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Rund 900 Christen, Muslime, Hindus, Buddhisten, Juden und andere Religionsvertreter aus mehr als 100 Ländern haben sich vom 20. - 23. August in Lindau zur 10. Weltversammlung der Organisation "Religions for Peace" getroffen. Es ist das größte interreligiöse Treffen der Welt.

Zum Abschluss des Treffens veröffentlichte die Allianz von Religionsgemeinschaften eine gemeinsame Erklärung. Darin verpflichten sich die Akteure von Religions for Peace, sich stärker für die Abschaffung von Atomwaffen zu engagieren. "Es ist höchste Zeit: Wir sind zu sofortigem Handeln aufgerufen", steht in der Erklärung.

Auch Umweltschutz spielt wichtige Rolle

"Wir verpflichten uns zu unverzüglichen Maßnahmen gegen die Klimakrise", schreiben die Religionsvertreter. Sie wollen in den Gemeinden das Bewusstsein schaffen für die verheerenden Folgen, wenn Regenwälder abgeholzt und Meere vergiftet würden.

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Religionsvertreter aus über 100 Ländern beraten über Lösungen für aktuelle Konflikte (Foto: Imago, epd-bild/Norbert Neetz)
Religionsvertreter aus über 100 Ländern beraten über Lösungen für aktuelle Konflikte Imago epd-bild/Norbert Neetz

Frauen gegen Diskriminierung

Auf der vom Auswärtigen Amt finanziell unterstützen Konferenz gab es verschiedene Schwerpunkt-Themen. Neben dem Klima- und Umweltschutz ging es auch um die Rolle der Frauen innerhalb des Friedensdialogs.
In einer Diskussionsrunde betonte die tunesische Politikerin Mehrezia Labidi-Maiza, dass Frauen besonders geeignet seien, um Minderheiten zu schützen. Sie hätten eine Sensibilität gegenüber Diskriminierung, oft weil sie selbst entsprechende Erfahrungen als Frauen in männerdominierten Gesellschaften gemacht hätten.

Lernen nur Gewalt als Lösung kennen

Auch die Frauenrechtlerin Ela Ghandi, Enkelin von Mahatma Gandhi, kam zur Friedenskonferenz an den Bodensee. Sie prangerte die Gewalt gegen Frauen in Südafrika an. Männer würden zur Gewalt erzogen, beklagte die 79-Jährige. "Obwohl es verboten ist, Kinder zu schlagen, passiert es ständig." Später würden die Jungen zum Wehrdienst eingezogen und lernten zu töten. Als Lösung für Konflikte lernten sie so lediglich Gewalt kennen.

Die Frauenrechtlerin Ela Gandhi prangert bei der Weltversammlung Religions for Peace in Lindau am Bodensee Gewalt gegen Frauen in Suedafrika an. (Foto: Imago,  epd-bild/Norbert Neetz)
Die Frauenrechtlerin Ela Gandhi prangert bei der Weltversammlung Religions for Peace Gewalt gegen Frauen in Suedafrika an. Imago epd-bild/Norbert Neetz

Zum ersten Mal eine Frau an der Spitze

Mit der in Kairo geborenen Muslimin Azza Karam als neuer Generalsekretärin wurde zudem erstmals eine Frau an die Spitze der Organisation gewählt. Die Niederländerin Karam ist Professorin für Religion und Entwicklung an der Freien Universität Amsterdam und arbeitet für die Vereinten Nationen.

Käßmann in World Council gewählt

Die evangelische Theologin Margot Käßmann wird künftig eine wichtige Rolle bei Entscheidungen des religiösen Welt-Gipfels übernehmen. Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist in den aus 80 Mitgliedern bestehenden "World Council" gewählt worden. Der "World Council" ist das höchste Beschlussgremium von Religions for Peace.

"Religion darf niemals Rechtfertigung von Hass und Gewalt sein."

Frank-Walter Steinmeier
Frank-Walter Steinmeier (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht zum Auftakt der Konferenz Religions for Peace. picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnete die Konferenz. In seiner Rede warnte er davor, Religion für politische Zwecke zu missbrauchen: "Religion darf niemals Rechtfertigung von Hass und Gewalt sein." Kein Krieg dürfe im Namen der Religion geführt werden.  Stattdessen rief Steinmeier dazu auf, Religionen als "Werkzeuge des Friedens" einzusetzen. Die Religionsführer sollten sich der Arbeit für Frieden, sozialen Zusammenhalt und nachhaltige globale Entwicklung widmen.

Die gesamte Sendung zum Nachhören in unserem Podcast

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6:00 Uhr
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SWR1
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