Heinrich Bedford-Strohm (Foto: picture-alliance / Reportdienste,  Michael Reichel)

EKD-Vorsitzender Bedford-Strohm zu 500 Jahre Luther-Auftritt in Worms

"Ein Akt der Weltgeschichte"

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Mit einem Festakt wird in Worms der Widerrufsverweigerung von Martin Luther vor 500 Jahren gedacht. SWR1 hat mit dem EKD-Vorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm über dieses Ereignis gesprochen.

SWR1: Welche Bedeutung hat dieses Ereignis vor 500 Jahren heute noch für uns?

Heinrich Bedford-Strohm: Das war ein Akt der Weltgeschichte. Letztlich ist die evangelische Kirche aus diesem Ereignis in Worms entstanden. Da ist ein Mann vor den Kaiser getreten und ist seinem Gewissen gefolgt.

SWR1: Eine einigermaßen absurde Situation. Der Kaiser sagte "Widerrufe deine Thesen" und Luther antwortete "Nö, mache ich nicht", wie mutig war dieser Luther wirklich?

Bedford-Strohm: Man kann Luther viel vorwerfen, er hat in vielem geirrt. Aber er war ein sehr mutiger Mann. Man muss sich das vorstellen: Er ist da angekommen, ich vermute mit Zittern und Zagen. Aber seine innere Überzeugung war schlicht stärker. Luthers Bindung an Christus und Glaubensbasis waren dafür verantwortlich, dass er den höchsten Autoritäten im Reich Paroli geboten hat und seinen Überzeugungen treu geblieben ist. Wir nennen das heute Zivilcourage, das ist für mich etwas höchst Aktuelles und die kann man schon an diesem Ereignis vor 500 Jahren für heute lernen.

Martin Luther auf dem Reichstag in Worms (Foto: picture-alliance / Reportdienste, akg-images / Historisches Auge)
Luther auf dem Reichstag in Worms , farbge Bildtafel ( Künstler unbekannt ) aus dem jahr 1887. akg-images / Historisches Auge

SWR1: Sie haben gesagt, man könne Luther viel vorwerfen. Wir wollen nicht verschweigen, dass Luther ein Judenhasser war, er hat zum Beispiel dazu aufgerufen, Synagogen anzuzünden. Aber unser Thema ist der Reichstag zu Worms 1521 und Luthers Mut hat in der Vergangenheit immer wieder Menschen inspiriert, wer würde Ihnen aus der heutigen Zeit dazu einfallen?

Bedford-Strohm: Aus der modernen Zeit kann man sicher Martin Luther King nennen, der ja das Luther auch im Namen hatte und die Bürgerrechtsbewegung in den USA prägte. Nelson Mandela ist jemand, der seinen Überzeugungen im Angesicht schlimmster Verfolgungen ebenfalls treu geblieben ist. Es gibt viele Menschen in der Gegenwart, die uns ebenfalls Vorbild sein können.

SWR1: Auch Mächtige müssen für ihre Überzeugungen einstehen. Mir ist die Christin Angela Merkel eingefallen. Budapest im Sommer 2015: Flüchtlinge saßen in Eisenbahnwagen in der Hitze fest, ganz Europa hat sich weggeduckt, aber Merkel nicht.

Bedford-Strohm: Ich glaube schon, dass das ein ganz starker Akt war und auch ein Zeichen für das Eintreten für Humanität in schwierigen Situationen gegen stärkste Widerstände. Hier geht es um die Würde des Menschen, die ist nicht abhängig davon, woher jemand kommt oder aus welchen Gründen jemand an der Stelle ist, wo er grade ist, sondern es geht schlicht darum, Menschen einfach zu helfen. Wenn heute Menschen Geflüchtete in Schlauchbooten im Mittelmeer in Seenot retten und dafür angefeindet werden, dann ist das für mich auch ein Akt der Zivilcourage des Eintreten für Humanität und Menschenwürde. Das ist sicher etwas, was aus dem Glauben heraus heute für viele Christen ganz zentral ist.

Das Gesprüch führte Jürgen Kurth.

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