Olympia-Stadion in Tokio (Foto: Imago, IMAGO / ZUMA Wire)

SWR1 Sonntagmorgen

Fußball, Olympia und die Menschenrechte

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Der Sport lebt von Fairness und von Spielregeln. Großereignisse wie die Fußball-EM und die Olympischen Spiele sind eine gute Gelegenheit beim Thema Menschenrechte genauer hinzusehen.

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Die Fußball-EM findet unter anderem in Russland und Aserbaidschan statt. Bei der Vergabe der EM vor rund sieben Jahren spielte das Thema Menschenrechte bei der UEFA noch keine Rolle, erklärt die ehemalige Olympionikin Sylvia Schenk. Sie ist Sportexpertin bei Transparency International Deutschland und war früher Mitglied im unabhängigen Menschenrechtsrat der FIFA. Jetzt müsse man abwarten, wie die Begegnungen in Sankt Petersburg und Baku verlaufen. Wie die Sicherheitskräfte mit Fans umgehen. „Da kann eine Frage sein, wie mit LGBTIQ-Fans umgegangen wird.“

Von Beginn an auf Menschenrechte achten

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Das Thema Menschenrechte ist sehr viel mehr im Vorfeld einer sportlichen Großveranstaltung zu beachten, erklärt Schenk. Wenn Stadien gebaut werden, wie sind die Arbeitsbedingungen? Wie ist die Lieferkette beim Catering? „Menschenrechtsverletzungen in der Lieferkette sind ein ganz entscheidender Punkt.“ Mit der Vergabe der Fußball-EM 2024 an Deutschland hat die UEFA erstmals Menschenrechtskriterien bereits in der Bewerbungsphase berücksichtigt.

Fußball-EM 2024 in Deutschland

Für die zehn Spielorte 2024 in Deutschland soll es ein Menschenrechtskonzept geben. Im Frühjahr habe es mit allen beteiligten Städten Gespräche zu den Themen Nachhaltigkeit und Menschenrechte geben, berichtet die 69-Jährige. „Es war sehr spannend, zu erleben, wie unterschiedlich da die Ansätze sind.“ Da sei auch in Deutschland noch einiges zu tun, um sich klarzumachen, was es bedeutet von Beginn an bei den Vorbereitungen auf die Menschenrechte zu achten.

„Welche Produkte bestellt man, wie sieht es auch in Deutschland mit den Arbeitsverhältnissen im Catering, im Reinigungsgewerbe, im Sicherheitsgewerbe aus. Da wissen wir, dass wir dort durchaus auch Schwarzarbeit haben“, sagt die ehemalige Leichtathletin. Solche Dinge wie die Bezahlung des Mindestlohnes müssten auch in Deutschland beachtet werden. „Da werden jetzt schon entsprechende Vorbereitungen getroffen.“

Leichtathletik Länderkampf BR Deutschland gegen UdSSR 1972 in Augsburg, Sylvia Schenk (77), Tamara Kazachkova (15), Olga Dwirna (9) (Foto: Imago, IMAGO / WEREK)
Leichtathletik Länderkampf BR Deutschland gegen UdSSR 1972 in Augsburg, Sylvia Schenk (77), Tamara Kazachkova (15), Olga Dwirna (9) Imago IMAGO / WEREK

Testfeld Deutschland

Sylvia Schenk sieht den Sport bei Großveranstaltungen in einem Lernprozess. Der Fußball sei da in Fragen der Menschenrechte weltweit vermutlich am weitesten. Die FIFA habe sich 2016 in dieser Frage auf den Weg gemacht und die UEFA mit der Ausschreibung des Turniers 2024 ebenfalls. Man müsse ganz viele einzelne Schritte gehen. „Deutschland wird 2024 ein gutes Testfeld dafür sein.“

Olympische Spiele in Tokio

„Die FIFA hat ein Menschenrechtskonzept und arbeitet systematisch seit mittlerweile knapp fünf Jahren an den Themen“, erklärt Schenk. „So weit ist das Internationale Olympische Komitee noch nicht. Das IOC will erst ein Menschenrechtskonzept erarbeiten.“ Es habe sich zumindest einen Bericht erstatten lassen, was dort alles beachtet werden müsse. Seit der Veröffentlichung vor gut einem Jahr fehle jetzt noch die Umsetzung.

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IOC hat Probleme mit Meinungsfreiheit

Schenk kritisiert, dass das IOC nach wie vor Probleme mit der Meinungsfreiheit der Athletinnen und Athleten habe. „Die Frage: Darf man sich für die olympischen Werte durch Gesten auf dem Podium einsetzen oder nicht?“ Das werde sicherlich zu Diskussionen während der Spiele führen, da es einzelne Athletinnen und Athleten gebe, „die sich nicht den Mund verbieten lassen. Das wird so ein bisschen die Nagelprobe.“

Migrantenarbeiter in Tokio

Auch in Tokio gebe Migrantenarbeiter im Baugewerbe und auch dort habe es Probleme gegeben, sagt Schenk, Probleme, ähnlich wie sie immer wieder auch für Katar diskutiert wurden. "Aber man guckt immer nur nach Katar und nicht zu einem Land wie Japan.“ Ein weiteres Menschenrechtsthema in Japan sei der Umgang mit Homosexualität. „Wir haben auch dort durchaus Fragen im Vorfeld gehabt, die die Menschenrechte betreffen." Schenk erinnert daran, dass vor Kurzem das Thema Frauen und Gleichberechtigung eine große Rolle gespielt hatte. Eine abwertende Äußerung des Vorsitzenden des Organisationskomitees hatte zu seinem Rücktritt geführt.

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