Bessere Noten, leichteres Lernen, weniger Unfälle Ab der Pubertät erst um 9 Uhr zur Schule?

Schlafmangel ist rein biologisch bei den meisten Jugendlichen vorprogrammiert. "Ab der Pubertät werden die Schlafzeiten der Jugendlichen graduell immer später, bis sie 20 bis 22 Jahre alt sind“, so Chronobiologin Frau Dr. Eva Winnebeck von der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Die innere Uhr verschiebt sich also immer weiter nach hinten. Und wer immer später ins Bett geht, kommt schlecht aus den Federn und geht müde in die Schule. Man spricht dabei auch vom "Sozialen Jetlag".

Dauer

Folgen des Schlafmangels

In einer Studie des Forschungszentrums Demografischer Wandel (FZDW) berichten besonders Spätaufsteher häufig über Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme und Gereiztheit. "Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass es für Jugendliche auf Dauer belastend ist, wenn ihr Tagesablauf nicht ihrem präferierten Schlafrhythmus entspricht", so Dr. Sven Stadtmüller, wissenschaftlicher Mitarbeiter am FZDW.

Unfallgefahr senken

Das Forschungszentrum wollte in einer weiteren Studie zum Thema "Gesundheitsverhalten und Unfallgeschehen im Schulalter" wissen, welche Gründe es für die mehr als 1,2 Millionen meldepflichtigen Schülerunfälle im Jahr 2017 gegeben hat und wie man sie hätte vermeiden können. Eines der Ergebnisse: Die Forscher plädieren für eine Verschiebung des Unterrichtsbeginns gerade an Schulen, an denen die meisten Kinder lange Schulwege zurücklegen müssen. Laut der Unfallstudie sinkt die Verletzungsquote von 24 auf 19 Prozent bei Schüler*innen, die acht oder mehr Stunden schlafen.

Einfach früher ins Bett gehen?

Eingeschlafener Schüler (Foto: Colourbox)
Eingeschlafener Schüler

Das hilft leider nicht, denn ihre innere Uhr hält die Schüler*innen wach und verschiebt die Schlafphasen nach hinten. Wenn dann der Wecker klingelt, wird der Jugendliche aus einem tiefen Schlaf gerissen. Nicht selten leiden auch die Noten darunter. Einige Schulen haben auf diese Erkenntnisse reagiert und legen Prüfungen in spätere Schulstunden.

Wer ist schuld?

Vermutlich sind es die Hormone, die die innere Uhr in der Pubertät um zwei bis drei Stunden nach hinten verstellen. Wer abends länger am Smartphone sitzt, kann diesen Effekt verstärken und das Einschlafen verzögern.

Die Nachbarn haben reagiert

Blicken wir ins europäische Ausland, haben sich Frankreich, Spanien, Großbritannien, Schweden, Portugal und Italien für einen späteren Schulanfang entschieden. Hier klingelt es zur ersten Stunde erst um neun Uhr. Auch die Australier haben aus verschiedenen Studien ihre Konsequenzen gezogen und beginnen die Schule erst um 9 Uhr. Überall hat sich gezeigt: Die Leistungen der Schüler haben sich daraufhin verbessert.
Wer Halbtagsschüler in Argentinien ist, kann sogar wählen: Frühaufsteher beginnen bereits um 8 Uhr. Wer lieber ausschläft, startet seinen Unterricht erst um 13 Uhr.

Und was wollen die Schüler?

Erstaunlicherweise sprachen sich in der FZDW-Studie 52 Prozent der Schüler*innen gegen die Verschiebung des Unterrichtbeginns aus, wenn der Schultag sechs Schulstunden hat. Noch drastischer war die Antwort bei acht Schulstunden: Hier plädieren die Jugendlichen mit 69 Prozent für den Unterricht ab 8 Uhr. Wichtiger als Ausschlafen ist ihnen die Freizeit am Nachmittag.  

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