Regenbogen-Flagge an einer Kirche (Foto: Imago, IMAGO / Kirchner-Media)

SWR1 Sonntagmorgen

Segnungsfeiern "für alle Liebenden"

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"Liebe gewinnt", unter diesem Motto finden rund um den 10. Mai Segnungsfeiern auch für schwule und lesbische Paare statt. Dies solle ein Zeichen gegen Diskriminierung und für Vielfalt in der katholischen Kirche sein.

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Die Autobahnkirche Baden-Baden ist eine der Kirchen, die bei der Aktion mitmacht. Vor der Kirche weht eine Regenbogenflagge, im Kirchenraum sind Plakate mit Segenstexten aufgestellt. Zu bestimmten Terminen ist ein Priester in der Kirche, der die Liebespaare auf Wunsch segnet.

Das Angebot der Autobahnkirche bei baden-Baden richtet sich gleichermaßen an alle Liebespaare (Foto: SWR)
Das Angebot der Autobahnkirche bei baden-Baden richtet sich gleichermaßen an alle Liebespaare

Einladung an alle Liebespaare

Pfarrer Michael Zimmer von der Baden-Badener Autobahnkirche hat die Einladung ausdrücklich an alle Liebespaare ausgesprochen, auch wenn aus Rom andere Signale kommen und auch wenn die Erzdiözese Freiburg in der Vergangenheit eher zurückhaltend mit dem Thema gleichgeschlechtliche Partnerschaften umgegangen ist.

Gegenwind aus Rom

Die katholische Kirche sagt, sie sei nicht befugt, homosexuelle Paare zu segnen. Das hat die Glaubenskongregation im Vatikan Mitte März in einer sogenannten Responsum ad dubium (Antwort auf einen Zweifel) klargestellt. Papst Franziskus stimmte der Veröffentlichung zu.

Segnungen menschlicher Beziehungen sind dem Schreiben zufolge nur möglich, wenn damit den Plänen Gottes gedient werde. "Aus diesem Grund ist es nicht erlaubt, Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften einen Segen zu erteilen, die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe (...) einschließen, wie dies bei Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts der Fall ist."

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Nicht besser oder schlechter

Für Pfarrer Michael Zimmer ist eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft nicht besser oder schlechter als eine traditionelle Ehe. Es seien unterschiedliche Lebensentwürfe. "Das ist einfach anders, ohne das zu bewerten, und das halte ich für ganz wichtig." Es gehe auch nicht um Gleichmacherei, sondern um einen respektvollen Umgang mit der Vielfalt von unterschiedlichen Lebenswegen, die letztlich Gott schenke.

Initiative #mehrSegen

Angesichts der Absage der Glaubenskongregation, homosexuelle Partnerschaften zu segnen, hatte sich die Initiative #mehrSegen der katholischen Priester Bernd Mönkebüscher und Burkhard Hose gebildet. Sie ruft Mitarbeiter der katholischen Kirche auf , sich trotz des Verbots aus Rom an Segnungen zu beteiligen: "Wir werden Menschen, die sich auf eine verbindliche Partnerschaft einlassen, auch in Zukunft begleiten und ihre Beziehung segnen." Die Erklärung hat laut der Internet-Seite inzwischen mehr als 11.100 Unterstützer.

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"Unterstützung ist überwältigend"

Das Regenbogenforum e.V. - die Vertretung christlicher Gruppen aus dem LSBTTIQ-Spektrum - begrüßt die breite Unterstützung gegen das Verbot der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. "Die Unterstützung ist überwältigend", freut sich Gerhard Wachinger vom Vorstand des Regenbogenforums. Eine solche Solidarisierung weiter Kreise in der Kirche über die LSBTTIQ-Community hinaus habe es noch nie gegeben.

Mangelt es dem Vatikan an theologischer Tiefe?

Scharfe Kritik am Vatikan findet sich auch in einer Stellungnahme, die von einer Arbeitsgruppe an der Universität Münster erarbeitet wurde und die mehr 200 Professorinnen und Professoren unterzeichnet haben. In der Stellungnahme heißt es, dem Papier aus dem Vatikan mangle es an theologischer Tiefe. Der Text sei zudem von einem "paternalistischen Gestus der Überlegenheit" geprägt und diskriminiere homosexuelle Menschen und ihre Lebensentwürfe.

Deutsche Bischofskonferenz lehnt Aktion ab

Öffentliche Aktionen dieser Art seien angesichts der laufenden innerkirchlichen Debatten etwa um die Haltung zur Homosexualität "kein hilfreiches Zeichen", erklärt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing aus Limburg. Segnungsgottesdiensten komme eine "eigene theologische Würde und pastorale Bedeutung" zu. Sie eigneten sich aber gerade nicht für "Protestaktionen".

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Moderatorin Silke Arning (Foto: SWR)

Moderatorin am Sonntagmorgen Silke Arning

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Religion, Migration & Gesellschaft SWR1 Sonntagmorgen

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