Die persönlichen Geschichten hinter den Kleinanzeigen "Verkaufe Brautkleid ungetragen"

Genau solche Kleinanzeigen hat Hannah Winkler hundertfach im Internet entdeckt, als sie auf der Suche nach einem Brautkleid war. Die Filmemacherin und Autorin ist neugierig geworden und hat mit mehr als 100 Frauen gesprochen. Was steckt hinter den Geschichten?

SWR1: "Verkaufe Brautkleid ungetragen" - auf den ersten Blick klingt das erstmal tragisch. Welche der zwölf Geschichten hat Sie am meisten berührt?

Hannah Winkler: Alle Geschichten haben mich auf ihre Art und Weise berührt. Einfach weil ich den Frauen sehr nah gekommen bin, weil Heiraten und Hochzeiten ein sehr emotionales Thema ist. Ganz besonders berührt haben mich die Geschichten, in denen das Schicksal ganz übel mitgespielt hat. Das sind zum Beispiel die Geschichten von Kathrin, deren Ehemann – sie waren schon standesamtlich verheiratet – kurz vor der kirchlichen Trauung an Krebs verstorben ist. Oder die Geschichte von Demet, einer Deutsch-Türkin, die zwangsverheiratet werden sollte, und zum Glück nicht wurde. Die jedoch jeder Menge Gewalt ausgesetzt war. Das sind natürlich Geschichten, die sehr nah gehen und da kann man auch nicht so richtig positive Worte für finden.

Das waren die traurigen Geschichten, aber was war denn die skurrilste Geschichte?
Zum Beispiel die von Miriam. Miriam ist eine Frau, die nicht ganz so viel Geld für ihre eigene Hochzeit und für ihr Brautkleid hatte. Sie musste in einer etwas abgespeckten Version ihres Traumbrautkleides heiraten. Sie wollte aber eigentlich gerne als Prinzessin heiraten, was aber aus finanziellen Gründen nicht möglich war. Und so ist es dann passiert, dass nach ihrer Hochzeit – als es finanziell ein bisschen besser bei ihr lief – sie so eine Art Brautkleid-Hobby für sich entdeckt hat. Das heißt: Sie kauft anderen Frauen neue, ungetragene Prinzessinnenbrautkleider ab und trägt sie zu Hause für ein paar Stunden. Einfach um sich nochmal als Prinzessin zu fühlen. Um dieses Gefühl zu haben, welches sie eigentlich an ihrem Hochzeitstag haben wollte. Danach verkauft sie sie weiter.

Gibt es eine Geschichte, die ein richtiges Hollywood-Happy-End hatte?
Ja, die gibt es auch. Da fällt mir spontan die Geschichte von Emily ein. Emily hatte eigentlich den für sich perfekten Partner gefunden. Nach dem Heiratsantrag hat sich das Blatt aber ein bisschen gedreht und ihr Verlobter war gar nicht mehr so nett. Er hat ihr viele Vorschriften gemacht, ist auch aggressiv und gewalttätig geworden. Irgendwann ist die Situation eskaliert und sie hat sich getrennt. Aber es gibt ein Happy End, denn in dieser ganzen schweren Zeit war ihr Trauzeuge und gleichzeitig bester Freund an ihrer Seite. Und wie es so kommen soll, sind da irgendwann Gefühle entstanden. Dann hat sie mir erzählt, dass er ihr gestanden hat, dass er eigentlich schon jahrelang in sie verliebt war und sie auch geliebt hat. Er hat sie so sehr geliebt, dass er sie in die Hände eines anderen Mannes hätte geben wollen. Das ist doch mal ein tolles Happy End. Die beiden sind immer noch zusammen, wohnen gemeinsam und das ist doch ein toller Gänsehautmoment!

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