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Profit schlägt Ethik! Nach diesem Motto handeln viele Akteure im Finanzsystem. Immer mehr Menschen fragen aber nach ethisch-verantwortbaren Möglichkeiten, ihr Geld anzulegen und mit ihrem Geld sinnvolle Projekte zu unterstützen. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat dazu jetzt Ratschläge veröffentlicht.

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Wissen Sie, was die Bank Ihres Vertrauens mit Ihren Ersparnissen macht? In der Regel interessiert Bankkundinnen und -kunden nicht, welche Projekte mit ihrem Geld gefördert werden. Aber in einer vernetzten Welt sollten wir wissen, was mit unserem Geld geschieht, so die evangelische Finanzexpertin Karin Bassler in SWR1 Sonntagmorgen. Es sei mit dem Geld nicht anders als mit dem Einkauf im Supermarkt, sagt Bassler, die im Arbeitskreis nachhaltiger Investoren in der evangelischen Kirche aktiv ist. „In allen Rollen und Aktivitäten, die wir ausfüllen, haben wir eine Verantwortung, zu schauen, wie werden Produkte hergestellt, die wir kaufen, und beim Geld: wie wird es angelegt bei den Banken, denen wir es zur Verfügung stellen.“ Bassler plädiert im SWR1-Interview dafür, auch in diesem Bereich die Mündigkeit der Verbraucherinnen und Verbraucher zu fördern.

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Evangelische Kirche als Beispiel

2011 hat die Evangelische Kirche in Deutschland Leitlinien erstellt, wie kirchliches Vermögen, meist aus Pensionsfonds, angelegt werden soll. Prioritäten liegen hier neben anderen im Umweltbereich. Kirchlicherseits würden Banken auch immer wieder angefragt, ob etwa in Rüstungsfirmen investiert wird oder in die Verbreitung von gentechnisch verändertem Saatgut. Auch Projekte wie Staudammbauten, bei denen Menschenrechte nicht beachtet werden, würden kritisiert, so Bassler.

Orientierung am Gemeinwohl

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) fordert jetzt außerdem klare Schritte hin zu mehr Stabilität und Transparenz in der Finanzwirtschaft. Ziel sei eine nachhaltige und ethisch-verantwortliche Gestaltung der Finanzmärkte. So heißt es in einer aktuellen Orientierungshilfe der EKD. Es brauche klare gesetzliche Regelungen, die das System eingrenzen. Außerdem müsse auch das Finanzsystem mit seinen diversen Akteuren am Gemeinwohl orientiert sein, dürfe sich also nicht von gesellschaftlichen Prozessen abkoppeln.

Bulle und Bär, Symbole für sinkende und steigende Aktienkurse, stehen auf Monitoren (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Picture Alliance

Geldanlagen mit Nachhaltigkeit

Wie z.B. bei Lebensmittelprodukten gibt es inzwischen auch Siegel für ethisch-verantwortliche Investitionsmöglichkeiten, wie beim „Forum nachhaltige Geldanlagen“. Das Forum vergibt entsprechende Prüfsiegel und veröffentlicht jährlich eine Liste von Fonds, die ausgezeichnet wurden. Außerdem prüft die Europäische Union Möglichkeiten, ein eigenes Label für nachhaltige Investitionen einzuführen. Bis ein solches staatliches Siegel vorliegt, wird es wohl noch eine Weile dauern.

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Ethisch-verantwortbare Anlagemöglichkeiten im Trend?

Immer mehr Menschen interessieren sich für solche Investitionsmöglichkeiten. Laut einer Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbz) aus dem Jahr 2020 ist jede(r) Zweite grundsätzlich bereit, Geld nachhaltig anzulegen – für das Klima, die Umwelt oder für ethische und soziale Projekte. Ganz allmählich entstehe ein Bewusstsein dafür, dass sich dadurch auch Chancen böten, Einfluss auszuüben. „Meine Geldanlage ist auch ein Hebel, mit dem ich etwas bewirken kann“, zitiert Bassler Menschen, die sich für ethische Geldanlagen interessieren, um damit auch Positives zu bewirken.

Der Standpunkt in SWR1 Sonntagmorgen:

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Magdalena Knöller, SWR Redaktion Religion, Migration und Gesellschaft (Foto: SWR, SWR / Anne Täschner)

Moderatorin am Sonntagmorgen Magdalena Knöller

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