Schild "Ruhezone Abitur" (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)

Diskussion um Notenvergabe "Abitur sollte anspruchsvoll sein und bleiben"

Kurz nach Beginn der schriftlichen Abi-Prüfungen im Land ist eine Debatte über die Benotung entbrannt. Die Bundesvorsitzende des Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, fordert eine anspruchsvollere Bewertung. Mindestens 50 Prozent der Leistung müsse zum Bestehen erbracht werden, fordert sie im SWR1 Interview mit Michael Lueg.

Frau Lin-Klitzing, warum möchten Sie die Messlatte bei der Notenvergabe anheben?

Ich glaube, es ist gut, eine höhere Vergleichbarkeit der Leistungen der Schülerinnen und Schüler auf hohem Niveau zu haben. Das Abitur ist der höchste zu vergebene schulische Abschluss. Der sollte anspruchsvoll sein und anspruchsvoll bleiben.

Die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)
Die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing picture-alliance / Reportdienste -

Woran machen Sie fest, dass das Abi zu leicht ist? Gibt es zu viele 1,0-Durchschnitte?

Ich mache es einfach an der aktuellen Notenverordnung fest, genauer am Bewertungsraster für die Abiturprüfungen. Und darin steht, dass man mit 45 Prozent erbrachter Leistung mit 5 Punkten bewertet wird, also bestanden hat. Bei 85 Prozent gibt es bereits ein knappes 'sehr gut', bei 90 Prozent eine glatte Eins. Verstehen Sie mich nicht falsch, gute Leistung muss gut bewertet werden. Aber nicht ausreichende Leistung darf eben auch nicht als ausreichend gelten.

Wenn ich mich recht entsinne, musste man früher 50 Prozent haben.

So ist es Herr Lueg, und das war nicht falsch. Oder hat es Ihnen geschadet?

Nein, ich glaube nicht. Aber Sie kriegen jetzt natürlich Krach mit den Schülern. Die Landesschülervertretung Rheinland-Pfalz sagt, eine Anhebung der Anforderungen sei eine Entscheidung gegen die Gesundheit der Schüler. Der Leistungsdruck sei so schon groß genug.

Ich glaube, dass die Schüler auch gucken müssten, dass das, was sie in Rheinland-Pfalz erbringen, vergleichbar ist mit dem, was von Schülerinnen und Schülern in anderen Bundesländern erbracht wird. Hier sieht die Kultusministerkonferenz beispielsweise vor, dass 20 Prozent der Kurse, die aus der Oberstufe eingebracht werden sollen, durchgefallene Kurse sein können, maximal 20 Prozent.

Und das heißt, jedes Bundesland bringt eine unterschiedliche Anzahl von durchgefallenen Kursen in die Abiturwertung ein. Da müsste es auch im Interesse der Schüler sein, dass das in jedem Land dieselbe Anzahl ist. Und mein Plädoyer wäre hier: Nicht maximal 20 Prozent. Maximal zehn Prozent ist auch in Ordnung.

Die rheinland-pfälzische Landesregierung ist nicht begeistert von Ihrem Vorschlag. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) sagt, die Diskussion über das vermeintlich zu leichte Abi ist nicht neu und sie wird nicht gehaltvoller, wenn man sie immer wieder aufwärmt. Fühlen Sie sich da jetzt angesprochen?

Ich fühle mich nicht richtig verstanden, weil meine Aufforderung wäre, dass Frau Hubig die Dinge, die in der Kultusministerkonferenz noch nicht vernünftig geregelt sind, dort vorträgt, und es vielleicht zu einer besseren Regelung kommt.

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