Wählscheibe, BTX und Hauptanschluss

Telefonie-Erinnerungen aus den 1980ern

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Es gab eine Zeit in der Telefonnummern durch eine Drehbewegung gewählt wurden, der Hauptanschluss mit 27 D-Mark pro Monat zu Buche schlug und das Taschengeld in Form von Groschen in gelben Häuschen ausgegeben wurde. Fünf Dinge, an die Sie sich erinnern,  wenn Sie in den 80ern telefoniert haben.

FetAp 73 (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Maximilian Schönherr)
So sah es aus, das analoge Standard-Telefon der Deutschen Bundespost mit dem klingenden Namen "BP FeTAp 731". Mitte der 1970er Jahre eingeführt und bis in die 1990er Jahre gebaut, zierte der Fernsprech-Tisch-Apparat in Farben wie sandbeige, farngrün oder kokosbraun die bundesdeutschen Flure. Im Laufe der Zeit gab es anstelle der Wählscheibe sogar einen Ziffernblock, Zusatzlautsprecher, Nummernspeicher und eine Wahlwiederholung. Maximilian Schönherr
Der Schreckenstag aller dauertelefonierenden Teenager war der Tag, an dem einmal im Monat die Fernsprechrechnung postalisch zugestellt wurde. Mindestens 27 D-Mark wurden dann alleine für den analogen Hauptanschluss fällig. Dazu kamen die angefallenen Gebühren für die vertelefonierten Telefon-Einheiten und die Miete für das Telefon. Letztere reichte vom kostenlosen Standard-FeTAp bis hin zum schier unerschwinglichen Micky-Maus-Apparat mit über 20 D-Mark Monatsmiete. Maximilian Schönherr
Bis zur Liberalisierung des Telefonmarktes 1988 war die Gebührenordnung relativ unübersichtlich. Die Abrechnung erfolgte bis Ende der 1980er-Jahre in so genannten Einheiten. Eine einheit war zwischen acht und 12 Minuten lang. Ein Ortsgespräch kostete dabei rund 20 Pfennig pro Einheit. Die Sanduhr der Bundespost bot dabei vielen einen gewissen Schutz vor exorbitant hohen Gebühren. Maximilian Schönherr
Da nicht jeder Haushalt über einen Anschluss verfügte, hatten öffentliche Telefonzellen eine große Bedeutung. In ihnen vertelefonierten verliebte Teenager ihr Taschengeld, sehr zum Leidwesen der wartenden Erwachsenen. Es gab sie praktisch an jeder Ecke und mit drei 10-Pfennig-Stücken oder Groschen bekam man eine Verbindung. Den Geruch hat jeder, der die gelben Häuschen einmal benutzt hat, sein Leben lang in der Nase. Jörg Schmitt
Und dann war da noch das ominöse "BTX". 1983 wurde das Bildschirm-Text-System eingeführt. Für acht D-Mark pro Monat konnte man unter anderem eine Art Chat-Programm oder ein Mitteilungsprogramm nutzen. Als einer der ersten privaten Anbieter baute auch der Chaos-Computer-Club ein BTX-Angebot auf, fand Schwachstellen und machte mit dem BTX-Hack 1984 Schlagzeilen. Durch die relativ hohen Abrufkosten blieb dem Dienst der Erfolg verwehrt. 1983 wurde BTX eingestellt, 2003 endgültig abgeschaltet. Karl Staedle
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