Medikamente (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Apotheker warnen Warum Ibuprofen aktuell knapp werden könnte

Lieferschwierigkeiten bei Medikamenten sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Zurzeit ist offenbar das Schmerzmittel Ibuprofen betroffen. Wie kommt es dazu und wie können solche Engpässe verhindert werden?

Apothekerin Anja Neidert aus Bad Kreuznach hat längst nicht immer alle Medikamente zur Verfügung, die ihre Kunden benötigen. Etwa zehn Mal täglich müssen sie und ihre Mitarbeiter am Computer nachschauen, ob fehlende Medikamente verfügbar sind. Wenn ja, muss sie schnell handeln und die Arzneien telefonisch oder im Internet bestellen.

"Das sind manchmal so ganz einfache Medikamente wie Ibuprofen 800", sagt Neidert, "ein ganz gängiges Mittel. Und dann sind es auch spezielle Medikamente." Man könne aber nicht sagen, das immer dieselben Arzneien knapp würden, so Neidert: "Es zieht sich durch die ganze Breite: Schmerzmittel, Blutdruckmittel. Es ist alles irgendwann mal dabei." Ist ein Medikament über einen längeren Zeitraum nicht verfügbar, muss der Arzt ein anderes verschreiben. "Sehr ärgerlich" findet das die Apothekerin.

Abhängigkeit von wenigen Zulieferern

Das Beispiel Ibuprofen, einem der am häufigsten verkauften Schmerzmittel, hängt nach Kenntnissen von SWR-Wirtschaftsredakteur Lutz Heyser mit einem Brand in einer von BASF betriebenen Fabrik in den USA zusammen.

Das Prinzip sei aber bei vielen Engpässen das Gleiche: Auf den ersten Blick gibt es zahlreiche Marken und Hersteller von Medikamenten. Letztendlich beziehen diese die Stoffe für ihre Tabletten, Salben und Tropfen aber von einigen wenigen Zulieferern.

Ibuprofen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Neben Ibuprofen beklagen Ärzte und Apotheker Lieferengpässe bei Blutdrucksenkern und Arzneimitteln für Diabetiker und Allergiker. Picture Alliance

Die meisten dieser Zulieferer haben ihren Sitz in Asien, wo zu einem geringeren Preis größere Mengen an Arzneimitteln hergestellt werden können. Wenn hier wie im Fall von Ibuprofen zum Beispiel wegen eines Brands eine Fabrik ausfällt, sind davon meist viele der uns bekannten Hersteller betroffen und die entsprechenden Medikamente werden schnell knapp, erklärt Heyser.

Vorschläge zur Vorbeugung von Engpässen

Um das zu verhindern, fordern Apotheker eine Erhöhung der Medikamentenpreise. So würde sich auch die Produktion in Deutschland wieder lohnen. Krankenkassen schlagen eine verpflichtende Notreserve vor, die nicht nur wie bisher für Apotheken und Großhändler gilt, sondern auch für Hersteller.

Wirtschaftsredakteur Heyser sieht keine schnelle Lösung des Problems: Beide Ideen würden auf viel Widerstand treffen. Die Politik müsse sich daher der Thematik widmen und Regeln festlegen.

Weiterhin gebe es bisher keine offizielle Dokumentation von Medikamentenengpässen, so Heyser. Die Informationen beruhen auf freiwilligen Selbstauskünften der Hersteller und die hätten wenig Interesse, ihre eigenen Lieferengpässe an die große Glocke zu hängen. Die Lösung dieser Problematik müsse daher der erste Schritt sein.

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