15 Jahre Facebook Ist das Netzwerk Fluch oder Segen?

AUTOR/IN

Wir sind nun seit 15 Jahren mit Facebook "befreundet". Das Netzwerk weiß (fast) alles über uns. Aber wir wissen so gut wie nichts darüber, wie das Netzwerk tatsächlich funktioniert. Über dieses Problem haben wir mit dem Journalisten Dennis Horn gesprochen. Er beschäftigt sich seit Jahren mit Facebook und hat unter anderem auch in der Firmenzentrale in Menlo Park in Kalifornien recherchiert.

Ist Facebook für Sie ein Fluch oder ein Segen?

ARD-Mutlimedia-Experte Dennis Horn (Foto: SWR, dpa/picture-alliance - Horst Galuschka)
Dennis Horn, Multimedia-Experte dpa/picture-alliance - Horst Galuschka

Beides! Facebook ist ein neues Kommunikations- und Informationsmedium. Das ist ein Segen. Denken Sie zum Beispiel an all die schnellen Absprachen im Alltag die wir heute mit Gruppenchats treffen. Das hat es in Zeiten der SMS so nicht gegeben. Oder der "Arabische Frühling". Den nannte man auch die "Facebook-Revolution". Aber es gibt auch die dunklen Seiten. Wir sehen das an den großen Themen: Hass, Propaganda, Desinformation, Mobbing oder Datenschutz. Diese Themen und Umstände sind "positiv ausgedrückt" deutliche Herausforderungen für das Unternehmen.

Ein besonderes Merkmal von Facebook ist der individuelle News-Feed. Wie macht Facebook das genau?

Facebook Firmensitz in Menlo Park (Foto: SWR, dpa/picture-alliance - xim.gs / Philipp Szyza)
Der Firmensitz der Facebook Inc. liegt am Hacker Way in Menlo Park. dpa/picture-alliance - xim.gs / Philipp Szyza

Das ist ein hochkomplexes System. Wenn Sie es so wollen auch ein Meisterwerk der Programmierung. Der Facebook-Algorithmus hat hunderte von Kriterien mit deren Hilfe er in Echtzeit entscheiden kann, ob uns ein bestimmtes Posting anzeigt wird oder nicht. Dabei werden zum Beispiel Postings von Menschen, mit denen wir zuletzt über das Netzwerk Kontakt hatten eher angezeigt. Gleichzeitig achtet der Algorithmus darauf, auf welche Themen Sie normalerweise reagieren. Welche Themen Sie öfter anklicken oder welche Themen Sie öfter kommentieren. Was diese Faktoren so nicht erfüllt, das bekommen Sie auch nicht zu Gesicht. Das sortiert der Algorithmus so weit "unten" im Newsfeed ein, dass Sie normalerweise nicht bis dahin scrollen. Das ist eigentlich ein sinnvolles System. Wir wären sonst mit der Fülle an Themen und Informationen überfrachtet. Auf der anderen Seite gibt es auch deutliche Kritik an diesem Algorithmus, weil er uns durch seine Funktionsweise viele Inhalte und damit Informationen vorenthält.

Datensicherheit und Privatsphäre sind aus unserer Sicht bei Facebook kritisch zu sehen. Einige EU-Politiker fordern ja sogar eine Aufsichtsbehörde, die große Internetkonzerne überwacht. Nimmt Facebook-Chef Marc Zuckerberg solche Forderungen ernst?

Marc Zuckerberg (Foto: SWR, dpa/picture-alliance - Blondet Eliot/ABACA)
facebook-Chef Marc Zuckerberg dpa/picture-alliance - Blondet Eliot/ABACA

Er hat es lange Zeit ein bisschen abgetan. Ich habe mit vielen Mitarbeitern des Unternehmens auch in der Zentrale im Silicon Valley gesprochen. Wenn man dort vor Ort ist, hat man den Eindruck, dass das was in Europa oder im Rest der Welt geschieht, einfach sehr weit weg ist. Mittlerweile hat sich die Lage etwas geändert. Spätestens seit Donald Trump US-Präsident ist, sind Themen die wir vorher eher in Europa besprochen hatten wie zum Beispiel Datenschutz, Hass-Propaganda oder Desinformation, plötzlich auch Themen in den USA. Und seitdem hört man bei Facebook wesentlich genauer hin. Mittlerweile kommt die Kritik an. Die Frage ist nur nach wie vor, wie viel Facebook aus dieser Kritik macht, oder wie sehr es diese Kritik als Angriff auf das eigene Geschäftsmodell versteht.

AUTOR/IN
STAND