Aus Angst und Neid Falscher Ort, falsche Zeit - jeder kann Mobbingopfer werden

Beleidigungen, Ausgrenzung, Lästereien bis hin zu Schlägen und das oft über einen längeren Zeitraum. Mobbingopfer gehen nicht mehr zur Arbeit oder zur Schule und manche Betroffene denken sogar an Selbstmord. Das ist mittlerweile keine Ausnahme: Laut Carsten Stahl, Gründer der Initiative "Stoppt Mobbing!", gibt es zwischen 500.000 und eine Million Fälle von Mobbing, Hass und Gewalt in Deutschland - pro Woche.

Opfer werden zu Tätern

Das Gesellschaftsproblem beginnt in den Schulen. Dort lernen die Kinder dem Gruppenzwang zu folgen. Mobbingopfer merken schnell, dass Betteln und Flehen nichts nützt. Irgendwann schlagen die Opfer zurück oder beginnen über einen anderen zu lachen, das finden die anderen dann "cool" - die Opfer wollen auch dazugehören.

Sollen sich Eltern einmischen?

Auf jeden Fall. Der erste Schritt ist zu erkennen, ob das Kind gemobbt wird. Achten Sie auf die folgenden Signale:

  • Die Noten fallen rapide
  • Kinder klagen oft über Bauchschmerzen
  • Sie erfinden Dinge, damit sie nicht zur Schule gehen müssen
  • Die Kinder zeigen sich nicht mehr so frei, weil sie Hämatome haben
  • Ess- und Schlafstörungen oder Bettnässen
  • Lehrer sollten in den Pausen beobachten: Stehen bestimmte Schüler alleine und isoliert auf dem Schulhof?

Stahl rät weiter: Sprechen Sie viel mit Ihren Kindern. Sollte sich herausstellen, dass Ihr Kind gemobbt wird, dann...

  • ...gehen Sie direkt zum Klassenlehrer und sagen, was passiert ist. Er oder sie kann es unter Umständen nicht wissen und braucht diese Information. Leider werden Lehrer im Studium nicht auf die Mobbing-Situation vorbereitet und fühlen sich oft vom System im Stich gelassen.
  • Wenn der Lehrer mit der Situation nicht umgehen kann, wenden Sie sich an die Schulleitung oder den Sozialarbeiter an der Schule.

Was können Betroffene machen?

Wichtig ist, gerade die Mittäter aufzuklären, dass es nicht "cool" ist, beim Mobbing mitzumachen. Sie sollten ermutigt werden, dagegen zu sein und sich für die Schwachen einzusetzen. Damit nehme man den Tätern die Bühne - sie werden nicht mehr von allen beklatscht und: "Wir schenken den Opfern neuen Mut", so Stahl.

Mobbing in der Arbeitswelt

Mobbing ist nicht nur auf die Schulen begrenzt, es gibt es auch in Betrieben. Es ist vor allem dort verbreitet, wo es Hierarchien gibt. Dazu gehören auch Organisationen wie Bundeswehr, Feuerwehr und Polizei. Hierarchie bedeutet Macht. Wenn ein Chef mobbt, nennt man es "Bossing" - der Vorgesetzte nutzt seine Position aus. Die Gruppendynamik ist aber die gleiche wie an Schulen, denn Mobbing wird ausgelöst durch Neid und Angst. Neid auf das, was der andere hat - wie Besitztümer oder eine Position - und Angst, genau das zu verlieren, was ich habe.

Hilft nur noch der Rückzug?

Das ist der Vorteil der Erwachsenen - sie können, im Gegensatz zu Schülern, den Job wechseln oder einfach weggehen. Aber ein Jobwechsel - oder Schulwechsel durch die Eltern - sollte das allerletzte Mittel sein. Daher müssen sich Mobbing-Opfer so schnell wie möglich Hilfe holen, rät Stahl. Ob bei den Eltern, Lehrern oder dem Betriebsrat bzw. dem Chef, wenn es kein "Bossing" ist. Denn die Ausfälle durch Mobbing kosten den Betrieb auch viel Geld. Daher hat ein Unternehmen ein großes Interesse daran, dass Mobbing im Betrieb aufhört und ein gutes Betriebsklima herrscht.

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