Kalenderbild zeigt Frau mit Sektglas und Geschenk in der Hand (Foto: IMAGO, IMAGO / serienlicht)

Alkohol verteuern, Cannabis legalisieren, Hilfsangebote ausbauen?

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Ob Sekt oder Bier, Zigaretten oder Gras: Drogen sind weit verbreitet. Aber auch legale Drogen stellen eine große Gefahr dar. Die Bundespsychotherapeutenkammer fordert ein Umdenken.

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Ein Sektfrühstück mit Freunden, einen Schnaps aufs Haus, die Zigarette danach oder die Pille für die Party - Drogen sind weit verbreitet. Vor allem legale Drogen gehören wie selbstverständlich mit dazu. Jede sechste Person in Deutschland trinkt beispielsweise Alkohol in riskanten Mengen. Aber Gefahren geraten schnell aus dem Blick.

Bierzelt in München (Foto: IMAGO, IMAGO / STL)
Alkohol ist aus dem gesellschaftlichen Leben nicht wegzudenken. Wichtig ist der verantwortungsvolle Umgang damit. IMAGO / STL

"Wir sehen das Problem, dass bei Alkohol sehr viel bagatellisiert wird", sagt Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer. Weder über gesundheitliche Folgen bei übermäßigem Konsum werde gesprochen, noch über Auswirkungen auf soziale Fähigkeiten der Betroffenen oder über die Kosten, die der Gesellschaft dadurch entstehen. Jährlich betragen sie rund 57 Milliarden Euro. Auch das Bundesministerium für Gesundheit kritisiert die "weit verbreitete unkritisch positive Einstellung zum Alkohol" in der Gesellschaft. In den vergangenen Jahren sei zwar ein leichter Rückgang des Alkoholkonsums zu verzeichnen gewesen. Dennoch liegt Deutschland im internationalen Vergleich im oberen Zehntel: Pro Kopf und Jahr werden hier durchschnittlich rund zehn Liter reinen Alkohols konsumiert.

Umdenken in Sachen Drogen- und Suchtpolitik

Deshalb fordert die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) ein Umdenken in der Sucht- und Drogenpolitik. Alkohol müsse stärker besteuert werden und solle nur über staatlich lizenzierte Geschäfte abgegeben werden. Das legale Alter für den Erwerb von Drogen - auch Alkohol - solle auf 18 erhöht werden.

"Cannabis ist in unserer Gesellschaft eine Alltagsdroge, das muss man anerkennen."

Bei Marihuana wiederum plädiert die Kammer für die Legalisierung. "Wir haben einen hohen Konsum von Cannabis, aber die Betroffenen sind immer am Rande der Kriminialisierung", so Munz. Es gelte, die Realität anzuerkennen. Zumal die gesellschaftlichen Kosten im Vergleich zu Alkohol geringer seien. In Deutschland haben mehr als 15 Millionen Erwachsene im Alter zwischen 18 und 64 Jahren und etwa 481.000 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren zumindest einmal in ihrem Leben eine illegale Droge konsumiert. Am weitesten verbreitet ist dabei Cannabis.

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Eigenverantwortlicher Drogenkonsum

Die Bundespsychotherapeutenkammer will vor allem zu kompetentem, eingenverantwortlichem Gebrauch von Drogen anregen: Regulierung und Prävention anstelle von Verboten und Kriminalisierung. Dafür müsse die Drogen- und Suchtpolitik neu ausgerichtet werden. „Von keiner Drogenpolitik ist zu verhindern, dass Drogen ausprobiert und gebraucht werden. Deshalb sollten Erwachsene wie Jugendliche auch lernen, Drogen so zu nutzen, dass sie ihre Gesundheit nicht gefährden und das Risiko für Missbrauch und Abhängigkeit gering bleibt“, erklärt Munz.

"Ich hab' heute keine Lust auf Alkohol, das sollte eigentlich genügen. Man meint immer, man muss es begründen, aber daran ist schon erkennbar, der Umgang mit Alkohol ist problematisch."

Eltern, die ihre Kinder und Jugendlichen stark machen wollen, rät er: Sie sollten ihnen signalisieren, dass der Konsum von Alkohol keine Sanktionen nach sich zieht aber auf Gefahren hinweisen - und Wege aufzeigen, wie sie Nein sagen können.

Der Standpunkt in SWR1 Sonntagmorgen von Sophie Rebmann

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SWR1 Moderator Sebastian Frisch (Foto: SWR, SWR1)

Moderator am Sonntagmorgen Sebastian Frisch

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