Berechnung der Wasserhöhe im Rhein Ist der Pegelstand gleich Wassertiefe?

Der Pegelstand des Rheins sinkt und sinkt. In Kaub liegt die Marke mittlerweile deutlich unter dem historischen Tiefstand von 35 Zentimetern. Doch was bedeutet dieser Wert? Wäre der Rhein bei Null ausgetrocknet?

Fest steht, dass Bäche, Seen oder Flüsse deutlich tiefer sein können, als der Pegelwert angibt. Denn der Pegelnullpunkt hat nichts mit dem Sohlengrund eines Gewässers zu tun. Warum ist das so?

In früheren Jahren wurde der Pegel tatsächlich nach dem Rheinboden festgelegt, was sich jedoch als nicht praktikabel herausstellte. Der Grund: Der Rhein ist nicht gestaut und hat ein sehr unregelmäßiges Profil, mal tief, mal eher flach.

Außerdem wusch sich der Rheinboden an manchen Orten aus. Jährlich um bis zu zwei Zentimeter. An anderen Orten mit felsigem Untergrund wiederum nicht. Besonders Kapitäne von Frachtschiffen konnten sich daher nie wirklich sicher sein, wieviel Wasser sich noch unter ihrem Schiff befand.

Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt legt Höhe fest

Daher hat die Wasser- und Schifffahrtsdirektion einen Vergleichswert eingeführt: den Gleichwertigen Wasserstand (GLW), einen durchschnittlichen Niedrigwasserstand, der an nicht mehr als 20 Tagen im Jahr unterschritten werden darf.

Dieser wird alle zehn Jahre mit einer komplizierten und aufwendigen Berechnung neu festgelegt. Dabei werden Ablagerungen oder Erosionen und Niedrigwasserstände in einem bestimmten Zeitrahmen zur Berechnung benutzt.

In Worms wurde der GLW-Wert so auf 72 Zentimeter Pegelhöhe festgelegt, in Mainz auf 168 Zentimeter, in Koblenz (Moselmündung) und Kaub auf 78 Zentimeter. Bei diesen Pegelwerten garantiert das Wasser- und Schifffahrtsamt noch eine Mindestwassertiefe von 210 Zentimetern in der Fahrrinne (Kaub 190 Zentimeter).

Wichtige Formel für Kapitäne

Die Pegelhöhe wird auf diese Weise besonders für Kapitäne von Frachtschiffen wichtig. Sie können mithilfe des für den jeweiligen Streckenabschnitt gültigen GLW-Werts und des Pegelstands schnell die wirkliche Wassertiefe berechnen: Pegelstand minus GLW plus 2,10 Meter ergibt die Wassertiefe.

Für Mainz würde das bei einer Pegelhöhe von aktuell 130 Zentimetern (168 Zentimeter GLW-Wert) eine Wasserhöhe von 1,72 Metern in der Flussrinne bedeuten, in Koblenz mit dem Pegelstand 29 (78 Zentimeter GLW-Wert) erreicht man somit ebenfalls die Wassertiefe von 161 Zentimetern. In Kaub garantiert das Wasser- und Schifffahrtsamt nur eine Wassertiefe von 190 Zentimetern unter GLW, somit liegt die tatsächliche Wassertiefe beim aktuellen Pegelstand von 30 Zentimetern bei nur 142 Zentimeter.

Würde der Pegelstand in Mainz irgendwann den Wert Null erreichen, wären somit immer noch 42 Zentimeter Wasser in der Fahrrinne, in Koblenz 132 Zentimeter.

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