STAND

Trost, Kontakt und Gespräche sind insbesondere in Krisen-Zeiten wichtig. Vor allem für ältere oder kranke Menschen, die von Pandemie und Kontaktsperre oftmals besonders betroffen sind. Doch Seelsorge ist in Corona-Zeiten mit vielen Hürden verbunden.

Audio herunterladen (35,9 MB | MP3)

Im Krankenhaus, im Hospiz oder im Pflegeheim ist persönlicher Trost gar nicht so einfach zu realisieren, wenn es heißt: Abstand halten kann Leben retten. Jürgen Janik ist Leiter der katholischen Klinikseelsorge in Mainz. Für ihn und sein Team habe sich der Alltag trotz Corona nicht wesentlich verändert, berichtet er.

Weiter täglich Patientenbesuche

Zwar bewegen er und seine Kollegen sich vorsichtiger in der Klinik. Doch sie besuchen weiterhin jeden Tag Patientinnen und Patienten. Dies hätten der Klinikvorstand und die Kirche von Anfang an unterstützt, betont der Pfarrer. Bei ihren Patienten-Besuchen tragen Janik und sein Team Schutzkittel, Mund-Nasen-Bedeckung und Gummihandschuhe. Das sei für ihn aber nichts Neues, erzählt der Seelsorger, der jahrelang auf der Leukämiestation gearbeitet hat. Dort sei das ein Standard, Schutzkleidung zu tragen.

Audio herunterladen (8,4 MB | MP3)

Viel mehr als eine äußere Einschränkung spüre man eine innere Einschränkung, berichtet der Theologe. Denn um niemanden zu gefährden, gehen die Seelsorger derzeit nicht wie sonst unaufgefordert auf Stationen. Stattdessen besuchen sie nur Patienten, die darum gebeten haben. Die Besuche werden außerdem mit dem Pflegepersonal abgestimmt.

Virus der Einsamkeit

Der persönliche Kontakt ist für Jürgen Janik das Zentrum der Seelsorge. Gerade in Zeiten von Corona ist es dem Seelsorger wichtig, vor Ort zu sein:

„Der Coronavirus ist ein Virus der Einsamkeit.“

Jürgen Janik, Leiter der katholischen Klinikseelsorge in Mainz

Während seine Arbeit im Krankenhaus fast uneingeschränkt weiter möglich ist, gestalte sich der persönliche Kontakt im Hospiz oder Altenheim schwieriger. Dort sei die Angst vor Ansteckung durch Außenstehende größer.

Die Kritik der ehemaligen thüringischen Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht kann Janik aber nicht teilen. Lieberknecht hatte der Kirche vorgeworfen, während der Pandemie hunderttausende kranke, einsame, alte und sterbende Menschen allein zu lassen. Für den Pfarrer ist diese Kritik zu extrem formuliert. Er plädiert aber dafür, nachzujustieren und den Zugang in Altenheime und Hospize zu erleichtern.

Seelsorge im Gefängnis

Doch nicht nur für Alte und Kranke, auch für Gefangene gilt die Kontaktsperre. Harald Prießnitz ist katholischer Seelsorger im Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg. Dort sitzen Straftäter mir Drogenproblemen oder psychischen und körperlichen Erkrankungen ein. Derzeit dürfen die Insassen ihre Angehörigen nicht sehen, und das zehre an den Nerven, berichtet Prießnitz.

Audio herunterladen (6,5 MB | MP3)

Sein Gruppen-Angebot führt der Seelsorger fort, allerdings nur noch mit maximal fünf statt zehn Teilnehmern. In den Gruppen geht es beispielsweise um gesellschaftliche Themen oder soziale Fähigkeiten. Harald Prießnitz hat auch eine aufklärerische Funktion, wenn es um die Corona-Krise geht. Er bringt Erfahrungen und Neuigkeiten von außen mit und kann so informieren und Ängste auffangen, betont er.

Der Standpunkt in SWR1 Sonntagmorgen:

Audio herunterladen (1,5 MB | MP3)

Moderator Hans Michael Ehl (Foto: SWR)

Moderator am Sonntagmorgen Hans Michael Ehl

Moderator am Sonntagmorgen

Religion, Migration & Gesellschaft SWR1 Sonntagmorgen

Ein Magazin rund um das Thema Religion und Gesellschaft. Vier Stunden lang Musik, Informationen, Hintergründe, Lebenserfahrungen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN