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Wer einen Angehörigen verloren hat und beerdigen möchte, bekommt die Einschränkungen zurzeit besonders deutlich zu spüren. Auch der Alltag der Bestatter gestaltet sich schwierig.

Eine kleine Menschengruppe steht draußen auf dem Friedhof vor einem offenen Grab mit dem aufgebahrten Sarg und nimmt Abschied. Die Trauergäste stehen in großem Abstand zueinander. Nach der Trauerrede entfernen sich die Menschen. Erst dann wird der Sarg noch einmal desinfiziert und hinunter gelassen. Ein Kondolenzbuch gibt es nicht. Händeschütteln als Beileidsbekundung ist verboten. So ähnlich muss man sich zurzeit eine Beerdigung vorstellen.

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Während der Corona-Pandemie dürfen Bestattungen in Baden-Württemberg seit dem 2. April nur noch mit den engsten Angehörigen und höchstens fünf zusätzlichen Trauergästen
stattfinden. Pfarrer oder Trauerredner können zusätzlich dabei sein. Die Regeln gelten für religiöse und nicht-religiöse Trauerfeiern.

In Rheinland-Pfalz ist laut der dritten Coronabekämpfungsverordnung der engste Familienkreis zugelassen. Die Regelungen können aber je nach Einschätzung des zuständigen Gesundheitsamtes oder der Friedhofsverwaltung strenger ausgelegt werden.

Wer darf zur Trauerfeier?

In Speyer beispielsweise sind aktuell nur fünf Personen pro Trauerfeier zugelassen. Eine schwere Situation für die Trauernden, die vor der Entscheidung stehen, wer von der Familie an der Beerdigung teilnehmen kann und wer nicht. Viele Bestatter bieten ihren Kunden deshalb inzwischen an, die Beisetzung zu filmen. Das teilten Sprecher der Landesinnung Bestattergewerbe Baden-Württemberg und des Bestatterverbandes Rheinland-Pfalz mit. Angehörige hätten auch schon selbst mit dem Handy die Feier live gestreamt. Weniger problematisch aus hygienischen Gründen sind Urnenbeisetzungen. Die werden momentan häufig verschoben. Eine andere Möglichkeit sei es, später eine Gedenkfeier etwa mit einem Bild des Verstorbenen abzuhalten.

Eine Urne mit betenden Händen drauf (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
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Es ist schwieriger geworden in Zeiten von Corona, der Trauer Raum zu geben. Jemanden in den Arm nehmen, ein Streicheln - alles das ist tabu. Das gemeinsame Traueressen nach der Bestattung, wo sich Familie und Freunde noch einmal auszutauschen, fällt weg. Restaurants und Cafes sind geschlossen.

Pfarrer werden nicht mehr zu Sterbenden gelassen

Besonders hart ist es, sagt der Stuttgarter Stadtdekan Sören Schwesig, wenn Pfarrerinnen oder Pfarrer nicht mehr in Haus zu einem Sterbenden kommen können. "Das sind wichtige Augenblicke, wenn man mit dem Sterbenden noch einmal betet, den Segen spricht. Das hat etwas ungemein Beruhigendes für den Sterbenden und für die Angehörigen. Das ist sehr schmerzhaft, wenn das nicht mehr möglich ist."

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Psychologen warnen, dass unter solchen Umständen die Gefahr besteht, dass Betroffene den Trauerprozess nicht richtig durchlaufen, der notwendig ist, um einen Verlust zu verarbeiten. Das könne - zum Teil auch erst viel später - zu psychischen Problemen führen. Auch den Bestattern fehlt der direkte Kontakt mit ihren Kunden. Vorgespräche werden nicht mehr mit der ganzen Familie geführt, sondern nur noch in den eigene Räumlichkeiten mit maximal zwei Personen, telefonisch oder per Skype.

Fehlende Schutzkleidung für Bestatter

Doch den Bestattern machen auch die aktuellen Lieferengpässe bei der Schutzkleidung Sorgen. Atemmasken, Einweghandschuhe und Desinfektionsmittel sind notwendig für die Standardreinigung bei einem Todesfall. Wie ein Sprecher des Bestatterverbandes Rheinland-Pfalz mitteilte, bestehe die Gefahr, dass mittelfristig die Sicherheit der Bestatter nicht mehr gewährleistet werden kann. In Rheinland-Pfalz gehören Bestatter nicht zu den systemrelevanten Berufen, das heißt, sie müssen ihre Schutzausrüstung ausschließlich über den freien Markt beziehen.

In Baden-Württemberg können die Bestatter zurzeit noch auf einige Lagerbestände zurückgreifen, erklärte ein Sprecher der Landesinnung Bestattergewerbe Baden-Württemberg. Sollte aber eine größere Anzahl an Menschen an Corona versterben, werde es auch hier eng. Problematisch für Bestatter sei vor allem der Moment, in dem der Tote angehoben werde und Luft aus der Lunge entweiche.

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