Kinder fassen sich an den Händen (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

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Bertelsmann-Studie: Corona-Pandemie schwächt gesellschaftlichen Zusammenhalt

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Geimpft oder ungeimpft? Maskenfreund oder Maskenfeind? Die Corona-Pandemie hat teils tiefe Gräben im Freundeskreis oder in der Familie aufgeworfen. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt bei uns stark zurückgegangen ist.

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Dr. Kai Unzicker ist Sozialforscher und Mitautor der Studie. Ihn habe der Rückgang des Zusammenhalts nicht sonderlich überrascht, berichtet er. Denn die Corona-Pandemie sei eine große Ausnahmesituation gewesen. "Was mich überrascht hat war, wie stark der Zusammenhalt zurückgegangen ist und dass er in unglaublich vielen unterschiedlichen Dimensionen zurückgegangen ist."

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Die Studie wurde im Auftrag der baden-württembergischen Landesregierung durchgeführt. Die Ergebnisse lassen sich dem Wissenschaftler zufolge aber auf alle Bundesländer, beispielsweise auch auf Rheinland-Pfalz, übertragen.

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Fragebogen zu sozialen Beziehungen und Engagement

Für die Studie haben die Wissenschaftler einen Fragebogen zu neun verschiedenen Bereichen entwickelt. Sie befragten die Studien-Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem zu ihren sozialen Beziehungen und wie stabil und vertrauensvoll diese sind. Außerdem ging es darum, ob die Menschen sich zur Gesellschaft zugehörig fühlen und ob sie Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen und sich für andere einsetzen.

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Manche Bevölkerungsgruppen sind von der Pandemie und den Belastungen besonders betroffen, hat die Studie gezeigt. Dazu gehören Menschen mit wenig Einkommen, Alleinerziehende, Menschen mit Migrationshintergrund oder chronisch Kranke. Es seien genau jene Gruppen, die schon vor der Coronakrise einen schwächeren gesellschaftlichen Zusammenhalt erlebt und Schwierigkeiten gehabt hätten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, erläutert Kai Unzicker.

Jugendliche schauen trotz Belastungen optimistisch in die Zukunft

Auch Jugendliche wurden von der Pandemie hart getroffen. Sie mussten in der Schule Maske tragen und konnten im Lockdown ihre Freunde nicht treffen. In der Studie wurden daher explizit auch Menschen zwischen 16 und 24 Jahren befragt. Sie gaben zwar an, ermüdet und emotional belastet zu sein. Dennoch schauen die Jugendlichen insgesamt optimistischer in die Zukunft und bewerten den Zusammenhalt positiver als die älteren Befragten.

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Ein besorgniserregendes Ergebnis der Studie belegt, dass das Vertrauen in andere Menschen verloren geht. Kai Unzicker glaubt grundsätzlich daran, dass dieses Vertrauen wieder aufgebaut werden kann. Die Situation werde jedoch aktuell von neuen Krisen wie dem Ukraine-Krieg und den steigenden Energiepreisen erschwert. Auch die starke Wirkung von Verschwörungstheorien und Fake News seien kontraproduktiv für den Wiederaufbau von Vertrauen.

Das soziale Leben muss wieder Fahrt aufnehmen

Der Wissenschaftler schlägt darum vor, aus dem Studienergebnis Konsequenzen zu ziehen. So müsse man sich verstärkt um jene gesellschaftlichen Gruppen (Alleinerziehende, chronisch Kranke, Geringverdiener) kümmern, deren Probleme in der Pandemie besonders sichtbar geworden seien. Wichtig sei zudem, dass das soziale Leben wieder an Fahrt aufnehme. "Dass Feste stattfinden und Vereine ihre Arbeit fortsetzen können", damit Menschen endlich wieder zusammenkommen können.

Moderator Hans Michael Ehl (Foto: SWR)

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