frau zu der Zeit?

Emmeline Pankhurst hatte Glück gehabt, dass sie Eltern hatte, die selbst Juristen waren und die keinen Unterschied machten in der Erziehung eines Mädchens hin zu der eines Jungen. Sie durfte die Schule besuchen, war hervorragend ausgebildet, konnte studieren und heiratete einen 25 Jahre älteren Juristen und Anwalt, der sich auch schon für Frauenrechte eingesetzt hatte. Gemeinsam haben die beiden zwei Jahrzehnte Gesetzesentwürfe geschrieben und Petitionen eingereicht mit guten Verbindungen ins Ober- und Unterhaus. Aber sie prallten ab und haben nichts erreicht. Erst nach dem Tod ihres Mannes und ihrer Situation, eine rechtlose Witwe zu sein, radikalisierte sie sich und hat sich dafür entschieden, ihr Leben für Frauen - und rechtlose Soldaten (die auch nicht wählen durften) - einzusetzen.

Tausende Frauen quer durch Europa haben für das Wahlrecht und die Gleichberechtigung gekämpft. Wie aufgeheizt und gefährlich war damals die Stimmung?

Sehr gefährlich! Frauen haben ihr Leben gelassen - sie wurden niedergeritten und geschlagen. Frauen durften keine Versammlungen führen, Stickkurse fanden unter Polizeiaufsicht statt und sobald es politisch wurde, wurden die Zusammenkünfte abgebrochen und es wurde den Frauen verboten sich weiterhin zu treffen.

Drehen wir die Sache mal um - wie sähe die Welt heute aus, wenn nur Frauen ein Wahlrecht hätten und Männer nicht?

Das wäre furchtbar und ungerecht Es wäre dadurch per se auch nicht besser, weil ein reines Frauenwahlrecht die Hälfte der Menschheit ausklammert und ihr die Stimme versagt. Ich glaube allerdings, hätten Frauen schon über Jahrtausende hinweg die Wahl, dann stelle ich mir eine sehr viel friedlichere Welt vor.

Gab es bei den Dreharbeiten Diskussionen mit Männern?

Nein. Tatsächlich waren sämtliche Männer am Set beim Thema "Rechtlosigkeit des einen Geschlechts" gleichermaßen berührt und überrascht über ihre eigene Reaktion. (...) Es sind tatsächlich viele Tränen geflossen. Man darf nicht unterschätzen, wie viel Emotionen geweckt werden, wenn man über dieses Thema spricht.

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