Die Tage rund um den Mauerfall haben Schauspieler Jan Josef Liefers geprägt (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

"In den Hinterhöfen standen die Truppen" So erlebte Tatort-Star Liefers den Mauerfall '89

Kurz vor dem Mauerfall 1989 organisiert Jan Josef Liefers mit anderen eine Demo mit mehreren hunderttausend Menschen in Berlin. Er hoffte, dass das Ganze nicht aus dem Ruder läuft.

4. November 1989, in Berlin kommen mehrere Hunderttausende Menschen zusammen. Es ist die erste offiziell genehmigte Demo in der DDR, organisiert von Schauspielern und Mitarbeitern an Ost-Berliner Theatern. Einer von ihnen ist der heute beliebte Tatort-Schauspieler Jan Josef Liefers.

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Schauspieler Jan-Josef Liefers spricht am 4. November 1989 bei der Alexanderplatz-Demonstration picture alliance / dpa-Zentralbild (ADN)

Damals sei nicht klar gewesen, wie der Tag enden würden, erinnert sich Liefers in SWR1 Rheinland-Pfalz. "Hinter den Häusern in den Hinterhöfen standen die bewaffneten Truppen parat." Die Demo war unter der Auflage genehmigt worden, dass das Organisations-Team die Menge in Zaum hält und rechtzeitig vor dem Brandenburger Tor stoppt, der damaligen Grenze zum Westen. Eine große Last für die Theaterleute, beschreibt Liefers: "Sie sind Schauspieler und sollen eine Million Menschen zur Räson bringen, wenn die ausrasten."

Meilenstein der friedlichen Revolution in der DDR

Wieviele Menschen damals genau an der Alexanderplatz-Demonstration teilnahmen, ist unklar. Die Organisatoren um Jan Josef Liefers sprechen von rund einer Million Menschen. Gesichert ist, dass die Demonstration als Meilenstein der friedlichen Revolution in der DDR gilt.

Es sei darum gegangen, die Regierung auszutauschen und "was Neues hinzukriegen und die alten Leute loszuwerden", beschreibt Liefers. Seine Aufgabe war es zu Beginn der Kundgebung klar zumachen, "dass wir denen zwar nicht den Mund verbieten können, aber dass wir mit denen nichts mehr am Hut haben."

Jan Josef Liefers fordert Erneuerung im November '89

"Das war fünf Tage vor dem Mauerfall, aber noch keiner konnte sich an dem Tag vorstellen, dass das so schnell passieren würde", sagt Liefers. Er spricht als einer der ersten bei der anschließenden Kundgebung und fordert eine Erneuerung.

Der Mauerfall kommt in der Nacht zum 10. November 1989 - viel schneller als gedacht. Liefers zieht es als erstes nach West-Berlin und zwar aus privaten Gründen: "Ich war damals sehr verliebt in ein Mädchen, das kurz vorher die DDR verlassen hatte und in Kreuzberg lebte."

Schauspieler Jan Josef LIEFERS (spielt Professor Karl-Friedrich Boerne) Schauspieler Axel PRAHL (spielt Kommissar Frank Thiel) und Schauspielerin ChrisTine URSPRUCH (spielt Dr. Silke "Alberich" Haller) in der Pathologie (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Sven Simon)
In der Rolle des Pathologen bekannt: Liefers als Professor Boerne mit seinem Tatort-Kollegen Prahl (Kommissar Thiel) und der Schauspielerin Urspruch als "Alberich" Haller picture alliance / Sven Simon

Anders als viele ehemalige Bürger der DDR startet Liefers schnell beruflich durch. Er bekommt eine Stelle am Thalia Theater in Hamburg, hat erste Erfolge in Filmen. Liefers wundert das nicht. Theaterleute seien offene Menschen, die keine Fronten absteckten. "Ich bin mit offenen Armen dort empfangen worden, weil endlich das möglich war, was man die ganze Zeit wollte: Sich mischen, miteinander arbeiten und vom anderen was lernen."

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