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Seit Donnerstag läuft der dritte Ökumenische Kirchentag (ÖKT). Aufgrund der Corona-Pandemie wird er als hybride Veranstaltung abgehalten. Es gibt kaum Programm vor Ort. Stattdessen finden rund 80 Veranstaltungen im Netz statt.

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Der Ökumenische Kirchentag (ÖKT) hat bei seinen Foren am Samstag eine breite Palette kirchlicher und politischer Themen behandelt. Wichtige Themen waren der Klimaschutz und die Coronapandemie. Außerdem wurde über verschiedene Kirchenthemen debattiert, beispielsweise über Ämter für Frauen in der katholischen Kirche, Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare oder die Auflösung des Missbrauchs-Betroffenen-Beirates der EKD.

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Mehr Miteinander

Digital zugeschaltet war u.a. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich mit der "Fridays for Future"-Klimaaktivistin Luisa Neubauer über den Klimawandel austauschte. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sprach sich gegen nationalen Egoismus beim Impfschutz aus: „Keiner ist sicher, bevor nicht alle sicher sind“, sagte er. Wer ausgeschlossen ist, werde sich mit neu auftretenden Mutanten wieder in Erinnerung bringen. Für mehr ökumenisches Miteinander warb der katholische ÖKT-Präsident Thomas Sternberg. Gerade wenn die Kirchen öffentlich an Bedeutung verlieren, brauche es ein "gemeinsames christliches Zeugnis".

Bestürzung über antisemitische Aktionen in Deutschland

Zum Beginn des ÖKT am Donnerstag hatten ÖKT-Präsidentin Bettina Limperg und ÖKT-Präsident Thomas Sternberg sich zu der anhaltenden Gewalt im Nahen Osten und der damit verbundenen antisemitischen Aktionen in Deutschland geäußert. "Wir bestürzt und empört darüber, dass der Nahost-Konflikt zum wiederholten Male zur Bedrohung für Jüdinnen und Juden hier in Deutschland wird, indem er zum Anlass genommen wird, antisemitische Haltungen offen zur Schau zu stellen und auch entsprechende Taten folgen zu lassen. Die Angriffe auf die Synagoge in Bonn, das Verbrennen von Israelflaggen vor der Synagoge in Münster oder die gebrüllten Hetzparolen in Gelsenkirchen sind alarmierend."

Kein Mega-Event wegen Corona

Eigentlich hatten der Deutsche Evangelische Kirchentag und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken als Veranstalter ein Mega-Event geplant. Nach der großen Resonanz beim ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin 2003 und beim zweiten in München 2010, rechneten die Veranstalter in Frankfurt am Main mit mindestens 100.000 Gästen. Doch die Corona-Pandemie hat alle Planungen durcheinander gebracht.

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Im Netz – nicht auf der Straße

Statt der ursprünglich mehr als 200 Live-Events in der Main-Metropole gibt es nun lediglich rund 100 Veranstaltungen – und zwar im digitalen Format. Unmissverständlich heißt auf der ÖKT-Homepage: „Wir raten von einer Anreise nach Frankfurt ausdrücklich ab.“ Ohnehin gibt es vor Ort wenig zu sehen. Statt bequemer Schuhe sind also stabile Internetverbindungen  angesagt. „Da die Menschen nicht nach Frankfurt kommen können, kommt der 3. ÖKT zu ihnen nach Hause“, kommentierte denn auch der katholische Kirchentagspräsident Thomas Sternberg.

„Schaut hin“

Das biblische Leitwort ist allerdings geblieben. Es lautet: "Schau hin“ und hat im Grunde eine doppelte Bedeutung. Zum einen geht es in Zeiten von sexuellem Missbrauch, wachsendem Antisemitismus und zunehmendem Rassismus um besondere Wachsamkeit für gefährliche gesellschaftliche Entwicklungen. Zum anderen bekommt angesichts der digitalen Ausrichtung der Veranstaltung das Schauen in den eigenen Bildschirm einen besonderen Stellenwert.

OKT in Frankfurt (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Picture Alliance

Trotz Corona zeigt sich Prominenz

Mit einem zentralen Live-Stream, der aus einem Kirchentags-Studio in Frankfurt kommt, digitalen Workshops und On-Demand-Angeboten wollen die Veranstalter zumindest ein wenig das Flair eines realen Kirchentages erzeugen. Zudem setzen sie auf die Prominenz, die sich trotz der widrigen Bedingungen zeigen will: So werden unter anderem Beiträge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie Digitalformate mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erwartet. Hinzu kommen Gesprächsrunden mit Gesundheitsminister Jens Spahn, Außenminister Heiko Maas, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster und der Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor. Auch die schon zur Tradition gewordenen Bibelarbeiten fehlen nicht: Mit dabei sind unter anderem Margot Käßmann, Eckart von Hirschhausen und Winfried Kretschmann.

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Gemeinsames Abendmahl?

Thematisch hat man sich an drei Leitfäden orientiert. Sie lauten: „Alles eine Frage des Glaubens und Vertrauens?“, „Zusammenhalt in Gefahr?“ und „Eine Welt – Globale Verantwortung?“ Ein weiteres wichtiges Thema dürfte außerdem die Ökumene sein – und hier die Frage nach einem gemeinsamen Abendmahl für Mitglieder aller christlichen Konfessionen. Hier allerdings hat der Vatikan bereits seine Vorbehalte deutlich gemacht.

Der Standpunkt in SWR1 Sonntagmorgen

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SWR1 Moderator Sebastian Frisch (Foto: SWR, SWR1)

Moderator am Sonntagmorgen Sebastian Frisch

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Religion, Migration & Gesellschaft SWR1 Sonntagmorgen

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