Bischöfe nehmen an der Messe zum Abschluss der Bischofssynode zum Thema Jugend im Petersdom teil. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

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Katholische Weltsynode als Reformchance

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Seit einiger Zeit arbeiten die deutschen Katholiken unter der Überschrift "Synodaler Weg" an tiefgreifenden Veränderungen. Jetzt will auch der Papst einen solchen Weg einschlagen. Die Frage ist: Geht es in die gleiche Richtung?

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Papst Franziskus will die katholische Kirche für mehr Mitsprache auch von Laien öffnen und dazu einen synodalen Prozess anstoßen. "Die Kirche Gottes ist zu einer Synode zusammengerufen", heißt es im Vorbereitungsdokument auf die zweijährige Weltbischofssynode "Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung", das sich an die Kirchen in den einzelnen Länder richtet. Alle Gläubigen seien dazu aufgerufen, an der Weiterentwicklung der Kirche mitzuarbeiten.

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Auf breiter Basis über die Zukunft diskutieren

Mehrfach nennt der Vatikan mit Blick auf die Weltsynode den in der katholischen Kirche in Deutschland verwendeten Begriff des "Synodalen Wegs". Beobachter fragen sich, ob der Papst unter "Synodalem Weg" Ähnliches versteht wie die deutschen Katholiken. Diese diskutieren seit eineinhalb Jahren die Position der Frau, die kirchliche Sexualmoral, den Umgang mit Macht und die priesterliche Ehelosigkeit und wollen dabei auch ganz konkrete Veränderungen erreichen.

Große Hoffnung in Weltsynode

Der österreichische Theologe Paul Zulehner setzt große Hoffnungen in die im Oktober startende Weltbischofssynode. Sein neues Buch trägt den Titel: "Eine epochale Reformchance". Für Zulehner geht es um eine grundlegende Reform der katholischen Kirche und nicht nur um einzelne Themen wie die Ordination von Frauen.

 Papst Franziskus (l) kommt zur 15. ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode im Vatikan. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Papst Franziskus kommt zur 15. ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode im Vatikan (6.10.2018) Picture Alliance

Mitsprache und Mitgestaltung mangelhaft

Zulehner hat in seinen Untersuchungen festgestellt, dass es eine enorme Kluft zwischen den Mitsprachemöglichkeiten in der katholischen Kirche und denen in weltlichen Organisationen gebe. In der katholischen Kirche erlebten die Menschen immer noch ein absolutistisches System in dem Wenige entscheiden. Dagegen erlebten sie im Staat ein demokratisches Modell. "Das schafft bei vielen, wie ich es nenne, ein kulturelles Martyrium."

Wir erinnern daran, dass es nicht Zweck dieser Synode und daher auch nicht der Konsultation ist, Dokumente zu produzieren, sondern 'Träume aufkeimen zu lassen, Prophetien und Visionen zu wecken, Hoffnungen erblühen zu lassen, Vertrauen zu wecken, Wunden zu verbinden, Beziehungen zu knüpfen, eine Morgenröte der Hoffnung aufleben zu lassen, voneinander zu lernen und eine positive Vorstellungswelt zu schaffen, die den Verstand erleuchtet, das Herz erwärmt, neue Kraft zum Anpacken gibt'.

Papst will dauerhafte Veränderung

Die Kirche müsse sich fragen, welche Kirchengestalt der Zeit angemessen sei, um ihre Aufgabe zu erfüllen, sagt der Theologe. Dabei müsse die Kirche die Kluft bei der Partizipation, die die Gläubigen erlebten, verringern. "Und genau das möchte Papst Franziskus in dem er eine Kultur der Partizipation in der Kirche implementiert", ist Zulehner überzeugt.

Nur schöne Worte?

Die Erwartungen der Gläubigen an die Weltsynode seien allerdings sehr gemischt, räumt Zulehner ein. Die Menschen fürchteten, dass es bei schönen Worten bleibe. 2019 hatte die Amazonas-Synode unter anderem angeregt, den Zölibat in abgelegenen Gegenden Südamerikas in Ausnahmefällen zu lockern. Der Papst war damals nicht darauf eingegangen.

Menschen aus dem Amazonas-Gebiet begegnen Papst Franziskus (2.v.l) während Abschluss-Messe der Bischofssynode über die Amazonas-Region eine Pflanze. Im Amazonas-Gebiet sollen angesehene Männer, die eine Familie haben und schon als Diakone tätig sind, auch Priester werden dürfen. Dafür stimmte am 26.10.2019 die Mehrheit der Teilnehmer der Synode. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Menschen aus dem Amazonas-Gebiet begegnen Papst Franziskus (2.v.l) während Abschluss-Messe der Bischofssynode über die Amazonas-Region eine Pflanze. Im Amazonas-Gebiet sollten angesehene Männer, die eine Familie haben und schon als Diakone tätig sind, auch Priester werden dürfen. Dafür stimmte am 26.10.2019 die Mehrheit der Teilnehmer der Synode. Picture Alliance

Zulehner hingegen ist optimistisch, dass sich die katholische Kirche als Ganzes in einen grundlegenden Entwicklungsprozess hinein begeben werde. Es sei ein Herzensanliegen von Papst Franziskus, sagt Paul Zulehner. Der Papst wolle keine Entscheidung von oben treffen, sondern setze auf einen Prozess, so die Einschätzung des Theologen.

Die Weltsynode und der deutsche Synodale Weg

Paul Zulehner sieht von der Struktur her keinen Unterschied zwischen dem Synodalen Weg in Deutschland und dem der Weltkirche. Der Papst betone, dass der Weg der Kirche in den unterschiedlichen Kulturen eine eigene Farbe bekommen könne. Er sei zuversichtlich, sagt Zulehner, dass man auf die Vorschläge der deutschen Synode in Rom hören werde.

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