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Am Muttertag haben wir darüber berichtet, dass insbesondere Mütter von der Corona-Krise betroffen sind. Sie haben in der Krise die Arbeitszeit stärker reduziert als Väter und schultern nach wie vor einen Hauptteil der Care-Arbeit. Und trotzdem geht die Krise auch bei Vätern an die Substanz.

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Väter sind größtenteils immer noch Haupternährer

Viele Väter waren es gewöhnt, acht bis zehn Stunden täglich im Büro zu verbringen, sagt Volker Baisch von der Väter gGmbH. Denn in 77 Prozent der Familien sind sie nach wie vor der Hauptverdiener und damit der Ernährer der Familie. Im Homeoffice sind sie nun häufig damit konfrontiert, dass Kinderbetreuung und Home-Schooling eben nicht nebenbei funktioniert. So wie Stefan Nachbar aus Freiburg, der seine drei Kinder gerade zu Hause betreut. Weil seine Frau beruflich viel außer Haus ist, wird der Familienvater nun mehr und mehr zum ersten Ansprechpartner für seine Kinder.
Viele Väter sehen nun auch, dass sich die so genannte Care-Arbeit, die viele Frauen tagtäglich neben der Berufstätigkeit leisten, kraft- und zeitraubend ist und fühlen sich überfordert. Tatsächlich sagten 42 Prozent der befragten Väter in zwei Forsa-Umfragen in den Monaten April und Mai, dass sie wegen der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder unter Druck stehen würden. Im November 2019 war nur ein Drittel der Väter von den Kindern gestresst. Und nicht nur die Arbeit und die Familie leidet: Auch die Paarbeziehung zwischen Eltern ist in der Corona-Krise echten Belastungsproben ausgesetzt.

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Die guten Seiten der Krise

Viele Väter blicken aber auch positiv auf die vergangenen Wochen zurück. Mehr Zeit zu Hause hat für sie eben auch bedeutet, mehr mitzubekommen von der Entwicklung der Kinder. Welches Spiel ist gerade angesagt? Welches Buch steht gerade hoch im Kurs und wie heißen die liebsten Serienhelden? All diese Fragen können viele Papas jetzt im Schlaf beantworten. Das stärkt die Beziehung zum Kind und damit auch den Wunsch, künftig mehr Zeit miteinander zu verbringen.

Ein Vater steht mit seinem Sohn auf den Schultern vor der untergehenden Sonne (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
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Jeder zweite Vater würde gerne weniger arbeiten

Das klassische Wochenend-Papa-Modell sei gerade bei vielen jungen Vätern nicht mehr gewünscht, sagt Baisch. Viele wollten sich zu Hause stärker einbringen und mehr Zeit mit den Kindern verbringen. Hier hätte die Corona-Krise auch positive Seiten, denn viele Väter hätten es auch genossen, mehr Zeit zu Hause mit den Kindern zu verbringen. Und jeder zweite Vater wolle gerne weniger arbeiten, um sich mehr um die Erziehung kümmern zu können. Das geht auch mit den Wünschen vieler Mütter einher, die sich in der Teilzeit-Falle gefangen sehen und häufig das Gefühl haben, in ihren wenigen Stunden extra-effizient arbeiten zu müssen.

Der Schatten von einem Mann mit zwei Kindern zeichnet sich an einer Wand mit bunten Handabdrücken ab (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
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Corona-Krise birgt Chancen für neue Arbeitsmodelle

Trotzdem hänge es nach wie vor sehr stark von der Branche ab, ob es familienfreundliche Arbeitsmodelle gebe, so Baisch. Was in großen Unternehmen bereits an der Tagesordnung ist, ist in kleinen Betrieben und in konservativen Branchen nur schwer durchzusetzen. Dennoch habe die Corona-Krise auch hier einiges bewegt: Denn auch Firmen, die bisher dem Arbeiten von zu Hause eher ablehnend gegenüberstanden, hätten nun gesehen, dass dies für viele Mitarbeiter eine gute Option sei. Heutzutage würden junge Bewerber schon in den Vorstellungsgesprächen nach Elternzeit, Teilzeit oder Möglichkeiten für ein Sabbatical (eine bestimmte Zeit unbezahlter Freistellung) fragen.
Neben den Unternehmen sei aber auch die Politik gefragt. So setzt sich die Väter gGmbH schon lange für Änderungen im Steuerrecht ein und würde das Ehegatten-Splitting gerne durch ein Familien-Splitting ersetzt wissen. Während beim Ehegatten-Splitting das gemeinsame Einkommen der Ehepartner durch zwei geteilt und dann versteuert, während es beim Familiensplitting auf alle Köpfe einer Familie verteilt wird. Hier wird also die Anzahl der Kinder bei der Besteuerung stärker gewichtet.

Der Standpunkt in SWR1 Feiertagmorgen:

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Moderatorin Silke Arning (Foto: SWR)

Moderatorin am Sonntagmorgen Silke Arning

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