Pakistanische Christinnen protestieren für ihre Rechte (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

SWR1 Feiertagmorgen

Christen weltweit unter Druck: Flucht und Repressionen - auch an Weihnachten

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Immer öfter werden Christen behindert, ihren Glauben frei auszuüben. In Afrika und Asien wird ihnen vielerorts das Recht auf Religionsfreiheit verwehrt. Vor allem im Nahen Osten, nimmt ihre Zahl seit Jahren ab. 

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Schon seit Längerem beobachtet Petra Bosse-Huber, dass weltweit immer mehr  Christen Druck ausgesetzt sind und an der Ausübung ihres Glaubens gehindert werden. „Die christliche Religion als größte Weltreligion ist auch am meisten betroffen von der Verletzung der Religionsfreiheit“, sagt die Auslandsbischöfin der EKD. 

Die Repressionen seien zudem in den vergangenen Jahren ständig gewachsen. Konkret zählten hierzu terroristische Anschläge auf christliche Minderheiten ebenso wie Verweigerung des Rechtes auf Religionswechsel und  gezielte soziale Ausgrenzung sowie Benachteiligung.  

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Mangelnde Religionsfreiheit in Afrika und Asien 

Matthias Vogt, der Generalsekretär des katholischen „Deutschen Verein vom Heiligen Lande“, unterstreicht die Sicht der evangelischen Auslandsbischöfin. Auch er sieht eine weltweite Zunahme des Drucks auf bekennende Christen. Dies gelte, sagt der gelernte Islamwissenschaftler, vor allem für Afrika und Asien, wo er gleich mehrere Problemfelder für die Religionsfreiheit von Christen sieht:

„Das eine ist der Hindunationalismus in Indien, wo es für Christen immer schwieriger wird, ihre Rechte von der Regierung in Delhi garantiert zu bekommen. Das zweite sind autoritäre und ehemals kommunistische Regime wie Nordkorea und Vietnam, die die Religionsfreiheit stark einschränken.“

Zudem gibt es laut Vogt im Nahen Osten ein großes Problem – hier besonders stark in Saudi-Arabien - sowie in Westafrika, speziell in Nigeria, wo die Gruppe Boko Haram gezielt und gewalttätig gegen Christen vorgeht. „Hier muss man sogar über Weihnachtstage mit Anschlägen rechnen.“ 

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Großer Exodus aus dem Nahen Osten  

Besonders bedrückend ist laut Matthias Vogt, dass seit Jahren immer mehr Christen den Nahen Osten verlassen. So stellten sie vor rund 100 Jahren im ausgehenden Osmanischen Reich noch rund 20 Prozent der orientalischen Bevölkerung. Heute sind es nicht einmal mehr 5 Prozent. Besonders stark flohen die Christen in den vergangenen Jahren aus dem Irak und Syrien.

Im Zweistromland sank ihre Zahl seit dem Sturz von Diktator Saddam Hussein von 1,5 Millionen auf heute rund 200.000. Aus Syrien flohen durch den Bürgerkrieg rund zwei Drittel der Christen – das sind mehr als eine Million. Zwar ist der Exodus der Christen aus dem Nahen Osten im ablaufenden Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht weiter gestiegen. Doch hat sich ihre Lage nach Angaben von Vogt auch nicht verbessert. 

Weltweit habe die Pandemie eher zu einer Verschlechterung beigetragen: „Corona hat die Armut verschärft und somit auch den Zulauf zu extremistischen Gruppen. Dies ist ein Grund, weshalb es für Christen zum Beispiel in Nigeria noch einmal gefährlicher geworden ist.“ 

Eine syrischen Gemeinde trauert um 3 ihrer Mitglieder, die während einer Messe getötet wurden.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Syrischen Gemeinde trauert um 3 ihrer Mitglieder, die während einer Messe getötet wurden. Picture Alliance

Unterstützung dringend nötig 

Ob die christliche Kultur im Nahen Osten infolge des anhaltenden Exodus möglicherweise einmal komplett verschwinden wird, darüber gibt es unterschiedliche Vermutungen. Momentan wird eher darüber diskutiert, wie man hierzulande angemessen darauf reagieren kann, dass so viele orientalische Christen ihre eigene Heimat und somit auch die Heimat ihrer Religion verlassen. Bischöfin Bosse-Huber empfiehlt hier eine zweigleisige Strategie: Es gelte denjenigen Christen, die nach Mitteleuropa kommen, einen guten Neustart zu gewährleisten. Gleichzeitig müsse aber auch alles unternommen werden, um Christen im Nahen Osten zu unterstützen – sowohl materiell als auch spirituell. Hier seien Kirchen und Politik gleichermaßen gefordert. 

Moderator Hans Michael Ehl (Foto: SWR)

Moderator am Sonntagmorgen Hans Michael Ehl

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