SWR1 Sonntagmorgen

Gerechte Impfstoffverteilung - weltweit

STAND

Mit der Impfstoffinitiative Covax der Weltgesundheitsorganisation WHO soll eine gerechte Verteilung von Corona-Impfstoffen in ärmeren Ländern sichergestellt werden. Kann das funktionieren?

Audio herunterladen (46,3 MB | MP3)

Biontech und Pfizer oder AstraZeneca, die Hoffnung hat viele Namen. Die EU-Kommission hat inzwischen sechs Kaufverträge mit internationalen Pharmakonzernen vereinbart und der Europäischen Union damit den Zugriff auf 1,2 Milliarden Dosen vielversprechender Impfstoffe gesichert. Weitere Abkommen sind in Arbeit.

Auswahl an Unternehmen, die an einem Corona-Impfstoff arbeiten. (Foto: Imago, imago images)
Auswahl an Unternehmen, die an einem Corona-Impfstoff arbeiten. Imago imago images

Das Virus kennt keine Grenzen

"Die Ausbreitung der Pandemie kann mit Einschränkungen des sozialen Lebens höchstens gebremst werden. Eine dauerhafte Lösung der Corona-Krise ist nur mit sicheren und wirksamen Impfstoffen möglich“, sagt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Um die Pandemie zu überwinden, muss die Welt zusammenarbeiten. Müssen die reichen Länder den Armen helfen, weil das Virus keine Grenzen kennt. "Die Impfstoffe schnell für die europäischen Bürger zu sichern, ist eine Priorität. Gleichzeitig wollen wir aber sicherstellen, dass jeder Zugang zu den Medikamenten hat und zwar überall auf der Welt“, erklärt von der Leyen.

Audio herunterladen (3,8 MB | MP3)

Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied

Europa unterstützt deshalb die Covax-Initiative mit 800 Millionen Euro. Das Geld ist gut angelegt, denn die EU handelt hier auch im eigenen Interesse, sagt der FDP-Europaabgeordnete und Mediziner Andreas Glück: "Die Bekämpfung einer Pandemie ist wie eine Kette nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Und deshalb ist es keine Selbstlosigkeit, wenn wir uns als Deutschland und als Europäische Union überlegen, wie eine effiziente und gerechte Verteilung von Impfdosen erfolgen kann.“

Gewaltiger logistischer Aufwand

Die Herausforderungen sind gewaltig. Um Hunderte Millionen Menschen weltweit versorgen zu können, müssen die Impfmittel nicht nur produziert, sondern auch transportiert werden. Je nach Wirkstoff sind dafür funktionierende Kühlketten nötig, mit Lastwagen, Gefriertruhen und speziell ausgerüsteten Impfzentren.

Impfzentrum in Düsseldorf (Foto: Imago, Imago images)
Impfzentrum in Düsseldorf Imago Imago images

Internationale Organisationen sollen Verteilung übernehmen

Um die Verteilung vor Ort sollten sich am besten internationale Organisationen kümmern, heißt es in Brüssel. Zum Beispiel UNICEF, sagt Peter Liese, gesundheitspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion "UNICEF hat sehr viel Erfahrung mit Impfprogrammen, kennt die Leute weiß, wie man sie informieren muss. Und deswegen glaube ich, ist es gut, wenn UNICEF diese Aktion zentral in die Hand nimmt.“

Audio herunterladen (1,1 MB | MP3)

Klingt nach sehr viel und ist auch sehr viel

Dr. Julia Inthorn ist die Direktorin des Zentrum für Gesundheitsethik an der Evangelischen Akademie Loccum. Sie sieht die 800 Millionen Euro der EU für die Covax-Initiative als wesentlichen Beitrag. "Das klingt sehr viel und ist auch sehr viel." Die Summe werde nicht ausreichen, die ganze Welt mit Impfstoff zu versorgen, aber es sei ein Baustein unter vielen und ein wichtiger erster Schritt.

Audio herunterladen (5,3 MB | MP3)

Riesige Zahl von Menschen mit erhöhtem Risiko

Das Robert Koch-Institut schätze allein die Zahl der Menschen mit erhöhtem Risiko in Deutschland auf 30 Millionen, sagt Inthorn. "Das ist im Bezug auf die Gesamtbevölkerung eine riesige Gruppe." Im Vergleich zwischen verschiedenen Ländern könnten diese Zahlenverhältnisse sehr unterschiedlich ausfallen. "Je nachdem, wie die demographische Verteilung ist, also die Altersgruppen in den Bevölkerungen", erklärt Inthorn.

Ältere Bevölkerungen besser mit Impfstoff versorgen als jüngere

Von daher könne es gerechtfertigt sein, eine vergleichsweise alte Bevölkerung besser mit Impfstoff zu versorgen als eine vergleichsweise jüngere." Entsprechende Berechnungen müssten zeigen, dass der Gesamtschutz der Bevölkerung und derer, die das Risiko haben schwer zu erkranken, gleichermaßen gewährleistet sei. Ein Gießkannenprinzip sei nicht notwendiger Weise eine gerechte Form der Verteilung, erklärt Inthorn, die auch Mitglied der Ethikkommission der Bundesärztekammer ist.

Der Standpunkt in SWR1 Sonntagmorgen

Audio herunterladen (2,4 MB | MP3)

Nela Fichtner, SWR Redaktion Religion, Migration und Gesellschaft (Foto: SWR, SWR/Alexander Kluge - SWR/Alexander Kluge)

Moderatorin am Sonntagmorgen Nela Fichtner

Moderatorin am Sonntagmorgen

Religion, Migration & Gesellschaft SWR1 Sonntagmorgen

Ein Magazin rund um das Thema Religion und Gesellschaft. Vier Stunden lang Musik, Informationen, Hintergründe, Lebenserfahrungen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN