Alina ist alleine aus der Ukraine geflüchtet (Foto: SWR, Reporterin: Susanne Babila)

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Nach der Flucht aus der Ukraine: Alina kommt an I.

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Die 16-Jährige floh vor dem Krieg. Wie geht es in Deutschland für Alina weiter? Wir begleiten die Ukrainerin bei Behördengängen, der Wohnungssuche und weiteren ersten Schritten.

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Diese Woche wurde es offiziell: Alina Ivanowa und ihre Mutter, Ellina Raievska, haben im Landratsamt Ludwigsburg einen Antrag auf Aufenthaltserlaubnis gestellt. Somit sind sie offiziell als Flüchtlinge registriert. Für ein Jahr dürfen sie bleiben - vorerst. Nun kann Raievska in Deutschland nach Arbeit suchen, sie können Deutschkurse in Anspruch nehmen und Asylbewerberleistungen beantragen.

Alina mit ihrer Mutter im Landratsamt in Ludwigsburg. (Foto: SWR)
Alina Ivanowa mit ihrer Mutter Ellina Raievska und Unterstützerin Ingrid Sauter-Ehmann im Landratsamt in Ludwigsburg.

Die 16-Jährige floh ganz allein

Mitte März floh die 16-jährige Alina Ivanowa aus Sapporischja in der Ukraine zu ihrer Mutter nach Deutschland - ganz allein. Mutter Ellina hatte zu der Zeit als Betreuungskraft in einem deutschen Haushalt gearbeitet, für eine polnische Vermittlungsfirma. Als die Tochter in Deutschland ankam, habe sie den Job gekündigt, erzählt Ellina Raievska. Die 38-Jährige ist alleinerziehend. Sie musste sich erst einmal um die Tochter kümmern.

Alina Ivanowa und ihre Mutter Ellina Raievska im Gespräch mit ihrer Familie. (Foto: SWR)
Alina Ivanowa und ihre Mutter Ellina Raievska im Gespräch mit ihrer Familie.

Nun hofft sie, so schnell wie möglich wieder auf eigenen Füßen zu stehen: Am 28. März hat Ellina Raievska ein erstes Bewerbungsgespräch in einem Seniorenheim. Ihre Tochter Alina wünscht sich: Bald wieder in die Schule zu gehen - und eine Freundin in Deutschland. Der SWR begleitet die beiden bei ihrem Neuanfang und Alina Ivanowas schrittweiser Ankunft in Deutschland.

Tränen und Trennung

Alina weine jeden Tag, sagt ihre Mutter. Sie vermisse ihre 85-jährige Großtante, die die Ukraine nicht verlassen will, ihren Onkel und ihre Freundinnen. Auch ihren Hund musste sie zurücklassen. "Es ist schwer, wenn alle zurückbleiben", sagt Ellina Raievska und zeigt ein Handyfoto, das ihr die Tochter am ersten Kriegstag geschickt hatte. Darauf ist Alina und ihr Hund zu sehen, die in der Badewanne ihrer Wohnung in Sapporischja zusammengekauert Schutz suchen. "Bei Bombenalarm ist die Badewanne der sicherste Ort in der Wohnung", erklärt Ellina Raievska.  

Alina sucht Schutz in der Badewanne (Foto: SWR)
Alina sucht Schutz in der Badewanne

Unterstützung von einer guten Seele

Die alleinerziehende Ellina Raievska war Grundschullehrerin in Sapporischja. Doch mit dem Lohn könne man in der Ukraine nicht überleben, erzählt sie. Daher schlug sie sich mit verschiedenen Jobs durch, bis sie über eine polnische Agentur eine Stelle als sogenannte 24-Stunden-Pflegekraft in Deutschland fand. Diesen Job hatte sie aufgegeben, als die Tochter kam, weil sie sich erst einmal um Alina kümmern wollte. Sie ist froh, Ingrid Sauter-Ehmann an ihrer Seite zu haben.

Ingrid Sauter-Ehmann hilft gern. Vor einigen Jahren hat Alinas Großmutter ihr bei der Betreuung ihrer eigenen Mutter geholfen. Nun will sie etwas zurückgeben: Sauter-Ehmann hatte Mutter und Tochter anfangs bei sich aufgenommen, hat Alina Ivanowa ins Bürgerbüro begleitet, um sie im Kreis Ludwigsburg anzumelden, ihre Unterlagen für eine Aufenthaltserlaubnis im Landratsamt hinterlegt und will sich auch um die schulische und berufliche Perspektive der Jugendlichen kümmern.

"Alina muss jetzt erstmal Deutsch lernen, am besten einen Intensivkurs machen."

Eine Wohnung auf Zeit für Alina und ihre Mutter

Sie hat den beiden Frauen auch eine Wohnung vermittelt. Es ist zwar erst eine Übergangslösung, denn eine Mietwohnung auf Dauer zu finden war schwer. Aber Alina Ivanowa und Ellina Raievska sind dankbar. Jetzt haben sie ihre eigenen vier Wände und können ein bisschen aufatmen.

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Die enorme Hilfsbereitschaft von Ehrenamtlichen und Spendern helfen der jungen Ukrainerin und ihrer Mutter, einen Neuanfang in Deutschland zu wagen.

"Alles da. Schlafzimmer, zwei Betten, ein Schrank, eine Kommode und ein Tisch, wo Alina lernen kann."

Endlich eigene vier Wände. Ingrid Sauter-Ehmann hilft Alina und ihrer Mutter (Foto: SWR, Reporterin: Susanne Babila)
Endlich eigene vier Wände. Ingrid Sauter-Ehmann hilft Alina und ihrer Mutter Reporterin: Susanne Babila

Die Flucht aus der Ukraine

Alina Ivanowa wirkt abwesend, spricht wenig, ist müde. Der Krieg und die Flucht begleiten die 16-Jährige auch in Deutschland. Nachts habe sie oft Albträume. "Die ganze Region wird bombardiert, ich musste einfach weg und schloss mich Bekannten an", erzählt Alina Ivanowa auf Russisch. Sie floh über Lwiw nach Polen. In der Nähe von Kiew mussten sie immer wieder anhalten, die Handys ausschalten und die Lichter löschen, wenn von Weitem Bombenangriffe zu hören waren, erzählt die 16-Jährige.

"Es war schrecklich, ich hatte große Angst"

Drei Tage und drei Nächte dauerte die Flucht von Sapporischja im Süden der Ukraine bis an die polnische Grenze. "Ich war so müde und wir konnten uns im Zug kaum bewegen, es war schlimm", sagt sie. Von dort ging es über Krakau in Polen nach Süddeutschland zur Mutter.

Der Kommentar in SWR1 Sonntagmorgen von Ulrich Pick

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Moderatorin Silke Arning (Foto: SWR)

Moderatorin am Sonntagmorgen Silke Arning

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