Strandhafer (Foto: IMAGO, PantherMedia / Andy Nowack)

SWR1 Feiertagmorgen

Resilienz: der Rückgriff auf die eigenen Ressourcen

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Die Tage werden kürzer, die Wohnung kälter und wo man hinschaut brodeln Krisen. Kein Wunder, dass viele Menschen niedergeschlagen und verunsichert sind. Wenn es draußen stürmt, hilft es, die eigenen Kräfte zu mobilisieren – und die schützen sogar vor Krankheit.  

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Eine Studie der Universität Basel vom Oktober 2022 untersucht, wie Gesundheit und Resilienz zusammenhängen.  Ursprünglich wurde der Begriff Resilienz (‚zurückspringen‘) in der Physik verwendet – für Werkstoffe, die auch unter hoher Belastung nicht zerbrechen. Das lässt sich natürlich auch an der menschlichen Psyche beobachten.  

Stärke aus sozialem Handeln 

Aber warum halten manche Menschen Belastungen aus, an denen andere zerbrechen? Ganz wichtig ist das soziale Gefüge, in dem sich ein Mensch befindet, hat das Forschungsteam aus Basel festgestellt – zum Beispiel in Tansania, Ghana oder Indonesien, wo das Team gemeinsam mit lokalen Wissenschaftlern Befragungen durchgeführt hat. Monika Fiel ist Coach, Resilienz-Trainerin und Mediatorin. Sie empfiehlt erstmal eine sehr einfache Übung: Atmen.

„Atmen ist die Eintrittskarte in unser körpereigenes Wellness System“ 

Hier geht es um den Parasympathikus, also einen von den drei Teilen des vegetativen Nervensystems. Er ist zuständig für die Erholung und für die Regeneration. „Wichtig ist erstmal wirklich gutes Atmen“, sagt Monika Fiel, „und zwar in den Bauch atmen. Immer wenn wir in Stress geraten, und dann schnell atmen, flach atmen, dann steigern wir dadurch unseren Stress“.  

Rausgehen und Kraft schöpfen 

Viele von uns haben ihre ganz eigenen Orte oder Aktivitäten, durch die sie wieder auftanken: im Wald, im Stadion, beim Tanzen, oder einfach im Schlaf.  

 

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Monika Fiel empfiehlt neben Rausgehen, Entspannen oder richtig Atmen noch eine weitere Methode, um die eigene Resilienz zu steigern. Eine Haltung, die nur in unseren Gedanken abläuft: Dankbarkeit.  

„Ich übe Dankbarkeit jeden Tag. Das ist wirklich ein sehr schönes Ritual, dieses dankbar sein, dieses 5 Minuten mal in sich Gehen und sich in einer sehr umtriebigen Welt einfach mal die Zeit zu nehmen, nur zu sitzen und zu atmen und Stille zuzulassen.“  

Da passiert also das Auftanken allein durch die eigenen, positiven Gedanken. Mehr noch: Jeder von uns kann selbst bestimmen, wie er oder sie die Welt wahrnimmt, und so die eigene Haltung positiv beeinflussen.  

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Übrigens sind Geschichten über Resilienz viel älter als die Forschung: Bereits in der Bibel oder im Koran geht es um Menschen, die an Gefahren wachsen, wie etwa David, der im Alten Testament den Riesen Goliath bezwingt. Auch Märchen wie Aschenputtel oder die Bremer Stadtmusikanten erzählen Geschichten, in denen die Hauptfiguren trotz ungerechter Behandlung oder Bedrohung schließlich erfolgreich und selbstbestimmt durchs Leben gehen.  

Moderator Hans Michael Ehl (Foto: SWR)

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