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Seit dem Jahr 321 leben Jüdinnen und Juden nachweislich auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Mit einem Festakt in der Kölner Synagoge beginnt am 21. Februar der bundesweite Auftakt zum Festjahr.

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Das Ziel des Festjahres ist es, jüdisches Leben in unserer Gesellschaft deutlicher sichtbar und erlebbar zu machen. Es soll an die umfangreiche Geschichte der Religionsgemeinschaft in Mitteleuropa erinnern, die sowohl von zahlreichen kulturellen Errungenschaften als auch von großem Leid geprägt ist - besonders in der Shoa. Zudem soll dem erstarkenden Antisemitismus entgegenwirkt werden, wie es auf der Homepage zum Festjahr heißt.

Erster Beleg für jüdisches Leben

Eine Urkunde, die am 11. Dezember 321 vom römischen Kaiser Konstantin an die Stadt Köln ausgestellt wurde, ist die früheste erhaltene schriftliche Quelle zum jüdischen Leben in Europa nördlich der Alpen. Der Erlass erlaubte erstmals die Berufung von Juden in öffentliche Ämter auf deutschem Gebiet und gilt als wichtiger historischer Beleg dafür, dass Juden bereits seit der Spätantike ein wichtiger Bestandteil der mitteleuropäischen Kultur waren.

Sonderbriefmarke zu 1700 Jahren jüdischen Lebens in Deutschland. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Sonderbriefmarke zu 1700 Jahren jüdischen Lebens in Deutschland. Picture Alliance

Jüdische Gemeinde – zwischen Feier und Sorge

Momentan leben in Deutschland 150.000 Jüdinnen und Juden. Ihre größte Dachorganisation ist der Zentralrat der Juden in Deutschland. Dessen Präsident, Josef Schuster, spricht anlässlich der 1700-Jahr-Feierlichkeiten lieber von einem Festjahr als von einem Jubiläumsjahr. Denn zum Jubilieren, sagt er in SWR1 Sonntagmorgen, gebe es „nicht unbedingt Anlass“. Wichtig ist ihm aufzuzeigen, was in diesen 1700 Jahren auch „durch jüdische Menschen in Deutschland geschaffen wurde“ und, „dass jüdische Menschen eigentlich ganz selbstverständlich zu Deutschland gehören sollten“.

Hellhörig und wachsam sein

Sorgen machen ihm der wachsende Rechtsextremismus und Antisemitismus. Der Anschlag von Halle 2019 habe „das jüdische Leben zunächst einmal dramatisch verändert“, sagt Schuster. Durch die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen für jüdische Einrichtungen sei aber „wieder eine gefühlte Sicherheit entstanden.“ Obgleich - wie in früheren Jahren - etwa 20 Prozent der hiesigen Gesellschaft eine antijüdische Einstellung hätten, sei es aber mittlerweile wieder opportun, diese Vorurteile in der Öffentlichkeit auszusprechen – woraus leider dann auch Taten folgten. „Es gilt hier hellhörig zu sein, es gilt hier wachsam zu sein, es gilt hier aufzuklären ohne Ansehen von Personen und Institutionen“, betont Schuster.

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Zahlreiche Veranstaltungen

Das Festjahr wird bundesweit mit mehr als tausend Veranstaltungen gefeiert, darunter Ausstellungen, Konzerte oder Theateraufführungen. Schirmherr ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

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In Baden-Württemberg wird es zahlreiche Veranstaltungen geben – zum Beispiel einen Dokumentarfilm zum Thema „Jüdisch in Baden-Württemberg“. Am 25. April ist ein Abend mit Musik und Gedichten von jüdischen Komponisten und Lyrikerinnen und Lyrikern im Stuttgarter Hospitalhof geplant. Am 20. Juni wird es Einblicke in den jüdischen Humor im Bischof-Moser-Haus geben.

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Welterbe SchUM-Städte?

Mit rund 70 Veranstaltungen beteiligt sich Rheinland-Pfalz an dem Festjahr. Einen Schwerpunkt im Festprogramm bilden die sogenannten SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz - benannt nach ihren hebräischen Anfangsbuchstaben. Sie gelten als bedeutende Orte des jüdischen Mittelalters. Mit Spannung wird im Sommer die Entscheidung der Unesco erwartet, ob die SchUM-Städte als Weltkulturerbe anerkannt werden.

„Wir wollen 1700 Jahre jüdischen Lebens würdigen, Vorurteile überwinden, das Miteinander stärken und diesen erstarkenden Antisemitismus bekämpfen», sagte die Generalsekretärin des eigens für das Festjahr gegründeten Vereins, Sylvia Löhrmann, bei der Vorstellung des rheinland-pfälzischen Festprogramms in Mainz.

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Der Standpunkt in SWR1 Sonntagmorgen

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Moderatorin Silke Arning (Foto: SWR)

Moderatorin am Sonntagmorgen Silke Arning

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