junge Buddhistische Mönche (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

SWR1 Sonntagmorgen

Gewalt und Missbrauch im Namen Buddhas

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Sexuelle Übergriffe und Gewalt gab und gibt es nicht nur in kirchlichen Kontexten, sondern auch in buddhistischen Zentren. Zum Teil hohe Geistliche haben ihre Position und die Verehrung ihrer Schülerinnen und Schüler in der Vergangenheit ausgenutzt. Die Betroffenen kämpfen um ihre Rechte.

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Ein imposantes Gerichtsgebäude, Marmortäfelungen an der Wand, roter Teppichboden. Mehrere förmlich gekleidete Frauen treten in den Zeugenstand. Sie sagen aus gegen ihren ehemaligen buddhistischen Lehrer, den Belgier Robert Spatz. "Er berührte meine Schultern und sagte, dass eine Energie durch meinen Körper fließen würde, die ich spüren müsse. Meine Kleider würden die Energie blockieren, deshalb solle ich sie ausziehen."

 Potala Palace (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Potala Palace, ehemalige Residenz des Dalai Lamas in Tibet Picture Alliance

Betroffene kämpfen um Anerkennung ihres Leids

In einer aktuellen arte-Dokumentation kommen Betroffene zu Wort, die in buddhistischen Zentren Opfer sexueller Gewalt wurden, unter anderem von Robert Spatz.  Als einer der Ersten aus dem Westen gründetet er eine buddhistische Gemeinschaft in Europa. Dort waren viele Kinder in seiner Obhut. Die heute Erwachsenen werfen ihm Ausbeutung, Kindesentführung und sexuellen Missbrauch vor.

Hohe Geistliche waren Missbrauchstäter

Viele Menschen im Westen haben ein rosarotes Bild vom Buddhismus. Friedlich, entspannt, bunt. Doch die Missbrauchsvorfälle sind nicht neu. Bereits in den 90er-Jahren stand Sogyal Rinpoche in der Kritik, ein enger Vertrauter des Dalai Lama. Er war einer der größten Missbrauchstäter im Buddhismus. Eine ehemalige Schülerin berichtet, wie der inzwischen verstorbene Rinpoche rund um die Uhr einen Kreis handverlesener hübscher Frauen um sich scharte, die ihn waschen, ihm den Rücken kraulen und mit ihm schlafen sollten.

"Aber ja, es war Vergewaltigung. Ein fetter, alter und mächtiger Mann verriegelt eine Tür, drängt sich dir auf und bedroht dich."

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Deutsche Buddhistische Union mit Aufarbeitung befasst

Auch in Deutschland soll es Vorfälle gegeben haben. In der deutschen Buddhistischen Union sei das Problem schon länger bekannt, sagt Niels Clausen, der Vorsitzende der Deutschen Buddhistischen Union. „Das passt sehr schlecht mit der buddhistischen Lehre zusammen,“ räumt er ein. Es gab und gebe regelmäßige Treffen, in denen sich Vertreter mit Aufarbeitung und Prävention befassten. „Das ist ein Prozess seit mehreren Jahren. Wir sind auch in einem Dialog mit den Gemeinschaften, um die Strukturen zu ändern“. Verschiedene Maßnahmen seien ergriffen worden. So gäbe es inzwischen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner bei Vorfällen, Leitlinien seien verfasst worden und eine ethische Selbstverpflichtung.

Patriarchale Hierarchien im tibetischen Buddhismus

Die Ursachen für den Missbrauche liegen nach Clausens Auffassung in den starken Hierarchien, die es gerade im tibetischen Buddhismus gebe und den patriarchalen Strukturen, durch die gerade Frauen gefährdet seien. Vor allem das Lehrer-Schüler-Verhältnis, das generell im Buddhismus sehr wichtig sei, könne ausgenutzt werden.

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Die arte-Dokumentation habe ihn erschüttert, erklärte Clausen. Denn erstmals habe er die Betroffenen gesehen. „Die Dimension des Leidens, die da entsteht, ist klar geworden.“ Umso wichtiger sei es nun, aufzuarbeiten und dem nachzugehen.

Projektionsfläche Buddhismus?

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass es nicht nur in den christlichen Kirchen spirituellen Missbrauch gibt. Das Image des Buddhismus ist im Westen offensichtlich weitaus besser als die Realität dieser Weltreligion. Denn zu den Fällen des sexuellen Missbrauchs, die die arte-Dokumentation schildert, kommen Verweise, dass buddhistische Mönche oft auch autoritäre politische Strukturen stützen wie bei der Vertreibung der Rohingyas in Myanmar oder in der Militärdiktatur Thailands.

Der Standpunkt von Christoph Ebner:

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Nela Fichtner, SWR Redaktion Religion, Migration und Gesellschaft (Foto: SWR, SWR/Alexander Kluge - SWR/Alexander Kluge)

Moderatorin am Sonntagmorgen Nela Fichtner

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